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Streit über Ablösung Kemmers Schwere Führungskrise in der Bayern LB

24.10.2008 ·  Soll Vorstandschef Michael Kemmer gehen oder bleiben? In dieser Frage sind die Eigentümer der angeschlagenen Bayerischen Landesbank tief zerstritten. Kritiker werfen ihm eine verheerende Informationspolitik vor. Bayerns scheidender Finanzminister Huber fordert mit Nachdruck personelle Konsequenzen in der Bank.

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Der scheidende bayerische Finanzminister Erwin Huber (CSU) hat weitere personelle Konsequenzen aus dem Milliarden-Debakel der Bayern LB noch am Freitag gefordert. Auf die Frage, ob er dabei bleibe, dass auch andere neben ihm Verantwortung übernehmen müssten, sagte Huber am Morgen in München: „Natürlich.“

Bei der Sondersitzung des Bayern-LB-Verwaltungsrates am Donnerstag hatten sich die Sparkassen einer Ablösung von Bankchef Michael Kemmer widersetzt. Die Sitzung des Verwaltungsrats sei auf Freitagmittag (13.00 Uhr) vertagt worden, weil die Sparkassen-Seite sich noch intern beraten wolle, sagte Huber, der Chef des Verwaltungsrats ist. „Es wird heute im Verwaltungsrat Entscheidungen geben“, betonte er. Er sei zuversichtlich, dass es eine gemeinsame Lösung geben werde.

Führungskrise in der Bank

In der schwer angeschlagenen Bayern LB war am Vortag eine Führungskrise ausgebrochen. In einer Sondersitzung des Verwaltungsrats diskutierten die Eigentümer der zweitgrößten deutschen Landesbank kontrovers über die Abberufung von Vorstandschef Kemmer. Die Bayern LB gehört zu gleichen Teilen dem Land und den Sparkassen. Während Politiker vehement die Entlassung Kemmers forderten, machten sich Sparkassenvertreter für den Bankmanager stark. Auch rund 1500 Mitarbeiter solidarisierten sich mit dem Vorstand und demonstrierten vor der Bankzentrale gegen die Abberufung Kemmers.

Verwaltungsrat Hans Schaidinger sagte nach dem Treffen, es habe eine klare Front zwischen Sparkassen und Vertretern des Freistaates gegeben. „Von mir aus kann alles so bleiben wie es ist“, sagte Schaidinger. „Diejenigen, die was anderes wollten, konnten sich nicht durchsetzen.“

Hunderte Banker demonstrierten für ihren Chef: „Wir wollen Kemmer“

Hunderte Mitarbeiter der Bayerischen Landesbank demonstrierten am Donnerstagabend für den Verbleib ihres Vorstands. Vor dem Beginn der Verwaltungsratssitzung, in der über eine Ablösung der Manager beraten wurde, feierten sie die Vorstände im Innenhof der Bankzentrale mit Applaus und riefen zur Unterstützung des Vorstandschefs „Wir wollen Kemmer“. Kemmer sagte vor den demonstrierenden Mitarbeitern: „Das ist ein unglaublicher Solidaritätsbeweis. Mit diesem Team wird die Bank es schaffen.“

Für Verwaltungsratschef Huber wurde der Gang zu der Sondersitzung zum Spießrutenlauf. Er wurde mit Buhrufen und gellenden Pfiffen empfangen. Auch der designierte Ministerpräsident Horst Seehofer geriet in die Kritik: Die Demonstranten zeigten Schilder mit der Aufschrift „Kemmer saniert - Seehofer torpediert“. Bankmitarbeiter erklärten, Kemmer sei der „richtige Mann, den Karren aus dem Dreck zu ziehen“. Ein Kabinettsmitglied hatte vor der Sitzung erklärt, alle sechs Vorstände „werden gegangen werden. Denn so geht es nicht.“

