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Hannover Messe Innovationsfeuerwerk vor schwarzen Wolken

23.04.2009 ·  Die Hannover Messe hat ihren Ruf als größte Innovationsmesse der Welt gefestigt: Mehr als 4.000 Neuheiten präsentierten die Unternehmen - und punkteten vor allem mit Energieeffizienz. Das von allen erhoffte Aufschwungssignal ertönte allerdings nur leise.

Von Georg Giersberg und Holger Paul
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Die Hannover Messe, die heute nach fünf Tagen zu Ende geht, war ein technisches Ereignis erster Güte. Wer erfahren wollte, wie Bürocomputer und Fertigungssteuerung zusammenwachsen, wie das Internet bis zur Steuerung der Werkzeugmaschine vordringt, wie intelligente Stromnetze in der Zukunft den Verbraucher zum Erzeuger machen oder wie mit Elektroautos auch Strom gespeichert wird, der musste nach Hannover kommen. Mit mehr als 4.000 Neuheiten haben Maschinenbau, Elektrotechnik und Zulieferer unter Beweis gestellt, dass sie in der Entwicklung neuer Produkte trotz Krise zu Höchstform aufgelaufen sind.

Das Generalthema Energieeffizienz hat die Hersteller ebenso animiert wie die Ankündigung der Politik, den Anteil regenerativer Energien am gesamten Energieaufkommen deutlich steigern zu wollen. Gleiches gilt für den globalen Trend hin zu alternativen Antrieben wie dem Elektroauto.

Und in Krisenzeiten bekommen solche Innovationen eine ganz besondere Bedeutung. In den vergangenen Jahren habe eine besonders hohe Energieeffizienz der Maschinen als Verkaufsargument kaum eine Rolle gespielt, erzählen viele Hersteller. Wichtig war nur, dass ein Gerät überhaupt schnell geliefert werden konnte.

Viele Aussteller sparten bei den Ständen

„Jetzt haben die Kunden plötzlich ein großes Interesse am Effizienzthema“, sagt Hans Sondermann, Geschäftsführer Vertrieb von SEW Eurodrive. Und daher fühlen sich auch diejenigen Hersteller gut gerüstet, mit deren Apparaten sich nachweisbar Material und Kosten in der Produktion einsparen lassen.

Die mehr als 6.000 Aussteller haben ein Feuerwerk an technischen Neuheiten abgebrannt, das bei der von 200.000 Einkäufern besuchten Messe auf große Resonanz gestoßen ist. Wobei sich am Montag, dem ersten Messetag, viele Aussteller noch voll Sorge fragten, ob es wohl die ganze Woche so leer in den Hallen bleiben werde.

Man müsse auf der Messe eben dabei sein, um zu zeigen, dass es die Firma überhaupt noch gibt, erzählt der leitende Manager eines mittelständischen Zulieferers mit Galgenhumor. Deutlich sichtbar auch, dass viele Aussteller die Kosten für ihren Auftritt reduziert haben; so mancher Konzern verzichtet etwa auf das gewohnte zweite Stockwerk an seinem Stand.

Mehr Fachkontakte als früher

Doch von Dienstag an füllte sich das Messegelände deutlich, und die Mienen wurden zufriedener. Zwar sei von so manchem Kunden nur noch der Abteilungsleiter nach Hannover gekommen statt wie früher ein dreiköpfiges Team, sagt Karl Tragl, Vorstandsmitglied von Bosch Rexroth. Aber das habe die Gesprächsqualität nicht gemindert - im Gegenteil. „Die Anzahl der Fachkontakte war sogar noch besser als vor zwei Jahren“, erläutert er.

Und es hilft der Stimmung sicherlich auch, dass so manche besonders von der Krise betroffene Branche wie die Werkzeugmaschinenbauer gar nicht dabei sind, weil sie ihre eigenen Leitmessen haben. Dafür dürfen sich Branchen, deren Geschäft ohnehin vergleichsweise stabil läuft, umso auffälliger präsentieren, zum Beispiel die Hersteller von Windkraftanlagen.

