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Konjunktur Die Chance von Hannover

19.04.2009 ·  Über den Erfolg der Hannover Messe entscheidet nicht die Zahl der Aufträge, sondern die Stimmung. An der Reaktion der Einkäufer und Besucher wird sich ablesen lassen, ob die Wirtschaft wieder investiert oder ob sie sich weiter zurückhält. Ein echtes Konjunkturbarometer.

Von Georg Giersberg
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Die Hannover Messe gilt als Konjunkturbarometer. Was mehr als 6000 Aussteller und Hunderttausende Besucher in dieser Woche vom größten Messegelände der Welt an Stimmung und Meinung über den weiteren Verlauf der Konjunktur mit nach Hause nehmen, wird nicht ohne Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung der kommenden Monate bleiben. Von den drei konjunkturellen Teilbereichen Export, Investitionen und Konsum werden von den in Hannover ausstellenden Unternehmen zwei maßgeblich beeinflusst: der Export und die Investitionen.

An der Reaktion der 200.000 Einkäufer auf neue Werkstoffe und auf neueste Verfahren der Fabrikautomation und der Energieeinsparung wird sich ablesen lassen, ob die Wirtschaft wieder investiert oder ob sie sich weiter zurückhält. Die mehr als dreitausend deutschen Unternehmen der Elektrotechnik und des Maschinenbaus werden besonders gespannt auf die Reaktion der ausländischen Gäste sein. Hier werden Tendenzen für die Entwicklung des Exports in den kommenden Monaten ausgelöst.

Gemischte Gefühle

Die Aussteller kommen mit eher gemischten Gefühlen nach Hannover. Zweistellige Umsatzeinbrüche in Maschinenbau und Elektrotechnik sind kein Grund zur Freude. Aber ein erstes positives Zeichen ist schon darin zu sehen, dass die größte Investitionsgütermesse der Welt kaum Absagen seitens der Aussteller zu verzeichnen hat. Die Unternehmen bestückten die Messe nicht, wenn sie sich davon nichts versprächen, denn die Teilnahme an der Ausstellung kostet Geld.

Zweitens ist die Innovationskraft ungebrochen. Wie die Einreichungen zu dem inzwischen auch international anerkannten höchstdotierten privaten technischen Innovationspreis der Welt, dem Hermes Award, zeigt, sind gerade in diesem Jahr in Hannover eine Reihe bedeutender technischer Neuerungen zu verzeichnen. Sie beschäftigen sich vielfach mit Energieeinsparung, einem Thema, das nach Aussage der meisten Fachleute das beherrschende Thema der kommenden Jahrzehnte bleiben wird. Diese Innovationsfreude und Innovationsbereitschaft der Industrie zeugt ebenfalls von einem Grundoptimismus.

Düstere Prognosen und erste Hoffnungsschimmer

Von der Konjunktur kommen gemischte Meldungen. Immer düstereren Prognosen für die Weltwirtschaft seitens der Weltbank und anderer Institutionen stehen erste positive Hoffnungszeichen gegenüber. Chinas Wirtschaft hat sich abgekühlt, zeigt aber – so man den Daten trauen will – weiterhin deutliches und zuletzt sogar wieder zunehmendes Wachstum.

Auch aus Amerika kommen erste Hoffnungsschimmer. Die Rohstoffmärkte senden erste günstige Preissignale aus, deutsche Großunternehmen berichten zunehmend, dass sich die drastischen Umsatzrückgänge der Monate Januar und Februar im März nur in abgeschwächter Form fortgesetzt hätten. Das könnten Anzeichen dafür sein, dass eine Bodenbildung sichtbar wird.

Bodenbildung heißt nur, dass es nicht weiter bergab geht

Bodenbildung heißt zunächst zwar nur, dass es nicht weiter bergab geht. Die Umsatzrückgänge der ersten Monate wären auch dann bis Jahresende nicht mehr wettzumachen – und das bedeutete ein Jahr mit niedrigem Umsatz und mit Verlust. Nach einer Untersuchung der Unternehmensberatung Oliver Wyman bedeuten 15 Prozent Umsatzverlust auf Jahresbasis das Abrutschen in die Verlustzone. Das wäre aber für die überwiegende Mehrzahl der Unternehmen zu verkraften. Denn die deutsche Investitionsgüterindustrie, von der sich ein großer Teil in Hannover zeigt, ist wirtschaftlich recht stabil. Sie steht mit 2,5 Millionen Beschäftigten für etwa 700 Milliarden Euro Umsatz. Die Investitionsgüterindustrie war in den vergangenen Jahren der Wachstumsmotor der deutschen Wirtschaft und steht für den Exporterfolg. Gerade die internationale Vernetzung macht sie jetzt auch abhängig von der globalen Rezession.

Aber die Jahre des kräftigen Aufschwungs haben der deutschen Investitionsgüterindustrie auch die Kassen gefüllt. Außerdem hat man nach der letzten Rezession Instrumente entwickelt, mit denen man flexibler auf Auftragsrückgänge reagieren kann. Und nicht zuletzt die in Hannover zu sehende Innovationsstärke der deutschen Wirtschaft zeigt, dass sie ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit nicht hergeben will. Die vielen Marktführer in ihren Nischen verlieren diese Marktführerschaft nicht durch die allgemeine Krise. Im Gegenteil, der Marktführer mit einer guten Technologie und einer guten Eigenkapitalausstattung wird zu den Gewinnern der Krise zählen. Er darf aber jetzt auch mit den Investitionen nicht nachlassen. Die technische Entwicklung geht weiter. Das zeigt die Messe eindrucksvoll.

Für den Erfolg der Messe wird nicht die Zahl der Aufträge entscheidend sein. Entscheidend wird die Stimmung sein, die die Besucher und die Aussteller von Hannover mit nach Hause nehmen. Die Ausgangslage für eine erfolgreiche Messe ist gegeben. Wenn die Beteiligten den Willen haben, etwas daraus zu machen, und sich nicht in Selbstmitleid ergehen, dann kann von Hannover für die Investitionsgüterindustrie ein positives Zeichen ausgehen, was seine Wirkung auf die gesamte Wirtschaft nicht verfehlen würde.

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Jahrgang 1955, Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

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