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Island vor dem Staatsbankrott Informationsdebakel um russische Milliarden

 ·  Islands Zentralbank zählt auf einen Vier-Milliarden-Kredit aus Russland - unter Berufung auf den russischen Botschafter. Doch in Moskau heißt es, es habe nicht einmal eine Anfrage gegeben. Das gibt Island nun zu - und steht mit dem Rücken zur Wand. Es droht der Staatsbankrott.

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Das russische Finanzministerium hat eine Mitteilung der isländischen Nationalbank über einen Kredit in Höhe von vier Milliarden Euro dementiert. Es habe bislang noch nicht einmal eine entsprechende Anfrage Islands an Russland gegeben, sagte ein Ministeriumssprecher am Dienstag in Moskau. „Es gab keine Kreditverhandlungen mit Island“, betonte er. Nach dem russischen Dementi räumte Islands Ministerpräsident Geir Haarde ein, dass die Mitteilung der Zentralbank voreilig war.

Die Isländische Zentralbank hatte am Vormittag auf ihrer Webseite unter Berufung auf den russischen Botschafter in Island, Viktor Tatarinzew, erklärt, Russland habe Island ein Darlehen von vier Milliarden Euro zugesagt (Die Erklärung der isländischen Zentralbank im Wortlaut). Daraufhin hatte die isländische Krone, die am Dienstagvormittag zum Euro um 35 Prozent abgestürzt war, ihren Sinkflug gestoppt und war ins Plus gedreht.

Doch anschließend sagte Russlands Vizefinanzminister Dimitri Pankin der Nachrichtenagentur Reuters: „Es hat noch keine Entscheidung gegeben, Island ein Darlehen zu gewähren.“ Haarde sagte am Nachmittag bei einer Pressekonferenz in Reykjavik, dass Experten der Nationalbank umgehend nach Moskau reisen würden, um die Bedingungen auszuhandeln. Haarde äußerte sich zuversichtlich, dass es zu einer Einigung kommen werde.

Medwedew: Zeit für neue Entscheidungen

Auch Russland spürt inzwischen die Folgen der Finanzmarktkrise, sitzt dank der hohen Ölpreise aber auf riesigen Devisenreserven. Präsident Dmitri Medwedew hat ein gemeinsames internationales Vorgehen gegen die Finanzkrise gefordert. „Die internationalen politischen Probleme und die Krise des Weltfinanzsystems erfordern dringend gemeinsames Handeln“, sagte Medwedew in einer Videobotschaft, die am Dienstag auf der Kreml-Website veröffentlich wurde. „Es ist völlig offensichtlich, dass die Zeit für neue Entscheidungen gekommen ist.“

Medwedew wird an diesem Mittwoch am Rande einer Politikkonferenz in Evian den französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy treffen. Sarkozy hatte ein Gipfeltreffen der G8-Staaten zur Reform des Finanzsystems vorgeschlagen.

Zweitgrößte Bank Islands verstaatlicht

Am Morgen hatte Islands Finanzaufsicht die vollständige Kontrolle über die zweitgrößte Bank des Landes, Landsbanki, übernommen. Die Behörden wandten damit erstmals ein wenige Stunden zuvor vom Parlament verabschiedetes Eilgesetz zur Verhinderung eines totalen Finanzkollaps sowie eine Staatsbankrotts an. Die Bank Kaupthing bekam einen Sofortkredit über 500 Millionen Euro. In der Vorwoche hatte die Regierung bereits für 600 Millionen Euro 75 Prozent der Anteile an der drittgrößten Bank Glitnir übernommen.

Außerdem wird der Wechselkurs Islands fixiert, wie die Zentralbank am Dienstag mitteilte. Nach Angaben der Finanzaufsicht Islands bleiben die Filialen, Call Center und Geldautomaten sowie der Interzugang der Landsbanki wie gewohnt zugänglich.

Islands will mit der Kontrolle über das Bankengewerbe auch einen drohenden Staatsbankrott abwenden. Vor der Verabschiedung des Eilgesetzes sagte Ministerpräsident Haarde vor dem Parlament in Reykjavik, Island stehe vor der „reellen Gefahr“, so in die globale Finanzkrise hineingezogen zu werden, dass am Ende der Staatsbankrott stehe.

Freie Hand für Islands Regierung

Der Ministerpräsident kündigte als ersten Schritt den Verkauf von Auslandsaktivitäten der führenden Geldinstitute an. Die extrem aggressive internationale Expansion der drei größten isländischen Banken gilt als entscheidende Ursache für die akute Krise auf der Nordatlantikinsel mit gut 300.000 Einwohnern. Die Regierung kann Banken umgehend verstaatlichen, zu Fusionen zwingen, Spitzenmanager auswechseln und Grenzen für deren Entlohnung setzen.

Die isländische Krone hat seit einer Woche gegenüber dem Euro mehr als ein Viertel ihres Wertes verloren. In den vergangenen zwölf Monaten ist der Kurs um mehr als 70 Prozent gesunken. Ob nationale staatliche Mittel ausreichen, um den gefährdeten Bankensektor zu stabilisieren, gilt als zweifelhaft. Das Bilanzvolumen der drei führenden Banken ist zehnmal so groß wie das jährliche Bruttoinlandsprodukt. Als möglicher Ausweg werden in Reykjavik Mittel aus den nach internationalen Maßstäben sehr großen Pensionsfonds des Landes angesehen.

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