10.03.2009 · Das Zusammengehen von Commerzbank und Dresdner Bank wird durch einen weiteren Vorfall belastet. Der Aufsichtsrat der Dresdner Bank weigerte sich, die Bilanz für 2008 festzustellen, obwohl das Testat des Wirtschaftsprüfers KPMG vorlag.
Von Hanno MußlerDas Zusammengehen von Commerzbank und Dresdner Bank wird durch einen weiteren Vorfall belastet. Der Aufsichtsrat der Dresdner Bank weigerte sich, die Bilanz für 2008 festzustellen, obwohl das Testat des Wirtschaftsprüfers KPMG vorlag.
Am Abend vor der Aufsichtsratssitzung am vergangenen Mittwoch hatte Klaus Rosenfeld, Finanzvorstand der Dresdner Bank, die Bankenaufsicht, nicht aber seinen Vorgesetzten, den inzwischen auch zum Vorstandsvorsitzenden der Dresdner Bank ernannten Martin Blessing, darüber informiert, dass die Dresdner Bank nach Ansicht des Prüfers KPMG gegen eine gesetzliche Mindesteigenkapitalanforderung zum 31. Dezember 2008 verstößt. Von Blessing, im Hauptberuf Vorstandssprecher der Commerzbank, wurde anschließend von Teilnehmern der Aufsichtsratssitzung berichtet, dass er überrascht reagiert habe, als ein Prüfer von KPMG von einer Kernkapitalquote der Dresdner Bank von 3,7 und nicht – wie gesetzlich vorgeschrieben – von 4 Prozent sprach.
Ein Dissens zwischen Blessing und Rosenfeld, der auf Wunsch Blessings bis zur Feststellung des Jahresabschlusses im Amt bleibt, wird bestritten. Vielmehr gibt es Unmut über KPMG. Die Kapitalerhöhung für die Dresdner Bank in Höhe von 4 Milliarden Euro, die die Commerzbank stemmen muss, seit in etwa so geplant gewesen.
Mit heißer Nadel gestrickt
Die Commerzbank hat die Dresdner Bank formal zum 12. Januar übernommen. Wegen ihrer Zugehörigkeit zur Commerzbank-Gruppe hat die Bafin die Dresdner Bank AG von der vorgeschriebenen Mindestquote von hochwertigem Eigenkapital (Kernkapital) zu risikogewichteten Krediten in einer mündlichen Stellungnahme befreit (früher Grundsatz 1 des Kreditwesengesetzes). In der Commerzbank-Gruppe beträgt die Kernkapitalquote nach zwei Eigenkapitalspritzen von insgesamt 18,4 Milliarden Euro durch den Rettungsfonds des Bundes, Soffin, gut 10 Prozent.
Allem Anschein nach war aber der am 3. März, also nur einen Tag vor der Aufsichtsratssitzung vom Vorstand der Dresdner Bank aufgestellte Jahresabschluss, mit heißer Nadel gestrickt. Dies lag nach Informationen der F.A.Z. im Wesentlichen an Commerzbank-Risikovorstand Hartmann, der mit Sonderprüfungen darauf dringt, möglichst große Teile der seit 31. Dezember noch eingetretenen Belastungen im Portfolio für Übernahmekredite im Jahresabschluss 2008 der Dresdner Bank noch zu berücksichtigen. So lag auch der vollständige Prüfungsbericht von KPMG, in dem eine Kernkapitalquote von 3,7 Prozent stehen soll, zur Aufsichtsratssitzung noch nicht vor. Gleichwohl testierte KPMG den Jahresabschluss mit einer Kernkapitalquote von 4 Prozent.
Im Dezember soll die Kernkapitalquote gefallen sein
Dresdner-Bank-Finanzvorstand Rosenfeld hatte am 26. Februar von einem Jahresverlust von 6,3 Milliarden Euro, einem Risikovorsorgebedarf für Übernahmekredite von 800 Millionen Euro und einer Kernkapitalquote von „rund 4 Prozent“ gesprochen. Nach Informationen der F.A.Z. handelt es sich dabei um Zahlen von Ende November. Im Dezember nun soll die Kernkapitalquote wegen einer bisher nicht als Großkredit eingestuften Geldhandelslinie gegenüber der Oldenburgischen Landesbank (OLB) auf 3,7 Prozent gefallen sein. Großkredite müssen vom Eigenkapital abgezogen werden.
Die bislang zur Dresdner Bank gehörende OLB war nicht in den Verkauf der Dresdner Bank an die Commerzbank einbezogen, sondern ist bei der früheren Muttergesellschaft der Dresdner Bank, der Allianz, verblieben. Deshalb muss die Dresdner Bank nach strenger Lesart Kreditlinien von Allianz und OLB zusammen betrachten, was sie zum Großkredit macht. Die Bafin hat sich indes bereit erklärt, eine Ausnahme zu machen und ihn in diesem Fall nicht als Großkredit anzusehen, zumal die Linien inzwischen zusammengestrichen worden sein sollen. Damit wäre die frühere Aussage von Rosenfeld, die Kernkapitalquote der Dresdner Bank liege bei rund 4 Prozent, wieder formal korrekt. Der Aufsichtsrat vertagte die Feststellung des Jahresabschlusses auf eine außerordentliche Sitzung am 17. März.