Home
http://www.faz.net/-gbp-10ctk
Mehr Angebote
| Abo|Hilfe
Sonntag, 12. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER
Aktuelle Nachrichten online - FAZ.NET

J.P.Morgan-Chef Dimon Der große Gewinner der Finanzkrise

26.09.2008 ·  „Jamie“ Dimon ist der große Gewinner der Kreditkrise. Im März übernahm der Chef von J.P. Morgan Chase mit Bear Stearns eine der traditionsreichsten Investmentbanken an der Wall Street für billiges Geld. Und jetzt bekommt er mit der kollabierten Washington Mutual endlich das ersehnte Standbein für seine Bank in Florida.

Von Norbert Kuls
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (2)

James "Jamie" Dimon ist der große Gewinner der Kreditkrise. Der Vorstandschef der großen amerikanischen Bank J.P. Morgan Chase bekommt mit den Filialen und Einlagen der kollabierten Washington Mutual endlich sein gewünschtes Standbein in Florida. Erst im vergangenen Jahr hatte einer der New Yorker Kunden von J.P. Morgan auf der Hauptversammlung seinem Ärger Luft gemacht, dass die Bank kaum Filialen in Florida hat. In New York gibt es dagegen fast an jeder Straßenecke einen Geldautomaten von Chase - und viele New Yorker machen Urlaub in Florida oder haben einen Zweitwohnsitz dort.

"Das nervt mich auch", sagte Dimon damals unter dem Gelächter des Publikums. "Glauben Sie mir, wir wären gerne größer in Florida und wir werden eine Möglichkeit finden", fügte Dimon damals kämpferisch hinzu. Am Donnerstag bekam Dimon seine Chance. Die in Florida stark vertretene Sparkasse Washington Mutual kollabierte unter der Last ihrer notleidenden Hypothekenkredite und dem schwindenden Vertrauen ihrer Kunden. Dimon griff sofort zu. Das macht J.P. Morgan gemessen an den Kundeneinlagen zum Marktführer in Amerika - noch vor den großen Konkurrenten Bank of America und Citigroup.

Dimon macht erneut ein Schnäppchen

Dimon, ein gewiefter Meister von Übernahmeverhandlungen macht erneut ein Schnäppchen. Erst im März hatte er mit Bear Stearns eine der traditionsreichsten Investmentbanken an der Wall Street für nur 10 Dollar je Aktie gekauft. Ein Jahr zuvor waren die Aktien von Bear Stearns noch 170 Dollar wert gewesen. Zudem stand damals noch die Notenbank Fed mit einem Kredit von 29 Milliarden Dollar für die gefährlichsten Papiere in den Kellern von Bear Stearns gerade - mit Hypotheken besicherte Anleihen.

Dimon weitet den Einfluß von J.P. Morgan zu einem Zeitpunkt aus, an dem Konkurrenten wie der Marktführer Citigroup selber mit Verlusten wegen ihres aggressiven Engagements im Hypothekenmarkt kämpfen. Besonders die Citigroup dürfte im Visier von Dimon stehen. Denn Dimon war einst der Zögling der Wall-Street-Legende Sanford Weill, der die Citigroup mit einer Reihe von Akquisitionen zu einem globalen Finanzsupermarkt gemacht hatte.

Aus der Hypothekenkrise fast unbeschadet hervorgegangen

Dimon hat das Übernahmehandwerk von Weill gelernt und galt lange als Anwärter auf dessen Nachfolge. Aber Ende der neunziger Jahre kam es zu einem Zerwürfnis mit Weill und Dimon wurde entlassen. Dimon wechselte danach zur Bank One in Chicago und brachte die große Regionalbank mit Kostenkürzungen und erfolgreichem Risikomanagement auf Kurs. J.P. Morgan übernahm schließlich die Bank One und damit auch Dimon, der damit seinem mutmaßlichen Ziel, irgendwann die Citigroup zu überholen, ein gutes Stück nähergekommen war.

Seit Dimon vor mehr als zwei Jahren den Vorstandsvorsitz bei J.P. Morgan Chase übernommen hatte, hat er dem aus der Investmentbank J.P. Morgan und der Geschäftsbank Chase Manhattan entstandenen Kreditinstitut neuen Schwung verliehen. Er hat Milliarden Dollar in die Verbesserung von Filialen und Computersystemen gesteckt. Er hat lukrative Geschäftsbereiche wie den Rohstoffhandel ausgebaut und Spitzenposten mit früheren Kollegen von der Citigroup besetzt.

Dimon - auf dem Weg zum unbestrittenen König der Wall Street

Eine große Übernahme, wie es sein Ziehvater Weill vorgemacht hatte, wagte Dimon bisher allerdings nicht. Er vermied es auch, das Hypothekengeschäft so aggressiv auszubauen wie es seine Konkurrenten getan hatten. So ist J.P. Morgan als eine der wenigen Banken an der Wall Street aus der Hypothekenkrise nahezu unbeschadet hervorgegangen. Das hatte zu anhaltenden Gerüchten geführt, dass der mit Übernahmen erfahrene Dimon eine größere Akquisition plant. Seit Monaten war schon über den Kauf einer größeren Regionalbank spekuliert worden.

Dimon ist an der Wall Street hoch angesehen. Er stammt aus dem einfachen New Yorker Stadtteil Queens, was seine direkte und zupackende Art erklärt. Sein Großvater war ein Einwanderer aus Griechenland, der 1919 nach New York kam und sich vom Tellerwäscher zum Aktienbroker hochgearbeitet hatte. Der Enkel ist jetzt auf dem Weg, zum unbestrittenen König der Wall Street zu werden.

Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen