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Hannover Messe Die Elektroindustrie hofft auf das Elektroauto

21.04.2009 ·  Die deutsche Elektro- und Informationstechnik kann und will gestärkt aus der derzeitigen Wirtschaftskrise hervorgehen. Auf der Hannover Messe präsentierte sich die Branche hoffnungsvoll - vor allem im Hinblick auf das Elektroauto.

Von Georg Giersberg
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Die deutsche Elektro- und Informationstechnik kann und will gestärkt aus der derzeitigen Wirtschaftskrise hervorgehen. Das glauben nach einer auf der Hannover Messe vom Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e. V. (VDE) vorgestellten Umfrage 64 Prozent seiner 1300 Mitgliedsunternehmen. Die Elektroindustrie sei ursächlich für viele Innovationen ihrer Abnehmerindustrien von der Medizintechnik über die Automobilindustrie bis zur Energietechnik verantwortlich. Und in den meisten elektrotechnischen Bereichen nehme die deutsche Wirtschaft international eine technisch führende Stellung ein. Mehr als die Hälfte der gesamten deutschen Industrieproduktion hängt nach den Worten von Joachim Schneider, Präsident des VDE, von der Elektro- und Informationstechnik ab. In Deutschland sei der Anteil der Hightechindustrien an der Wertschöpfung so hoch wie in keinem anderen Land der Erde. Er betrage 15 Prozent und liege damit über den entsprechenden Werten von Japan (11,6 Prozent) und der Vereinigten Staaten von Amerika (7 Prozent).

„Diesen Vorsprung sollten wir nutzen und ausbauen“, sagte Schneider. Die größte Innovationskraft habe Deutschland nach Ansicht der 1300 Mitglieder des VDE in der Fabrikautomation, in der Energie-, Elektro- und Medizintechnik sowie in den Bereichen Mikro- und Nanotechnik. Energieeffizienz werde in fast allen Bereichen als Hauptmotivation für Innovationen betrachtet. Die größten Einsparpotentiale sehen die Verbandsfachleute in den Produktionsanlagen, Antrieben und in der Beleuchtung. Es gehe aber auch darum, die Stromnetze nicht mehr nur angebotsorientiert, sondern mehr verbrauchsorientiert zu steuern und über das Elektroauto Strom- und Verkehrsnetze zunehmend zusammenwachsen zu lassen.

Schlüsselrolle der Speicherchips

Für alle elektrotechnischen Innovationen brauche man aber Speicherchips. Gerade die geplanten Fahrzeuge mit Hybridantrieb brauchten sehr viele anwendungsorientierte Speicherchips. Der Verband betrachte daher mit großer Sorge den aktuellen Niedergang der Speicherchipherstellung in Deutschland. „Wenn die Chipfabriken gehen, wird die Entwicklung anwendungsspezifischer integrierter Schaltungen folgen, mit unabsehbaren Folgen für die deutsche Wirtschaft“, sagte Schneider.

Sein Verband fordert daher, den Halbleiterstandort Deutschland gegenüber den stark subventionierten ostasiatischen Standorten zu verteidigen. Die Chips in Deutschland zu entwickeln und in Asien zu fertigen sei kein tragfähiges Modell. Die Hälfte aller deutschen Ausfuhren sei abhängig von der Mikroelektronik, auch wenn in vielen Maschinen und Anlagen nur sogenannte Embedded Systems, also versteckte Steuerungen und Antriebe, enthalten seien.

Zur Erhaltung der deutschen Chipstandorte - an erster Stelle ist der derzeit gebeutelte Standort Dresden zu nennen - bedürfe es nicht unbedingt staatlicher Subventionen. Es müsse zunächst einmal die Bedeutung der Mikroelektronik für die deutsche Wirtschaft bewusster werden. In einem zweiten Schritt gehe es um die schnelle Anwendung neuer Techniken im eigenen Land. Da bedürfe es allerdings manchmal auch der Hilfe des Staates, der bei der Anwendung eine Vorreiterrolle spielen sollte.

Aufholjagd durch China und Indien

Im Hinblick auf die Innovationskraft werde die Aufholjagd durch China und Indien immer bedrohlicher. Während Deutschland heute in der Elektrotechnik mit weitem Abstand vor den Vereinigten Staaten der Technologieführer sei, gehen die Mitglieder des VDE davon aus, dass im Jahr 2020 China dicht an das zurückfallende Deutschland herankommt. Während Deutschland noch am ehesten in der Energietechnik seine technisch führende Stellung auch 2020 behaupten kann, wird es in der Informationstechnologie vom heute - nach den Vereinigten Staaten - zweiten auf den sechsten Rang zurückfallen, weil sich Japan, vor allem aber Indien und China hier weit nach vorn schieben.

Europa habe aber durchaus auch im Wettbewerb mit China gute Chancen. Die größte sei der europäische Markt. Entwicklung finde vor allem dort statt, wo auch angewendet werde. „Europa sollte daher um den Mikroelektronik-Standort kämpfen, eine europäische Technologiestrategie entwickeln und die geplanten Infrastrukturprogramme um weitere Technologieschwerpunkte ergänzen“, fordert der VDE-Vorstandsvorsitzende Hans Heinz Zimmer. Es gibt aber nach Ansicht der VDE-Mitglieder in Europa und Deutschland viele selbstverschuldete Innovationsbremsen. Die größte (mit 70 Prozent Zustimmung) sei die Bürokratie. An zweiter Stelle steht der Fachkräftemangel vor einem „zu geringen Engagement für die Hochschulen“. Dabei lägen im hohen Ausbildungsniveau deutscher Ingenieure die größten Innovationschancen. Der Fachkräftemangel werde sich nach Ansicht fast aller Beteiligter weiter verschärfen.

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Jahrgang 1955, Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

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