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Branchen und Märkte (191): Maschinenbau Der Glaube an die eigenen Stärken

16.04.2009 ·  In den Werkshallen bislang kaum sichtbar, doch der Maschinenbau wird die Folgen der Krise erst noch richtig zu spüren bekommen. Die Branche fühlt sich aber stark genug, die anstehenden Monate zu meistern - wenn die Banken mitspielen.

Von Holger Paul
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In den Werkshallen der deutschen Maschinenbauer ist die Krise bislang noch kaum sichtbar. In vielen Produktionsstätten wird auf Hochtouren geschweißt, gefräst und montiert. Es sind aber vornehmlich alte Aufträge aus dem Vorjahr, die nun abgearbeitet werden; neue Bestellungen sind rar. Im Februar dieses Jahres verbuchte die Branche nur noch halb so viele Bestellungen wie im Vorjahr, und die Umsätze sanken im selben Monat nach Angaben des Statistischen Bundesamts um 22,3 Prozent.

Zum Start der Industriemesse, die am nächsten Montag in Hannover ihre Tore öffnet, ist eine Besserung der Lage nicht in Sicht. Daher hat auch der Branchenverband VDMA seine Zuversicht deutlich revidieren müssen. Hoffte man zunächst, der Maschinenbau könnte das Jahr 2009 mit einem Produktionsminus von 7 Prozent überstehen, gilt nun eine Bandbreite von minus 10 bis minus 20 Prozent als wahrscheinlich. „Da das Produktionsvolumen in diesem Jahr noch maßgeblich von den Aufträgen von 2008 bestimmt wird und diese Aufträge zum Teil eine lange Durchlaufzeit haben, erscheint diese Prognose realistisch“, sagt Michael Wolff, Geschäftsführer der Investmentbank Robert W. Baird, in Frankfurt.

„Die Krise wird uns hart treffen“

Das dicke Ende drohe den Maschinenbauern als typischen Spätzyklikern jedoch im nächsten Jahr. „Die Branche wurde in den vergangenen Jahren sehr verwöhnt mit hohem Umsatzwachstum und hohen Gewinnen. Sie hat von einer einmaligen Kombination verschiedener Faktoren profitiert: dem Aufschwung Chinas und Indiens, den hohen Investitionen im Nahen Osten und in Russland sowie dem großen Nachholbedarf bei vielen Ausrüstungsinvestitionen“, erläutert Wolff. Da diese Faktoren nun weitgehend entfallen, „wird die volle Wucht der Krise 2010 sichtbar“, warnt der Finanzfachmann für mittelständische Unternehmen. Eine Erkenntnis, die sich auch in der Branche durchsetzt. „Die Krise wird uns hart treffen“, räumt Hannes Hesse, der Hauptgeschäftsführer des VDMA, ein. „Für die Hoffnung, dass der Spuk bald vorbei sein wird, gibt es nur begrenzten Grund“, sagt er.

Dennoch glaubt man in der deutschen Vorzeigeindustrie, die in den vergangenen fünf Jahren ihr Produktionsvolumen um mehr als 40 Prozent auf 194 Milliarden Euro gesteigert hat und deren knapp 6000 Unternehmen hierzulande fast eine Million Menschen beschäftigen, fest an die eigenen Stärken. Der Maschinenbau sei die Schlüsselindustrie für viele andere Industriesektoren, heißt es; ohne die maßgeschneiderten Geräte aus den hiesigen Werkshallen wären die Produktionsfortschritte in vielen anderen Branchen gar nicht möglich gewesen.

Die größten Sorgenfalten bereiten die Banken

Zudem haben sich die Maschinenbauer auf ihre Fahne geschrieben, in wichtigen Themenfeldern wie der Umwelttechnik ihre führende Stellung auszubauen. Der nächste konjunkturelle Aufschwung werde nicht ohne die deutschen Hersteller stattfinden, heißt es. Gegenüber der Konkurrenz aus Europa werde der deutsche Maschinenbau weitere Wettbewerbsvorteile erlangen, sagt Josef Auer, Ökonom und Branchenfachmann der DB Research. So seien zum Beispiel die Lohnstückkosten der italienischen Wettbewerber deutlich angestiegen. „Der deutsche Maschinenbau wird wesentlich besser aus der Krise hervorgehen als die europäischen Wettbewerber“, prognostiziert er.

