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Krisensitzung des Verwaltungsrats Bayern LB schreibt Milliardenverlust

21.10.2008 ·  Die Bayern LB ist durch die Finanzmarktkrise im dritten Quartal noch tiefer in die Verlustzone geraten. Insgesamt habe die zweitgrößte Landesbank in den vergangenen drei Monaten rund eine Milliarde Euro verloren, heißt es.

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Die Bayern LB ist durch die Finanzmarktkrise im dritten Quartal noch tiefer in die Verlustzone geraten. Insgesamt habe die zweitgrößte Landesbank in den vergangenen drei Monaten rund eine Milliarde Euro verloren, hieß es am Dienstag in Münchner Finanzkreisen. So müsse die Bayern LB unter anderem Belastungen durch die akute Schieflage des Finanzsystems in Island hinnehmen, war zu hören. Im ersten Halbjahr hat die Bayern LB bereits mehr als 600 Millionen Euro Verlust erlitten. Auch für den Rest des Jahres ist mit hohen Belastungen zu rechnen. Die Verschärfung der Probleme an den internationalen Kapitalmärkten seit Anfang Oktober habe weitere „dramatische Folgen“ für die Bayern LB, hieß es.

Ein Ende der Milliardenkrise um die Bayerische Landesbank ist nach Einschätzung von Finanzminister Erwin Huber (CSU) möglicherweise noch nicht in Sicht. Auf die Frage, ob nach dem jetzigen zusätzlichen Kapitalbedarf ein Ende der Krise erreicht sei, sagte Huber am Dienstag in München, dies sei „die Eine-Million-Dollar-Frage“. In der jetzigen Situation könne man nur einen Statusbericht für den heutigen Tag abgeben.

„Wir haben allerdings allen Anlass zur Hoffnung, dass die von vielen Staaten geschnürten Rettungspakete greifen und zu einer Beruhigung der Märkte führen“, betonte Huber, der Verwaltungsrats-Vize bei der Bayern LB ist.

Auf einer Krisensitzung wollte der Verwaltungsrat am Nachmittag über eine Kapitalerhöhung in Milliardenhöhe und den Antrag auf Bundeshilfe entscheiden.

Bei den Koalitionsverhandlungen von CSU und FDP am Samstag hatten Landesbank-Vorstandschef Michael Kemmer und der bayerische Sparkassenchef Siegfried Naser den Finanzbedarf der BayernLB auf zwei bis fünf Milliarden Euro geschätzt. Der designierte CSU-Chef und Ministerpräsident Horst Seehofer und die bayerische FDP-Vorsitzende Sabine Leutheusser-Schnarrenberger unterbrachen die Koalitionsverhandlungen deshalb, bis Klarheit über die Belastungen herrscht.

Kapitalerhöhung und Bundeshilfe statt Bürgschaft?

Zur Stabilisierung der Landesbank war ein neuer Rettungsschirm mit Kapitalerhöhung und Bundeshilfe im Gespräch, der die im April beschlossenen 4,8 Milliarden Euro große Bürgschaft von Freistaat und Sparkassen ersetzen könnte. Damals hatte die BayernLB die faulen Kredite auf 6,0 Milliarden Euro beziffert. Inzwischen kamen durch die Pleite der amerikanischen Bank Lehman Brothers, den Zusammenbruch isländischer Banken sowie Belastungen in Ungarn weitere hohe Belastungen hinzu. Der 4,8-Milliarden-Euro-Schirm liegt noch zur Genehmigung in Brüssel. Bei den Sparkassen gibt es aber Widerstand gegen jetzt ins Auge gefasste umfangreiche Kapitalerhöhungen.

Der Regensburger Oberbürgermeister und Bayern LB-Verwaltungsrat Hans Schaidinger sagte dem Bayerischen Rundfunk, über den Kapitalbedarf der Bank sei intern schon länger diskutiert worden. Huber, Kemmer und Naser kündigten für 18 Uhr ein kurzes Pressestatement in der Landesbank über die Eckpunkte zur Stärkung des Kapitals der Bayern LB an.

Ausgerechnet die Bayern LB

Die Bayern LB zählte zu Beginn der Finanzkrise zu den Banken, die ihre eigenen Verluste herunterspielten. Noch im Dezember 2007 bekräftigt ein Sprecher des Unternehmens frühere Äußerungen, dass die erforderlichen Abschreibungen 100 Millionen Euro nicht übersteigen würden. Zwei Monate später muss der inzwischen abgelöste Vorstandsvorsitzende Werner Schmidt eine 19 Mal höhere Belastung eingestehen. Ende März sind es dann schon 4,3 Milliarden Euro. An der Strategie der Vertuschung ist die bayerische Regierung beteiligt. Finanzminister Huber sagte noch im Februar im Landtag, angebliche Belastungen in Milliardenhöhe seien „reine Spekulation“. Sein Vorgänger Kurt Faltlhauser segnete den Plan der Bayern LB ab, das Geschäft mit amerikanischen Hypotheken-Verbriefungen von rund 10 auf im Juli 2007 rund 32 Milliarden Euro auszudehnen. Faltlhauser sagte später: „Was soll ein kleiner Provinz-Finanzminister klüger sein als alle Banker der Welt.“

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