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Immobilienfinanzierer Furcht vor neuen Milliardenrisiken bei der HRE

20.02.2009 ·  Die Verstaatlichung der Krisenbank Hypo Real Estate wird immer wahrscheinlicher. Für helle Aufregung an der Börse sorgte ein Bericht über weitere Milliardenrisiken. Der Kurs der HRE-Aktie fiel zeitweise um mehr als 20 Prozent

Von Henning Peitsmeier, Markus Frühauf und Hanno Mußler
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Die Verstaatlichung der Krisenbank Hypo Real Estate wird immer wahrscheinlicher. In Berlin wird, wie es am Freitag hieß, mit Hochdruck an einer Restrukturierungslösung gearbeitet, an deren Ende der Einstieg des Bundes stehe. Es gebe zur Verstaatlichung keine Alternative mehr - wobei immer noch unklar scheint, ob dafür eine Enteignung der HRE-Aktionäre notwendig ist. Am Mittwoch hat die Bundesregierung schon den Gesetzentwurf dafür beschlossen.

In die Übernahme der HRE ist Bewegung gekommen, weil Großaktionär Christopher Flowers erklärte, seine Anteile von knapp 24 Prozent an den Bund zu 3 Euro je Aktie abgeben zu wollen (siehe Christopher Flowers: „3 Euro je HRE-Aktie wären fair“). Bundesfinanzminister Peer Steinbrück äußerte sich zurückhaltend: "Der Punkt ist, dass, wenn Flowers ein solcher Preis angeboten wird, auch allen anderen Aktionären dieser Preis angeboten wird, und damit sind wir gegebenenfalls in Sphären, die weit über die augenblickliche Börsenkapitalisierung des Unternehmens hinausgehen."

HRE-Aktie bricht abermals ein

Für helle Aufregung an der Börse sorgte ein Bericht über weitere Milliardenrisiken bei dem Immobilienfinanzierer. Der Kurs der HRE-Aktie fiel zeitweise um mehr als 20 Prozent auf unter 1,30 Euro, nachdem die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" über hochspekulative Derivategeschäfte berichtete, die nicht in der HRE-Bilanz auftauchten. Die HRE sprach indes von einer "Falschinterpretation" ihrer Derivatepositionen: Zwar betrage das Nominalvolumen an Derivaten rund 1 Billion Euro, doch würde "entsprechend der Bilanzierungsvorschriften der Marktwert der Derivate in der Bilanz erfasst und nicht das dahinterliegende Nominalvolumen.

In der HRE wurden die neuen Meldungen über die bedrohliche Lage als politische Treibjagd interpretiert. Die Bank habe keine außerbilanzielle Zweckgesellschaft. Über so genannte Structured Investment Vehicles (SIVs) und Conduits waren die IKB und die Sachsen LB in eine Schieflage geraten. In den HRE-Kreisen wird vermutet, dass der Versuch unternommen werde, die Lage der Bank schlechter als tatsächlich darzustellen, um die Enteignung als Ultima Ratio rechtfertigen zu können - oder wenigstens den Übernahmepreis zu senken. Dabei wird auf das Verkaufsangebot von Flowers verwiesen: Dessen Preisvorstellung von 3 Euro sei nicht irrational, sondern bewege sich in einer realistischen Größenordnung. Darüber hinaus habe Flowers seine Bereitschaft zu einer Kapitalerhöhung signalisiert, mit der der Bund auf eine Mehrheit von 75 Prozent plus eine Aktie käme. Anscheinend bestehe in der Politik nicht mehr das Interesse, mit Flowers verhandeln zu wollen. Stattdessen werde über haltlose Gerüchte Hetzjagd auf die Bank gemacht, befürchten HRE-Kreise.

Gleichwohl wird auch von diesen Personen bestätigt, dass die Bank einen zusätzlichen Kapitalbedarf von bis zu 10 Milliarden Euro habe. Tatsächlich hat die Bankenaufsicht Bafin das Bundesfinanzministerium darüber informiert, dass in der Hypo Real Estate weitere 2,6 Milliarden Euro Verlust entstanden seien. Damit rutscht die Kernkapitalquote auf 3,55 Prozent und damit unter den erforderlichen Mindestwert von 4 Prozent.

Die großen Summen der Banken

Zahlen des Finanzsektors erscheinen in Relation zu volkswirtschaftlichen Daten oft gewaltig. So hatte die Deutsche Bank Ende 2008 eine Bilanzsumme von 2200 Milliarden Euro; die Einwohner Deutschlands erwirtschafteten kaum mehr: rund 2500 Milliarden Euro.

Noch riesiger sind die Nominalsummen, die hinter als Derivate bezeichneten Wertpapieren wie Terminkontrakten, Optionen oder Swaps stehen. Richtig angewendet, gehen Banken und Unternehmen mit Derivaten Gegengeschäfte zum Beispiel zu Zins- und Währungsgeschäften ein und sichern Risiken daraus damit ab.

Die Nominalvolumina tauchen in den Bankbilanzen nicht auf, weil es sich um schwebende Geschäfte handelt, die grundsätzlich nicht bilanziert werden. Sie stehen aber in Geschäftsberichten. In der Bilanz finden sich die Marktwerte der Derivate und deren Veränderung. Das Derivate-Nominalvolumen beträgt oft ein Vielfaches der Bilanzsumme. Der Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate hat 1000 Milliarden Euro Derivatevolumen (Bilanzsumme: 400 Milliarden Euro), die Deutsche Bank hatte Ende 2007 rund 47 000 Milliarden Euro Derivate-Nominalvolumen.

Der Marktwert des Derivate-Buches der Deutschen Bank betrug Ende 2008 dagegen rund 1200 Milliarden Euro. Nach Angaben der Deutschen Bank sinkt dieser Wert auf 128 Milliarden Euro, wenn Derivate mit gleichen Kontrahenten miteinander verrechnet werden. Gleichwohl zeigen die Summen die Systemrelevanz auch vermeintlich kleiner Banken. Zwar wird die unmittelbare Zahlungsverpflichtung der einzelnen Bank in etwa dem Marktwert entsprechen. Doch wenn ein Kontrahent ausfällt, dürfte das zu weiteren Verwerfungen nicht nur auf dem Derivate-Markt, sondern auf vielen Märkten führen. (ham.)

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