„Erstmals war die Branche inklusive der Zulieferer in ihrer gesamten Breite präsent“, sagt Rainer Bröring, Geschäftsführer Wind Energy im amerikanischen GE-Konzern. Damit sei Hannover an der Traditionsmesse Husum Wind vorbeigezogen, fügt er hinzu.

Am Ende siegt der Realismus

Und Aussteller wie Besucher waren sich einig, in der technischen Entwicklung jetzt nicht nachlassen zu dürfen. Wer technisch an der Spitze bleibt, der habe im Aufschwung die größten Chancen. „Viele Kunden und Unternehmen arbeiten an neuen Maschinenkonzepten“, sagt Tragl. „Die Forschung wird nicht zurückgefahren“, betont er. Es herrsche „pragmatische Zuversicht“, nennt das die Deutsche Messe als Ausrichterin der Veranstaltung. Statt Krise stünden Themen zu ihrer Überwindung im Vordergrund.

Trotzdem: Sehr schnell werden alle Gespräche beherrscht von den Worten Umsatzeinbruch, Verlust, Kurzarbeit, Arbeitsplatzabbau und Kreditklemme. Mit vielen Sprüchen versuchen die Aussteller sich in einer Art Galgenhumor darüber hinwegzuretten. Da ist vom Seemann die Rede, dessen Qualität sich in schwerer See erweise, oft wird das chinesische Zeichen für Krise bemüht, das aus einem Teil Gefahr und aus dem zweiten Teil Gelegenheit zusammengesetzt sei. Und es wird immer wieder betont, dass man nur versuche, grundlegenden Optimismus mit Realismus zu kombinieren.

Am Ende siegt dann allerdings der Realismus - und der sieht auch nach einer Woche Hannover Messe nicht viel besser aus als fünf Tage zuvor. Die Rezession hält an, die Talsohle ist in Sicht, aber noch nicht erreicht. 10 Prozent Umsatzrückgang in diesem Jahr dürfte nicht nur für die Elektrotechnik eine realistische Einschätzung sein.

Noch kein echtes Aufschwungssignal

Hannover hat gezeigt, dass gerade die deutsche Industrie sich mannhaft gegen die Krise wehrt, dass sie Mitarbeiter zu halten, ja den Anteil der Ingenieure sogar zu steigern gewillt ist. Aber in Hannover sind auch die Rufe nach dem Staat wieder aufgeflammt. Da wird nach steuerlicher Befreiung der Forschungsaufwendungen gerufen, nach Abwrackprämien nicht nur für Autos, da wird die Bürokratie bei der Beantragung von Kfw-Krediten beklagt und die Erhöhung der Zinsschranke von 30 auf 50 Prozent verlangt. Mehr staatliches Engagement für die Hochschulen, Senkung der Steuern oder der Aufbau eines nationalen Energieplanes - all dies steht auf dem Wunschzettel der Industrie.

Diese Forderungspalette ist ebenfalls Ausdruck der Hilflosigkeit, mit der man weiterhin sinkenden Auftragseingängen gegenübersteht. Die Hoffnungen liegen jetzt auf den Monaten Mai und Juni sowie auf dem dritten Quartal. Dann könnte zumindest der Abschwung ein Ende haben, heißt es.

Das Wort des niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff wurde vielfach aufgegriffen, wonach die Krise die Form einer Badewanne habe: Einem tiefen Fall folgt ein lange Talsohle, bevor es dann einen steilen Aufschwung gibt. Frustrierte Unternehmer fügten allerdings hinzu, dass man nicht wisse, wie viel Wasser in der Wanne sei.

Die Hannover Messe hat die Wirtschaft in ihrem Durchhaltewillen bestärkt - ein echtes Aufschwungssignal allerdings war sie nicht. Das muss aus der guten Stimmung von Hannover erst noch werden.

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Jahrgang 1955, Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

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