02.03.2009 · Die Cebit kämpft seit Jahren mit sinkenden Aussteller- und Besucherzahlen und ist auf der Suche nach einem neuen Erfolgsrezept. In diesem Jahr kommt es allerdings besonders hart: 25 Prozent weniger Aussteller als 2008.
Von Johannes WinkelhageDie Wirtschaftskrise hat die Cebit voll getroffen – mitten im Prozess der Neuausrichtung. Die Veranstaltung kämpft seit Jahren mit sinkenden Aussteller- und Besucherzahlen und ist auf der Suche nach einem neuen Erfolgsrezept. In diesem Jahr kommt es allerdings besonders hart: Mit 4300 Ausstellern zeigen rund 25 Prozent weniger Unternehmen ihre Produkte in Hannover als noch vor einem Jahr. Auch daran wird deutlich, dass es sehr schwierig werden wird, irgendwann an die alten Glanzzeiten der Messe anzuknüpfen. Dafür hat sich auch das Wettbewerbsumfeld nach Ansicht von vielen Beobachtern zu stark verändert. In diesem Sinne steht jetzt schon fest: Die Cebit 2009 wird eine deutlich kleinere „Größte IT-Messe der Welt“.
So zeigt sich jetzt, dass die Umstellung der Berliner Ifa auf einen Jahresturnus der Cebit in Hannover stärker geschadet hat, als eigentlich erwartet worden war. Die Anbieter der Unterhaltungselektronik ziehen die Ifa der Cebit inzwischen vor, da sich diese Messe stärker auf ihre Branche konzentriert – und mit dem neuen Turnus jetzt auch dem Innovationszyklus wieder gerecht wird. Natürlich zeigen Unternehmen wie Samsung oder Panasonic in Berlin zum Beispiel auch ihre Notebook oder Netbook-Angebote. Die kleinen Computer werden inzwischen von tragbaren Arbeitsgeräten zu permanenten Begleitern, die Musikbox, Fotoalbum und Kommunikationszentrale gleichermaßen.
Ausweg „Webciety“?
Ähnliches gilt für die Mobiltelefone, die einst zu den Besuchermagneten der Cebit gehörten. Inzwischen allerdings hat der Mobile World Congress, der nur wenige Tage vor der Cebit in Barcelona stattfindet, der Veranstaltung in Hannover in diesem Segment den Rang abgelaufen. Dort trifft sich die Branche, und entsprechend haben Unternehmen wie Nokia, Motorola und jetzt auch Samsung der Cebit den Rücken gekehrt. Auch Netzbetreiber wie E-Plus oder O2, die früher mit riesigen Ständen auf der Veranstaltung vertreten waren, haben sich zurückgezogen. So kehrt die Cebit – nicht ganz freiwillig – zu ihren Wurzeln zurück, als sie vor allem eine Messe für Unternehmenskunden war.
Ein Ausweg, den sich die Verantwortlichen zur Stabilisierung der Veranstaltung ausgedacht haben, wird in diesem Jahr unter dem Schlagwort „Webciety“ präsentiert. So sollen 2009 verstärkt auch Unternehmen aus der Internetwirtschaft auf die Messe gezogen werden. Nicht umsonst hat die Cebit den amerikanischen Bundesstaat Kalifornien als Gastland ausgewählt und erwartet dessen Gouverneur Arnold Schwarzenegger als Ehrengast in Hannover.
Um diese Initiative zu unterstützen, soll auch keineren Unternehmen durch besondere Angebote eine Messepräsenz ermöglicht werden. Die großen Unternehmen der Internetbranche wie Google oder Yahoo sind allerdings in Hannover zunächst nur mit einigen Vertretern erschienen. Kritiker halten diesem Konzept entgegen, dass gerade die Unternehmen, mit Geschäftsmodellen in der virtuellen Welt, eher weniger an einer stationären Veranstaltung interessiert sein könnten.
Eine weitere Idee der Veranstalter, wie die Messe wieder attraktiver werden könnte, ist das parallel zur Ausstellung aufgebaute Konferenzprogramm. Damit geht die Cebit einen ähnlichen Weg wie die Mobilfunkmesse in Barcelona – die sich allerdings ursprünglich aus einem Kongress entwickelt hat und diese Tradition ungebrochen und mit großem Erfolg bis heute fortführt.