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Monatlicher Konjunkturbericht Das Schlimmste scheint überstanden zu sein

27.05.2009 ·  Nach dem katastrophalen Winter sinkt die wirtschaftliche Erzeugung im Euro-Raum nicht mehr ganz so schnell. Die Exportnation Deutschland hatte von der Globalisierung stark profitiert - und leidet nun mehr als andere unter dem schrumpfenden Welthandel.

Von Philip Plickert
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Die Wirtschaftsauguren sind vorsichtig optimistisch: Einige Stimmungs- und Frühindikatoren haben sich zuletzt verbessert. Der rasante Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Erzeugung verlangsamt sich. Es geht immer noch bergab, doch mit geringerem Tempo. Damit scheint das Schlimmste der Rezession vorüber zu sein. Trotz ihrer derzeit äußerst schwierigen Lage fassen die Unternehmen wieder zaghaft Hoffnung, dass sich die Lage bessern wird, wie die Ifo-Geschäftserwartungen und der Markit-Einkaufsmanagerindex zeigen.

Der Rückgang des Auftragseingangs ist jedoch noch nicht gestoppt worden. Die Bestellungen für die Industrie sanken im Durchschnitt des Euro-Raums im März nochmals leicht um 0,8 Prozent, nachdem sie im Februar stagnierten, wie das europäische Statistikamt Eurostat am Dienstag mitteilte. Nach Monaten des Absturzes liegen sie im Euro-Durchschnitt um mehr als 26 Prozent unter dem Vorjahresniveau, in Deutschland sogar noch etwas tiefer, wobei sich der Auftragseingang hierzulande im März etwas erholte.

Exportnation Deutschland leidet mehr als andere

Das Ausmaß der Rezession im ganzen Euro-Raum zeigt sich in den Daten des Winters, die im Mai veröffentlicht wurden: Um 2,5 Prozent fiel das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im ersten Quartal dieses Jahres verglichen mit dem Schlussquartal des vergangenen Jahres, in dem das BIP schon um 1,6 Prozent gesunken war. Das BIP misst den Wert aller produzierten Waren und Dienstleistungen, die am Markt gehandelt wurden. Einen Rückgang von 2,5 Prozent in einem Quartal haben die Volkswirtschaften des gemeinsamen Währungsgebiets noch nicht erlebt.

Maßgeblich für die tiefe Rezession sind vor allem der Ausfall des Exports und der Stopp von Investitionen. Die Schwäche der Weltwirtschaft wirkt sich besonders auf die stark exportorientierte deutsche Wirtschaft aus, die größte Volkswirtschaft im Euro-Raum; das deutsche BIP fiel im ersten Quartal um 3,8 Prozent, nachdem es im Schlussquartal 2008 schon um 2,1 Prozent gesunken war. Deutschland, das im vergangenen Aufschwung besonders von der Globalisierung profitiert hatte, weil die Unternehmen ihre Produkte auf dem Weltmarkt gut verkauften, leidet nun mehr als andere unter dem schrumpfenden Welthandel. In Frankreich, der zweitgrößten Volkswirtschaft im Euro-Raum, stützt immer noch der private Konsum, so dass die Wirtschaftsleistung im Winter „nur“ um 1,2 Prozent sank. Deutlich verschlechtert hat sich die Lage in Italien, der drittgrößten Volkswirtschaft im Euro-Raum, die im ersten Quartal um 2,4 Prozent schrumpfte.

Spanien: Arbeitslosigkeit steigt in beängstigendem Tempo

Eine heftige Kontraktion erlebt derzeit auch Spanien, die viertgrößte Euro-Volkswirtschaft: Hier hat sich die Immobilienkrise verschärft. Nach den jüngsten verfügbaren Daten vom März liegt die Produktion des spanischen Baugewerbes um mehr als 20 Prozent unter dem Vorjahresniveau. In den Jahren des Häuserbooms war das Baugewerbe – ähnlich wie in Irland – stark aufgebläht worden, nun schrumpft es rasant. Zugleich steigt die Arbeitslosigkeit in beängstigendem Tempo. Mit 17,4 Prozent lag die Arbeitslosenquote im März fast doppelt so hoch wie ein Jahr zuvor. Die zweithöchste Quote im Euro-Raum hat Irland, wo mehr als 11 Prozent der erwerbsfähigen Menschen arbeitslos waren.

Im Durchschnitt des Euro-Raums stieg die Arbeitslosenquote im März auf fast 9 Prozent (Vorjahresmonat: 7,2 Prozent). Die niedrigste Arbeitslosigkeit haben immer noch die Niederlande (2,8 Prozent) und Österreich (4,5 Prozent). Deutschland liegt mit eine Quote von 7,3 Prozent im Mittelfeld. Im Sommer und Herbst dürfte es – selbst wenn die Konjunktur einen Boden findet – zu einem starken Anstieg kommen; in Deutschland wird es bis zum Jahresende wohl mehr als 4 Millionen Arbeitslose geben; dies entspricht einer Quote von knapp 10 Prozent.

Bankengewerbe könnte abermals Rückschlag erleiden

Der Arbeitsmarkt reagiert stets mit einer Verzögerung auf wirtschaftliche Wenden. Wegen der leicht gestiegenen Stimmungsindikatoren glauben einige Volkswirte, dass die Talfahrt im zweiten Quartal 2009 gebremst ist. Das BIP werde „nur“ noch um weniger als 1 Prozent sinken. In der zweiten Jahreshälfte dürften die staatlichen Konjunkturpakete die Nachfrage zu stützen beginnen. Allerdings ist nicht gesagt, dass sie eine nachhaltige Wende oder nur ein Strohfeuer bewirken. Wie stark der Multiplikator ist – also wie viel private Wirtschaftsleistung durch die staatlichen Ausgaben zusätzlich mobilisiert wird – hängt auch davon ab, ob die privaten Haushalte wegen der stark steigenden Staatsschulden künftig höhere Steuern fürchten müssen und daher ihre Sparquote erhöhen.

Auch die Wirkung der Geldpolitik, die im Frühjahr nochmals expansiver wurde, ist nicht eindeutig. Die leicht verfügbare Liquidität hat wohl in den vergangenen vier Monaten die Aktienkurse an den Börsen getrieben. Die Unternehmen wagen Investitionen trotz der gesunkenen Zinsen aber nicht, da die Aussichten zu unsicher sind. Der Einbruch der Industrie und der Dienstleistungsbranche wird auch das Bankengewerbe nochmals negativ betreffen, dessen Sanierung dann einen Rückschlag erleiden könnte. Trotz einiger Hoffnungsschimmer von den Frühindikatoren erwarten die meisten Volkswirte daher auch im kommenden Jahr nur eine schleppende Erholung der Wirtschaft.

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