Auswechslung hatte zunächst als sicher gegolten

Noch am Nachmittag hatte die Auswechslung von Kemmer als weitgehend sicher gegolten, nachdem Seehofer am Mittwoch einen "Neuanfang" in der Bank angemahnt hatte. Der CSU-Politiker kündigte an, es sei "mit den Verantwortlichen der Landesbank über ihre persönliche Verantwortung zu reden". Ein solches Durcheinander, wie er es bei der Landesbank seit Samstag erlebt habe, „war einmalig und hoffentlich letztmalig“, sagte er. CSU-Fraktionschef Georg Schmid hatte in einer Sondersitzung des Landtags kritisiert, der Vorstand habe keine vernünftigen Auskünfte gegeben. Huber sagte: „Innerhalb von zwölf Tagen haben sich diese Zahlen, die uns der Vorstand vorgelegt hat, um 2,8 Milliarden Euro erhöht.“

Der in die Enge getriebene Vorstand forderte daraufhin am Donnerstagmorgen in einem Schreiben an das Finanzministerium eine Vertrauenserklärung der Eigentümer, die Seehofer und andere Politiker aber verweigern wollten. Wegen der Rücktrittsdiskussion war kurzfristig die Sondersitzung des Verwaltungsrats einberufen worden.

Die CSU und ihr voraussichtlicher Koalitionspartner, die FDP, forderten indirekt auch die Ablösung des bayerischen Sparkassenpräsidenten Siegfried Naser, der stellvertretender Verwaltungsratsvorsitzender der Bank ist. Naser sitzt seit acht Jahren in führender Rolle im Verwaltungsrat und wird für die Milliardenlöcher der Bank mitverantwortlich gemacht. Der frühere CSU-Landrat hat selbst keine Erfahrung im operativen Bankgeschäft. Naser wies die Rücktrittsforderungen zunächst zurück.

Heftige Kritik an der Informationspolitik der Bank

Die Kritik an der Führungsspitze hat sich an der Informationspolitik der Bank entzündet. Kemmer und Naser waren am Samstag in die Koalitionsrunde beordert worden, um CSU und FDP einen Überblick über die desolate Finanzlage der Bank zu geben. Teilnehmern zufolge sagten die beiden Banker hinter verschlossenen Türen, die von hohen Wertpapierabschreibungen durch die Finanzkrise gebeutelte Bayern LB benötige eine Kapitalspritze von 3 bis 5 Milliarden Euro. Politiker kritisierten die Darstellungen von Kemmer und Naser hinterher als viel zu vage.

Wegen der Unklarheit mussten die unter hohem Zeitdruck stehenden Koalitionsverhandlungen zwischen CSU und FDP unterbrochen werden. Am Dienstagabend gestand Kemmer dann im Verwaltungsrat ein, dass die Bank tatsächlich viel mehr Geld - nämlich 6,4 Milliarden Euro - benötige als noch am Samstag genannt. Außerdem werde für 2008 ein Verlust von 3 Milliarden Euro erwartet. Auch diese Zahl war neu. Der Rauswurf von Kemmer wäre der zweite Führungswechsel in der Bayern LB binnen weniger Monate. Erst im Februar musste der langjährige Bankchef Werner Schmidt gehen. Ihm war ebenfalls vorgeworfen worden, unzureichend über das Ausmaß der Probleme unterrichtet zu haben.

Noch im August hieß es: Die akute Krise ist überwunden

Der 51 Jahre alte Kemmer war im Sommer 2006 zunächst als Finanzvorstand von der HVB zur Bayern LB gewechselt. Im April hatte der Bankmanager "Offenheit, Transparenz und Klarheit" versprochen. "Die akute Krise der Bayern LB ist mittlerweile überwunden", hatte Kemmer noch im August erklärt. Vor allem durch den Zusammenbruch der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers hat sich die internationale Finanzkrise jedoch zugespitzt. Am Donnerstag senkte die Ratingagentur Fitch ihre Bonitätsbewertung für die Bayern LB.

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