Die größten Sorgenfalten bereiten der Branche daher im Augenblick auch nicht die Kunden, sondern die Banken. Ohne Exportkreditfinanzierung lassen sich viele Aufträge im Maschinenbau nicht durchführen. Zwar profitieren insbesondere inhabergeführte Unternehmen davon, dass sie ihre Eigenkapitalquoten in den vergangenen Jahren erhöht haben - zum Teil auf mehr als 40 Prozent, wie Matthias Eisfeld, Direktor der Investmentbank Jefferies in Frankfurt, erläutert. Vorausschauende Unternehmer hätten in den vergangenen Monaten auch schon größere Kreditspielräume mit ihren Hausbanken ausgehandelt. Aber die Maschinenbauer bekommen die restriktivere Kreditvergabe der Banken zu spüren. „Das Sicherheitsbedürfnis der Banken ist deutlich gestiegen“, sagt Eisfeld. In der Branche heißt es, dass zunehmend eine persönliche Haftung von Gesellschaftern gefordert wird, bevor es neue Darlehen gibt.

Spätestens im Herbst müssen Entscheidungen getroffen werden

Hinzu kommt, dass die Banken nicht nur in Deutschland eine schärfere Gangart einschlagen, sondern auch in vielen Schwellenländern. „Die Kreditprobleme in diesen Regionen treffen die deutschen Maschinenbauer besonders hart, weil dadurch noch mehr Aufträge aus dem Ausland entfallen. Dieses Problem wurde lange Zeit unterschätzt“, erläutert Michael Wolff. Bislang geht der VDMA noch von einer vergleichsweise geringen - meist insolvenzbedingten - Zahl von 25.000 Arbeitsplätzen aus, die in der Branche in diesem Jahr verlorengehen. Viele Maschinenbauer bekennen sich dazu, ihre Werke und ihr Stammpersonal unbedingt halten zu wollen. „Gut aufgestellte Mittelständler werden mit einem blauen Auge durch die Krise kommen, aber es werden auch einige Firmen in die Insolvenz gehen“, warnt Jefferies-Fachmann Eisfeld.

Kurzfristige Maßnahmen zur Kostensenkung seien aufgrund der noch vorhandenen Aufträge und des hohen Fixkostenanteils im Maschinenbau schwierig, ergänzt Michael Wolff. „Die Kernfrage lautet: Wie bereiten sich die Unternehmen strukturell auf drei harte Jahre vor?“, sagt er. Spätestens im Herbst dieses Jahres müssten Entscheidungen getroffen werden, ob zum Beispiel Produktionslinien aufgegeben oder Werke geschlossen werden. „Diese Überlegungen finden derzeit noch nicht genügend statt“, bemängelt er.

Ein „vereinzelt kleiner Lichtblick“

Eine Alternative zu der starken Abhängigkeit vom Export haben die deutschen Maschinenbauer allerdings nicht, da sind sich alle einig. „Sie sind die Werkstatt der Welt, und daher müssen die Impulse für den nächsten Aufschwung auch aus dem Ausland kommen“, sagt DB-Research-Ökonom Auer. In den vergangenen zehn Jahren steigerte der deutsche Maschinenbau seine Exportquote von 62,3 auf inzwischen 76 Prozent, und das bei einer vergleichsweise hohen Wertschöpfung im Inland. Daher setzt die Branche nun auch darauf, dass die Konjunkturprogramme in Asien und den Vereinigten Staaten ihre Wirkung entfalten und bis zum Jahresende wieder für neue Aufträge sorgen.

Erste Anzeichen für eine leichte Entspannung gebe es zum Beispiel in China, sagt der VDMA-Chefvolkswirt Ralph Wiechers. Auch der überraschende leichte Anstieg der Februar-Auftragszahlen im japanischen Maschinenbau um 1,4 Prozent gegenüber dem Vormonat wird als kleiner Hoffnungsschimmer gewertet. Zwar sei Japan zuvor auch am tiefsten in die Krise gestürzt, und das schon im vergangenen Jahr, schränkt Wiechers ein. Aber es handele sich dennoch um einen „vereinzelten kleinen Lichtblick“, sagt er.

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Jahrgang 1966, Redakteur in der Wirtschaft.

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