19.10.2008 · Die Vereinigten Staaten, Frankreich und die EU-Kommission haben sich angesichts der internationalen Bankenkrise für eine „Serie“ von Weltfinanzgipfeln ausgesprochen. Der erste ist kurz nach den Präsidentschaftswahlen in Amerika geplant.
Die Vereinigten Staaten und Europa wollen wegen der Finanzkrise eine ganze Serie von Welt-Finanzgipfeln einberufen. Präsident George W. Bush, sein französischer Amtskollege Nicolas Sarkozy und EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso kündigten nach einem mehrstündigen Treffen in Camp David ein erstes Gipfeltreffen in Amerika bereits kurz nach der Präsidentschaftswahl am 4. November an.
„Es ist notwendig, dass wir zusammenarbeiten, weil uns die Krise alle betrifft“, erklärte Bush. Der Gipfel solle das Fundament des demokratischen Kapitalismus erhalten und ein Bekenntnis zu freien Märkten und Freihandel liefern.
Bush, Sarkozy und Barroso wollen in der kommenden Woche anderen Staats- und Regierungschefs den Vorschlag zu einer Reihe von Finanzgipfeln unterbreiten. Die japanische Regierung erklärte umgehend ihre Bereitschaft zur Teilnahme. Das Land hält derzeit den Vorsitz der Gruppe der wichtigsten Industrienationen und Russland (G8) inne.
Bei dem ersten Gipfel, der voraussichtlich in New York stattfinden wird, sollen die Fortschritte im Kampf gegen die Finanzkrise analysiert werden. Zudem sollen sich die Teilnehmer auf Grundrisse zu einer Neuordnung des Finanzsystems verständigen, die dann auf späteren Gipfeltreffen im Detail beschlossen werden können (Blick auf die Agenda: Bretton Woods II). Die Vereinigten Staaten und Europa seien sich einig gewesen, dass die Themen zu umfangreich für ein einziges Gipfeltreffen seien, hieß es.
Nicht ohne die Schwellenländer
Auch Schwellenländer sollen an dem Gipfeltreffen teilnehmen, damit es eine breite Akzeptanz für die geplante Neuordnung gibt. „Wir werden gemeinsam daran arbeiten, die Finanzsysteme unserer Staaten zu stärken und zu modernisieren, damit eine solche Krise nicht noch einmal vorkommt“, erklärte Bush.
Der amtierende EU-Ratsvorsitzende Sarkozy hatte zuvor eine Neuordnung der globalen Finanzarchitektur gefordert, die nach dem zweiten Weltkrieg auf der Konferenz in Bretton Woods etabliert wurde. Bush hat sich noch nicht öffentlich zu dieser ehrgeizigen Forderung geäußert. Es gilt jedoch als wahrscheinlich, dass derartige Pläne in Washingotn auf Widerstand stoßen würden. Das Präsidialamt hatte wiederholt betont, die Priorität liege zunächst auf einer Überwindung der derzeitigen Krise.
Ein historisches Vorbild: Bretton Woods
Der geplante Weltfinanzgipfel hat ein historisches Vorbild: In Bretton Woods, einem abgelegenen Ort im amerikanischen Bundesstaat New Hampshire, war im Juli 1944 ein weltweites Währungssystem mit festen Wechselkursen zum Dollar beschlossen worden. Eingeladen hatte der amerikanische Finanzminister Henry Morgenthau: 700 Finanzfachleute aus 44 Ländern der Vereinten Nationen reisten für drei Wochen in das Mount Washington Hotel nach Bretton Woods. Die Teilnehmer wollten ein neues, weltweites Währungssystem schaffen, um die Weltwirtschaft zu stabilisieren.
Beschlossen wurde in Bretton Woods die Gründung des Internationalen Währungsfonds (IWF) sowie der Internationalen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (Weltbank). Zudem vereinbarten die Länder ein starres Wechselkurssystem für Währungen. Im Mittelpunkt stand die Bindung an den Dollar. Der Wert des Dollars wiederum war an Gold gebunden. Amerikas Notenbank verpflichtete sich, Dollar jederzeit in Gold zu tauschen. Diese Regelung galt bis zum Jahr 1971. Amerika kündigte die Verpflichtung wegen hoher Inflation. Seit dem Jahr 1973 gelten flexible Wechselkurse.
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