27.01.2009 · Banken, Autohersteller und jetzt die Flugzeugindustrie: Bei Airbus fürchtet man die Stornierung von Aufträgen. Deutschland will den Kunden des Flugzeugbauers nun leichter Zugang zu Krediten verschaffen. Frankreich lockt mit einer Milliardenunterstützung.
Von Konrad Mrusek, Christian Schubert und Bettina SchulzDie Liste der Branchen, die in Europa staatliches Geld bekommen, wird immer länger. Nach den Banken und Autoherstellern ist nun die Flugzeugindustrie an der Reihe. So will Deutschland nach dem Vorbild Frankreichs Kunden des Flugzeugherstellers Airbus mit staatlichen Garantien helfen, damit diese nicht wegen einer Kreditklemme ihre Aufträge stornieren. Zugleich wurde bekannt, dass die britische Regierung – ähnlich wie Frankreich und Deutschland – ihre Autoindustrie stützen will.
Die Bundesregierung prüft, wie sie mit Export-Bürgschaften und Mitteln der Förderbank KfW den erschwerten Zugang zu Krediten von Airbus-Kunden lindern kann. Über die möglichen Garantie-Summen für den Flugzeugbauer wurde am Dienstag im Bundeskabinett noch nicht gesprochen. Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) berichtete lediglich, dass man beschlossen habe, die Bürgschaften im gesamten Exportgeschäft von gegenwärtig maximal 80 auf 300 Millionen Euro je Unternehmen zu erhöhen, um auch Firmen außerhalb des Mittelstands zu helfen.
5 Milliarden von Frankreichs Regierung für Airbus-Kunden
Die Hermesdeckungen müssten optimiert werden, sagte Glos, um Härten für die Exportwirtschaft abzufedern. Die Ausweitung der Hermes-Deckung soll nicht nur der gesamten Exportindustrie angeboten werden, sondern offenbar auch Kunden von Airbus. „Das Ziel ist, zuverlässigen Bestellern im Ausland bei der Lösung ihrer Finanzprobleme zu helfen und den Export unserer Flugzeuge sicherzustellen“, sagte Peter Hintze, der Koordinator der Bundesregierung für die Luft- und Raumfahrt. Man prüfe derzeit ein marktnahes Modell und werde sich in dieser Frage mit Paris abstimmen.
Die französische Regierung hatte zuvor angekündigt, dass Airbus-Kunden mit einer Unterstützung von rund 5 Milliarden Euro rechnen dürfen. Wie die für den Außenhandel zuständige Staatssekretärin Anne-Marie Idrac erklärte, sollen französische Banken die Mittel erhalten, damit sie Fluggesellschaften beim Kauf von Airbus-Flugzeugen helfen.
Banken sind häufig zu 40 Prozent an der Finanzierung von Flugzeugkäufen beteiligt. In den vergangenen Monaten aber haben sich die Finanzinstitute weitgehend aus diesem Markt zurückgezogen. Selbst wenn eine Exportkreditagentur wie Coface oder Euler Hermes eine Ausfuhrgarantie gegeben habe, hielten sich die Banken zurück, heißt es in der Branche. Führungskräfte von Airbus und der Muttergesellschaft EADS hatten mehrfach gefordert, dass die Banken aktiver werden sollen.
„EADS braucht kurzfristig keine Kapitalerhöhung“
Der europäische Luftfahrtkonzern hat zur Linderung der Kreditprobleme seiner Abnehmer auch eigene Initiativen angekündigt. Derzeit liegt das Engagement von Airbus bei der Kundenfinanzierung auf einem äußerst niedrigen Stand. Nach eigenen Angaben beteiligt sich Airbus in jüngster Zeit nur in Höhe von jährlich 1,2 Milliarden Dollar an der Finanzierung seiner Kunden. Der höchste Stand in der Vergangenheit betrug dagegen 5 bis 6 Milliarden Euro. Der EADS-Konzern versicherte aber, dass man allein die von den Banken gerissene Lücke nicht schließen könne.
Der EADS–Vorstandsvorsitzende Louis Gallois begrüßte in einem Interview mit dem „Figaro“ das schnelle Eingreifen des französischen Staates. Er verwies auch auf die hohen aktuellen Barbestände des Unternehmens von 9 Milliarden Euro, die sowohl eine stärkere Kundenfinanzierung als auch Investitionen in Zukunftsprojekte wie das Langstreckenflugzeug A350 XWB erlaubten. „EADS braucht kurzfristig keine Kapitalerhöhung“, sagte Gallois.
Staatsbürgschaften auch für britische Autohersteller
Airbus sitzt derzeit auf einem hohen Auftragsbestand und lieferte im vergangenen Jahr die Rekordzahl von 483 Maschinen aus. Das Unternehmen hofft, mit den öffentlichen Hilfen diese Zahl auch 2009 hoch halten zu können. Der Auftragseingang wird dagegen wohl deutlich sinken. Ein Minus von 50 bis 60 Prozent sei möglich, heißt es bei Airbus.
Die britische Regierung verkündete unterdessen Staatsbürgschaften für Kredite an die Autoindustrie von 2,3 Milliarden Pfund (2,5 Milliarden Euro). Wirtschaftsminister Peter Mandelson stellte im Oberhaus Maßnahmen vor, die dem Sektor und der Zulieferindustrie helfen sollen. Danach wird der Staat Kredite der Europäischen Investitionsbank von 1,3 Milliarden Pfund an die britische Autoindustrie mit einer Garantie absichern. Weitere Staatsgarantien von 1 Milliarde Pfund soll es für Kredite geben, die der Entwicklung umweltfreundlicher Technologien dienen. Die Zahl der in Großbritannien produzierten Wagen lag im November 2008 bei 97.604 und damit um 33 Prozent unter der Vorjahresproduktion. Die Herstellung von Nutzfahrzeugen ist um die Hälfte gefallen.