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Steinbrück Konjunkturflaute könnte schlimmer werden als gedacht

19.03.2009 ·  Die meisten Forschungsinstitute glauben inzwischen, dass die Wirtschaftsleistung in diesem Jahr um mehr als drei Prozent schrumpft. Bloß die Bundesregierung hält ihre Prognose wacker bei minus 2,25 Prozent. Dass das womöglich illusorisch ist, hat Finanzminister Steinbrück nun in einem Interview angedeutet.

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Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) hat eingeräumt, dass die Rezession in Deutschland stärker ausfallen könnte als bislang angenommen. Derzeit könne niemand prognostizieren, „wie tief es runter geht“, sagte Steinbrück in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ (Donnerstagausgabe). Noch geht die Regierung offiziell davon aus, dass die Wirtschaftsleistung in diesem Jahr um zweieinviertel Prozent schrumpft. „Es besteht allerdings die Möglichkeit, dass wir die 2,25 Prozent nicht halten können“, sagte Steinbrück.

Scharfe Kritik übte der Finanzminister an Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Norbert Walter und anderen Ökonomen, die ihre Negativprognosen immer weiter in die Höhe schraubten. „Der Chef-Volkswirt der Deutschen Bank hat seine Prognose jetzt schon auf minus 5 Prozent verschlechtert, und es wird nicht lange dauern, da ist er über 5 Prozent hinaus“, sagte Steinbrück. „Ich halte so eine Vorgehensweise für verantwortungslos.“ Er sehe darin einen „Versuch, mit immer schlechteren Nachrichten Aufmerksamkeit zu erheischen“.

Institute schraubten reihenweise ihre Prognosen nach unten

In den vergangenen Tagen hatten mehrere Institute und Fachleute ihre Prognosen gesenkt. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) rechnet etwa für das laufende Jahr mit dem schwersten Konjunktureinbruch in der Geschichte der Bundesrepublik. Angesichts des schlechten Starts ins neue Jahr sei ein Rückgang der Wirtschaftsleistung von „deutlich mehr als drei Prozent nunmehr im wahrscheinlichen Bereich“, glauben die DIW-Forscher. Ein derart massiver Rückgang wäre „bislang einmalig“ in der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Das Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel erwartet einen Einbruch der Wirtschaftsleistung von 3,7 Prozentdas HWWI in Hamburg von 3,8 Prozent. Das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) rechnet sogar mit einem Absacken um 4,8 Prozent.

Die Forscher des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) halten die Prognosen der Bundesregierung auch hinsichtlich der zu erwartenden Arbeitslosigkeit für tendenziell zu optimistisch: Sie gehen nach einer „groben Faustformel“ davon aus, dass ein Schrumpfen der Wirtschaft um die bislang prognostizierten 2,25 Prozent die Zahl der Arbeitslosen um 250.000 bis 400.000 steigen lässt. Die Bundesregierung geht bislang von einem Anstieg der Arbeitslosenzahl um 250.00 im Jahresdurchschnitt aus - und bewegt sich damit am unteren Ende. Eine genaue Prognose will das IAB noch im Februar vorlegen.

Nur die Erwartungen der Analysten haben sich verbessert

Allerdings: Die Erwartungen von Finanzanalysten haben sich zuletzt merklich verbessert, wie die jüngste Umfrage des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) ergab, die das Institut am Dienstag veröffentlicht hatte. Der ZEW-Index stieg überraschend von minus 5,8 auf minus 3,5 Punkte, liegt damit aber noch weit unter dem Durchschnittswert.

„Nach Einschätzung der Finanzmarktexperten geht die Talfahrt der Konjunktur allmählich zu Ende, und die Talsohle dürfte im Sommer dieses Jahres erreicht sein“, sagte ZEW-Präsident Wolfgang Franz, der auch Vorsitzender des Sachverständigenrats ist. Es gebe erste Lichtblicke, die nicht „kaputtgeredet“ werden dürften.

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