27.10.2009 · Island wird wegen der Finanzkrise zu einem komplett McDonald's-freien Land. Alle drei Restaurants der amerikanischen Schnellimbisskette auf der Atlantikinsel schließen. Wegen des Imports sind dem Betreiber die Rohstoffe unerschwinglich teuer geworden - vor allem die Zwiebeln.
Die Schnellimbisskette McDonald's verliert ihr Standbein im von der Finanzkrise schwer angeschlagenen Island. Es sei zu teuer geworden, die Restaurants zu betreiben, sagte der isländische Franchise-Unternehmer Jon Ogmundsson. Demnach schließen alle drei McDonald's-Filialen Ende Oktober. „Ich habe in den vergangenen Monaten mehr Hamburger verkauft als je zuvor, aber die Kosten sind ungeheuerlich“, sagte Ogmundsson. „Für ein Kilo Zwiebeln aus Deutschland zahle ich soviel wie für eine Flasche guten Whiskey.“
Der Unternehmer begründete den Schritt mit dem Verfall der isländischen Krone und hohen Steuern auf importierte Nahrungsmittel. Die Landeswährung hat seit dem Frühjahr mehr als drei Viertel ihres Werts gegenüber dem Euro verloren. Dem Unternehmen war von McDonald's vorgeschrieben worden, sämtliches Material für die Restaurants - von der Verpackung über das Fleisch bis zum Käse - aus Deutschland zu importieren.
Umsatteln auf heimische Produkte
Damit sei das Unternehmen gegenüber Konkurrenten, die einheimische Produkte nutzten, nicht mehr wettbewerbsfähig. Ein Big Mac kostete in Reykjavik zuletzt 650 Kronen (3,53 Euro). Um ausreichend Gewinn abzuwerfen, hätte der Preis laut Ogmundsson um 20 Prozent auf 780 Kronen angehoben werden müssen. Als das erste McDonald's-Restaurant auf Island 1993 eröffnet wurde, kam der damalige Ministerpräsident Davíd Oddsson und verzehrte feierlich einen ersten Big Mac.
Ogmundsson will künftig eine eigene kleine Schnellimbiss-Kette unter dem Namen Metro betreiben, die heimische Produkte verwendet. Wichtigste Einnahmequelle für die von der Finanzkrise besonders hart getroffenen 320 000 Bürger auf der Atlantikinsel ist der Fischfang (siehe auch: Island: Quotenstreit in Ísafjörður).