17.04.2009 · In ihrem neuen Bericht zur Lage der Weltwirtschaft warnen die Ökonomen des Internationale Währungsfonds davor, dass die Rezession ungewöhnlich schwer ausfallen und auch besonders lange dauern wird. Schwellenländer stecken sich über Bankkredite an.
Von Claus Tigges, WashingtonDer Internationale Währungsfonds (IWF) gibt in der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise keine Entwarnung. In ihrem neuen Bericht zur Lage der Weltwirtschaft warnen die Ökonomen des IWF vielmehr davor, dass die Rezession ungewöhnlich schwer ausfallen und auch besonders lange dauern wird. Außerdem werde die Konjunktur sich anschließend nur schleppend erholen. Die aktualisierten Wachstumsprognosen wird der Währungsfonds in der kommenden Woche, kurz vor der Frühjahrstagung von IWF und Weltbank in Washington, veröffentlichen. Vor einigen Wochen hatte der Fonds prognostiziert, dass die Weltwirtschaft dieses Jahr um 0,5 bis 1 Prozent schrumpfen werde.
„Rezessionen, die mit Finanzkrisen einhergehen, sind meist schwer. Wenn solche Rezessionen dann noch zur selben Zeit in vielen Ländern auftreten, dann dauern sie länger als normal“, schreiben die IWF-Volkswirte im „World Economic Outlook“. Sie haben sich insgesamt 21 Rezessionen in Industrieländern seit 1960 angesehen und dabei herausgefunden, dass es 1975, 1980 und 1992 Wirtschaftsabschwünge gab, die ebenfalls im globalen Gleichschritt verliefen. Diese Rezessionen dauerten im Durchschnitt rund eineinhalbmal so lange wie eine normale Rezession, die nach ungefähr einem Jahr beendet sei. Besonders schlimm sei es, wenn auch die größte Volkswirtschaft der Welt, die amerikanische, schrumpfe. Denn dann führe der Rückgang des amerikanischen Imports von Waren und Dienstleistungen zu einem sinkenden Welthandel.
Aggressive Maßnahmen sind notwendig
Die Analyse habe auch gezeigt, dass die Geld- und die Finanzpolitik eine wichtige Rolle spielen könnten, um globale Rezessionen zu überwinden. Darum sei dies auch in der aktuellen Lage notwendig. „Aggressive Maßnahmen sind notwendig, um kurzfristig die gesamtwirtschaftliche Nachfrage zu stützen“, heißt es in dem IWF-Bericht weiter. Eine der wichtigsten Aufgaben sei es, das Vertrauen in das Finanzsystem wiederherzustellen. Nur wenn dies gelinge, könnten die übrigen wirtschaftspolitischen Maßnahmen wirken und der Aufschwung einsetzen.
Darüber hinaus haben die IWF-Ökonomen untersucht, wie sich Schwellen- und Transformationsländer an der Finanzkrise angesteckt haben, die ihren Ursprung im Kollaps des amerikanischen Hypothekenmarktes hatte. Sie kommen zu dem Schluss, dass der wichtigste Übertragungsmechanismus die Kredite von Banken aus Industrieländern waren. Indem zahlreiche Institute in Schwierigkeiten kamen, sei letztlich auch der Kapitalstrom in die aufstrebenden Volkswirtschaften geringer geworden. Darunter hätten besonders Länder in Osteuropa zu leiden, deren Finanzbeziehungen zu Banken in Westeuropa besonders eng seien. „Die Erfahrungen legen die Vermutung nahe, dass die aktuelle Krise zu einem lange dauernden Rückgang des Kapitalflusses in Schwellenländer führen wird“, vermuten die IWF-Volkswirte. Die aufstrebenden Volkswirtschaften könnten gleichwohl einen Beitrag leisten, damit ausländisches Kapital zurückkehrt, indem sie eine solide Wirtschafts- und Finanzpolitik machten. Diese müsste darauf gerichtet sein, hohe Defizite im Haushalt und große Ungleichgewichte in der Leistungsbilanz zu vermeiden.