03.02.2009 · Skepsis für 2009: Die Einzelhändler prognostizieren stagnierende oder sinkende Umsätze. Denn sie fürchten, dass wegen der Wirtschaftskrise viele Menschen arbeitslos werden und weniger konsumieren. Schon das wichtige Weihnachtsgeschäft 2008 lief überraschend schlecht, wie neue Zahlen zeigen.
Die deutschen Einzelhändler blicken skeptisch auf das Rezessionsjahr 2009 und befürchten Umsatzverluste. Die nominalen Erlöse dürften bestenfalls stagnieren oder sogar bis zu ein Prozent sinken, teilte der Branchenverband HDE am Dienstag mit. Im ersten Halbjahr werde sich das Geschäft noch weitgehend stabil halten, danach sei mit einer etwas schwächeren Entwicklung zu rechnen. Vor allem die steigende Arbeitslosigkeit mache den Händlern zu schaffen.
Das Weihnachtsgeschäft 2008 habe die Erwartungen der Branche erfüllt, „wenn auch nicht voll und ganz“, hieß. Nach Abzug von Preissteigerungen dürfte dem Handel damit auch 2009 ein Umsatzminus bevorstehen. Denn der HDE erwartet, dass die Einzelhandelspreise im laufenden Jahr weniger als ein Prozent steigen. 2008 erzielte der Einzelhandel noch vor allem wegen der Preissteigerungen mehr Umsatz. Die Erlöse legten um 2,1 Prozent zu, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Preisbereinigt gingen die Erlöse aber um 0,4 Prozent zurück.
Vor allem im wichtigen Weihnachtsgeschäft haben die Einzelhändler überraschend Umsatzverluste verzeichnet. Im Dezember schrumpften die Erlöse bereits den dritten Monat in Folge, und zwar um 0,6 Prozent zum Vormonat, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Nach Abzug von Preisveränderungen blieb immer noch ein Minus von 0,2 Prozent. Fachleute bezeichneten das als Enttäuschung.
„Klar, dass die Aussichten schlecht sind“
„Nichts Neues an der Konsumentenfront“, sagte Unicredit-Volkswirt Andreas Rees. „Wenn man in die Zukunft schaut und überlegt, was auf die Konsumenten noch zukommen kann, wird klar, dass die Aussichten schlecht sind.“ In der ersten Jahreshälfte dürfte das Wachstum beim Konsum sich noch um die Nulllinie bewegen. Für das zweite Halbjahr bestehe aber das Risiko, dass er schrumpfe.
„Per Saldo sind die Zahlen schlecht, im Quartalsvergleich werden wir ein Minus sehen“, sagte Ulrike Kastens von Sal. Oppenheim. Allerdings sei der Einzelhandel immer noch vergleichsweise stabil, wenn man sich die heftigen Einbrüche bei Export und Industrieproduktion ansehe, hieß es.
Regierung rechnet mit leichtem Konsumplus
Die Bundesregierung erwartet dieses Jahr ein Schrumpfen der Wirtschaftsleistung um 2,25 Prozent. Vor allem Export und Investitionen dürften zurückgehen. Beim Konsum rechnet die Regierung dagegen mit einem Plus von 0,8 Prozent. Die Experten der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hielten jüngst ein Plus beim Konsum von bis zu 0,5 Prozent für möglich.
Zum Jahresende erlösten die Unternehmen der Branche verglichen mit dem Vorjahr zwar 0,6 Prozent mehr. Preissteigerungen herausgerechnet, bedeutete dies jedoch ein Minus von 0,3 Prozent. Besonders die Lebensmittel-Fachhändler mussten zum Jahresende kräftige Umsatzeinbußen hinnehmen, sie nahmen preisbereinigt 5,7 Prozent weniger ein als ein Jahr zuvor. Auch Waren- und Kaufhäuser bekamen die Kaufunlust der Kunden zu spüren, hier gaben die Umsätze um 2,9 Prozent nach. Deutlich besser lief es dagegen bei Versandhändlern, die 6,1 Prozent mehr erlösten.