06.01.2009 · Anfang Februar können sich die 28.000 in Deutschland beschäftigten Mitarbeiter der Commerzbank auf einen Kinobesuch freuen. In gut zwei Dutzend Filmtheatern werden ihnen auf der Leinwand die Leitlinien des Konzerns vorgestellt.
Von Markus FrühaufAnfang Februar können sich die 28.000 in Deutschland beschäftigten Mitarbeiter der Commerzbank auf einen Kinobesuch freuen. In gut zwei Dutzend Filmtheatern werden ihnen auf der Leinwand die Leitlinien des Konzerns vorgestellt. Über die konzernintern "ComWerte" getaufte Firmenkultur können sich auch die 18.000 deutschen Mitarbeiter der Dresdner Bank informieren, die zu den Vorführungen eingeladen sind.
Die "ComWerte", die der frühere Vorstandssprecher und heutige Aufsichtsratsvorsitzende Klaus-Peter Müller weit vor der Übernahme der ehemaligen Allianz-Tochter ins Leben gerufen hatte, umfassen fünf Eckpunkte: Integrität, Marktorientierung, Leistung, Respekt/Partnerschaftlichkeit und Teamgeist. Vor allem die beiden letzten Punkte dürften manche Mitarbeiter der Dresdner Bank irritieren. Denn denjenigen, deren Arbeitsplatz nicht der Verschmelzung in die Commerzbank zum Opfer fallen wird, können empfindliche Einbußen drohen.
Gehaltsgefüge zwischen beiden Häusern soll angepasst werden
Wie in der Samstagsausgabe der F.A.Z. berichtet worden war, sollen mit der Verschmelzung in die Commerzbank die Mitarbeiter der Dresdner Bank wie Neueinstellungen behandelt werden. Damit können außertarifliche Vergütungsansprüche oder Teile der Altersvorsorge verlorengehen. Diese Erfahrung mussten offenbar die bereits ernannten Führungskräfte der Dresdner Bank machen. Auf der ersten Ebene schafften von insgesamt 64 "Executives" 15 Dresdner-Banker den Sprung zur Commerzbank. Auf der zweiten Führungsebene stammen 40 Prozent der 370 Manager aus der ehemaligen Allianz-Tochter. Die Führungskräfte aus der Dresdner Bank hätten Abschläge in der Altersvorsorge von mehreren zehntausend Euro hinnehmen müssen, heißt es. Die Commerzbank verweist auf die jeweils individuell geführten Verhandlungen und bestätigt entsprechende Presseberichte nicht.
Am Frankfurter Finanzplatz gilt es aber als sicher, dass Commerzbank-Vorstandschef Martin Blessing das Gehaltsgefüge zwischen beiden Häusern anpassen wird. Die Spitzenverdiener der Dresdner Bank werden künftig wohl kleinere Brötchen backen. Dies mag auch ein Grund dafür gewesen sein, wieso die Arbeitnehmer-Vertreter im Aufsichtsrat der Dresdner Bank die Wahl von Blessing und den beiden Commerzbank-Vorständen Markus Beumer und Achim Kassow in den Vorstand abgelehnt hatten.
Schmerzhafte Einschnitte für Dresdner-Bank-Mitarbeiter befürchtet
Offenbar werden im Betriebsrat auch schmerzhafte Einschnitte für die restlichen Mitarbeiter der Dresdner Bank befürchtet. Alternativen, zu einer anderen Bank zu wechseln, sind in der von der Finanzkrise angeschlagenen Branche augenblicklich kaum vorhanden. Ob dem überwiegenden Teil der 25 000 Mitarbeiter der "grünen Bank" ähnliches blüht wie den Spitzenmanagern, steht aber noch nicht fest. Aus dem Umfeld der Commerzbank, der "gelben Bank", verlautet, dass die in der Dresdner Bank auf den oberen Ebenen gezahlten Gehälter das Niveau der Commerzbank deutlich übertroffen hätten.
Doch beruhigen dürfte dies die Dresdner-Mitarbeiter unterhalb der obersten beiden Führungsebenen kaum. Wahrscheinlich ist, dass die außertariflichen Bestandteile ihrer Arbeitsverträge - falls sie von der Commerzbank übernommen werden - neu geregelt werden. Bereits erworbene Ansprüche können damit wieder verlorengehen. Der Commerzbank-Vorstand muss sich darüber im Klaren sein, dass dies in der "grünen" Belegschaft für Unruhe sorgen wird, zumal im Zuge der Übernahme von den insgesamt 67.000 Arbeitsplätzen 9000 Stellen wegfallen sollen. Der größte Teil davon dürfte in der Dresdner Bank anfallen.
Online-Umfrage: Mitarbeiter befürworten Zusammenschluß
Dieses Umfeld wird deren Mitarbeiter alles andere als begeistern. Gerade mit ihrem Wertekanon will die Commerzbank ein die Mitarbeiter begeisterndes Umfeld und damit Wachstum von innen schaffen. In den auf der Homepage veröffentlichten Grundzügen der "ComWerte" begründet das Institut seine Verfassung auch mit dem geschärften Profil im Bankenmarkt und der höheren Attraktivität als Arbeitgeber. In dem von Krisen und Rezessionsängsten geprägten Umfeld dürfte das Ziel, ein attraktiver Arbeitgeber zu sein, für den Commerzbank-Vorstand eher eine untergeordnete Rolle spielen. Erst recht, weil dem Kapitalmarkt die Übernahme der Dresdner Bank auch mit jährlichen Kosteneinsparungen von 1,9 Mrd. Euro schmackhaft gemacht worden war.
Derweil stützt sich Commerzbank-Chef Martin Blessing auf eine Online-Umfrage bei den Beschäftigten beider Institute. Mitte November 2007 wurden 400 per Zufallsprinzip ausgewählte Mitarbeiter von dem Marktforschungsinstitut TNS Infratest befragt. Teilgenommen haben daran 60 Prozent, also nur 240 Mitarbeiter. Zusätzlich wurde auch bei den 2000 Mitgliedern der Integrationsteams, die den Zusammenschluss umsetzen, eine Umfrage durchgeführt. Die Teilnahmequote lag hier bei 57 Prozent.
Die beiden Stimmungsbarometer signalisieren eine positive Beurteilung des Zusammenschlusses. Von den Mitarbeitern halten 73 Prozent den Integrationsprozess für fair, von den dafür Verantwortlichen 74 Prozent. Von einem erfolgreichen Zusammenschluss gehen 85 Prozent der Commerzbanker und 74 Prozent der Dresdner-Banker aus. Auch hier fallen die Zustimmungsquoten in den Integrationsteams mit 89 und 85 Prozent höher aus. Ein Ergebnis überrascht: Während 12 Prozent der Commerzbanker und 21 Prozent der Dresdner-Banker den Wechsel des Arbeitsplatzes für möglich halten, fällt die Quote bei den für die Verschmelzung verantwortlichen Integrationsteams mit 16 bzw. 29 Prozent sogar noch höher aus. Hier dürften Überstunden im Kinosaal bevorstehen.