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Hannover Messe In der Krise intelligent produzieren

19.04.2009 ·  Das Leitthema der Hannover Messe, die an diesem Sonntagabend eröffnet, ist die Energieeffizienz. Gerade in der Krise wollen die Unternehmen möglichst intelligent produzieren. Das gilt auch für die Maschinenbauer. Sie versuchen nicht in Trübsal zu verfallen und erkennen erste konjunkturelle Hoffnungsschimmer.

Von Holger Paul
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Vor einem Jahr jubelten die deutschen Maschinenbauer auf der Industriemesse in Hannover noch über randvolle Auftragsbücher, ihre Kapazitäten waren bis an den Rand ausgelastet. „Der Maschinenbau schwimmt auf einer Erfolgswelle“, sagte der Präsident des Branchenverbands VDMA, Manfred Wittenstein, seinerzeit voller Stolz. Doch der fünf Jahre andauernde starke Aufschwung ist seit einigen Monaten jäh gestoppt, inzwischen kämpfen viele Unternehmen darum, überhaupt noch neue Aufträge zu bekommen. Und entsprechend gedämpft wird auch die Stimmung der Aussteller in den kommenden Tagen sein. „Im Grunde kommt die Hannover Messe in diesem Jahr zu früh, im Herbst wäre sie besser angesiedelt“, sagt Thorsten Herdan, Geschäftsführer der Sparte Power Systems im VDMA.

Ein klares Aufbruchsignal, dass die Zeiten bald wieder besser werden, kann von der Industrieschau 2009 nicht ausgehen. Dazu ist die Weltwirtschaftskrise zu heftig und ihr weiterer Verlauf immer noch zu unkalkulierbar, heißt es. „Aber wir sollten die Situation auch nicht noch schlechter reden, die Hannover Messe sollte wieder positiveres Denken hervorrufen“, sagt Herdan. Immerhin gebe es einige kleine Hoffnungsschimmer. So profitieren die Hersteller von Baumaschinen schon von den staatlichen Konjunkturprogrammen in Asien, „und die Öl- und Gasenergiekonzerne fangen ebenfalls wieder an zu investieren“, sagt der Verbandsfachmann. VDMA-Präsident Wittenstein zeigt sich denn auch sicher, dass die Geschäfte im März für die Maschinenbauer besser ausgefallen sind als im überaus tristen Vormonat.

Der Rationalisierungsdruck steigt

Die Antwort auf die Krise laute, intelligenter zu produzieren, erklärt er. Und genau das wollen die Maschinenbauer auf der Hannover Messe auch zeigen. In allen Branchen steige derzeit der Rationalisierungsdruck, und damit erhöhe sich die Nachfrage nach innovativen Automatisierungslösungen, beobachtet der Hydraulik- und Antriebsspezialist Bosch Rexroth. Die Hannover Messe biete daher „eine einzigartige Plattform“, um das eigene Können zur Schau zu stellen.

Neuaufträge werden auf der Industriemesse traditionell nur selten getätigt, es geht um die Kundenpflege und um Erstkontakte mit potentiellen künftigen Abnehmern. „Wir wollen die Messe als Schaufenster nutzen, um auf uns aufmerksam zu machen“, heißt es beim Windkraftanlagenbauer Nordex. Und sollte Hannover nicht in Trübsal versinken, „dann kann dort auch das eine oder andere Projekt angestoßen werden“, sagt ein Nordex-Sprecher. „Für uns zählt neben der Gesamtbesucherzahl vor allem die Qualität der Kontakte. Sie sind ausschlaggebend für den Messeerfolg“, heißt es bei Bosch Rexroth. Von daher ließe es sich auch verschmerzen, wenn die Besucherzahl unter dem Vorjahreswert von 200.000 Menschen bliebe, womit viele Aussteller rechnen.

Windenergie, Antriebs- und Fluidtechnik stehen im Mittelpunkt

Dabei kommt es der Stimmung in den Messehallen sicherlich zugute, dass einige der von der Krise am meisten gebeutelten Sparten im Maschinenbau – Druck- und Textilmaschinenbauer oder Werkzeugmaschinenhersteller – gar nicht in Hannover anwesend sind, da sie ihre eigenen Leitmessen haben. Stattdessen stehen die Themen Windenergie sowie Antriebs- und Fluidtechnik im Mittelpunkt. Und insbesondere im Windsektor herrscht noch immer vergleichsweise gute Stimmung. Zwar werden in den Vereinigten Staaten, dem weltgrößten Absatzmarkt, 2009 fast ein Drittel weniger neue Windkraftanlagen errichtet als im Vorjahr. Aber die Projekte werden nicht gestrichen, sondern vielfach nur geschoben, was den Herstellern angesichts der zuletzt unter Hochdruck stattfindenden Produktion gar nicht so unrecht ist. Denn es verringert die Gefahr, dass bei der Produktion der entscheidenden Teile, der Rotorblätter, Fehler auftreten.

Wie schon im Vorjahr soll das Stichwort Energieeffizienz abermals die Messe prägen; ein Feld, auf dem sich die deutschen Maschinenbauer besonders stark fühlen. „Energieeffizienz wird noch lange ein Leitthema für die Branche bleiben, denn sobald die Konjunktur auch nur leicht anspringt, werden die Rohstoffpreise wieder steigen“, sagt Josef Auer, Ökonom der Deutsche-Bank-Tochtergesellschaft DB Research. Auf der Hannover Messe könnten die deutschen Hersteller daher zeigen, „wie sie andere Unternehmen fit machen für den Aufschwung“, sagt er. Zumal Energie- und Materialsparen in der industriellen Produktion auch politisch gewünscht und von daher ein langfristiger Trend sein wird, ergänzt Thorsten Herdan. „Die Unternehmen wissen ganz genau, dass der jüngste Verfall der Rohstoffpreise ein ebenso übertriebenener Ausschlag nach unten war wie der Preisanstieg zuvor“, sagt er.

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Jahrgang 1966, Redakteur in der Wirtschaft.

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