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Finanzkrise Dresdner Bank braucht Staatshilfe

06.01.2009 ·  Kursverluste auf Anleihen in Milliardenhöhe bringen die Dresdner Bank und die Commerzbank offenbar in Kapitalnot. Kurz vor der formalen Übernahme hat die Commerzbank Gespräche mit dem Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung über staatliche Hilfe für die Dresdner Bank geführt. Die Fusion ist aber offenbar nicht gefährdet.

Von Markus Frühauf und Hanno Mußler
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Kursverluste auf Anleihen in Milliardenhöhe, die im vierten Quartal Abschreibungen auf das Eigenkapital erzwungen haben, bringen die Dresdner Bank und die Commerzbank offenbar in Kapitalnot. Deshalb hat die Commerzbank, die kurz vor der formalen Übernahme der Dresdner Bank steht, Anfang dieser Woche Gespräche mit dem Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (Soffin) über staatliche Hilfe für die Dresdner Bank geführt. Der Soffin verantwortet das 480 Milliarden Euro schwere Rettungspaket, das die Bundesregierung für die Kreditwirtschaft geschnürt hat.

Der Soffin hat der Commerzbank schon Mitte Dezember eine stille Einlage als Eigenkapitalspritze von 8,2 Milliarden Euro verabreicht. Offenbar werden die Verwerfungen an den Kapitalmärkten Dresdner Bank und Commerzbank aber zu so großen Korrekturen auf ihre Wertpapierbestände zwingen, dass in dem aus den beiden Banken hervorgehenden Institut die Kapitalkennziffer unter das vom Soffin für Staatsgarantien als erforderlich erachtete Niveau rutscht. Die Hürde liegt bei einer Kernkapitalquote von 8 Prozent. Diese Quote beziffert das Verhältnis von hochwertigem Eigenkapital zu den Risikoaktiva, im Wesentlichen Krediten.

Commerzbank wird die Dresdner Bank zu 100 Prozent übernehmen

Die Commerzbank plant, eine vom Soffin garantierte Anleihe in den kommenden Tagen, möglichst noch in dieser Woche, zu begeben. Das Volumen dürfte nach Angaben aus Finanzkreisen zwischen 1 und 2 Milliarden Euro liegen. Offen ist die Frage, wie mit den Garantien für die Anleihe der Commerzbank zu verfahren ist, wenn die Kernkapitalquote nach der Integration der Dresdner Bank wieder unter 8 Prozent fällt.

Schließlich wird die Commerzbank die Dresdner Bank zu 100 Prozent übernehmen. Damit übernimmt sie zunächst alle Risikoaktiva der Dresdner von gut 100 Milliarden Euro auf die Vermögensseite ihrer Bilanz. Die Commerzbank selbst hat dort Risikoaktiva von knapp 230 Milliarden Euro stehen. Ende September war das Verhältnis der Risikoaktiva zum Kernkapital in der Bilanz der Dresdner Bank sogar noch günstiger als in der Commerzbank-Bilanz. Jedoch wird durch den Vorgang der Vollkonsolidierung der Dresdner Bank in der Commerzbank buchhalterisch Eigenkapital der Dresdner Bank „gestrichen“. Hinzu kommen die Eigenkapital aufzehrenden Abschreibungen auf die Wertpapierbestände beider Banken.

Womöglich hätte der Soffin es der Commerzbank daher sogar untersagt, wegen zu niedriger Kernkapitalquote die Staatsgarantie zu nutzen. Offenbar will der Commerzbank-Vorstandssprecher Martin Blessing erst gar keine Debatte darüber aufkommen lassen. Vielmehr scheint Blessing die Zeit bis zur Übernahme der Dresdner Bank noch nutzen zu wollen, um im Namen der künftigen Tochtergesellschaft, letztlich aber für die sich neu formierende Commerzbank abermals staatliche Kapitalhilfen zu bekommen. Für den Abschluss der Dresdner-Bank-Übernahme benötigt die Commerzbank die Genehmigungen einiger nationaler Aufsichts- und Wettbewerbsbehörden, die unproblematisch sein dürften.

Bei Kernkapitalquote unterhalb von 5 Prozent müsste Finanzaufsicht einschreiten

Wesentlich mehr Kopfzerbrechen bereiten in den Türmen von Commerzbank und Dresdner Bank die hohen Abschreibungen im Schlussquartal 2008. Dieser Zeitraum war an den Kapitalmärkten der Welt von der Erschütterungen der Lehman-Brothers-Pleite geprägt. Die einst viertgrößte amerikanische Investmentbank beantragte Mitte September Gläubigerschutz. Hinzu kamen die Beinahepleiten der drei isländischen Großbanken Kaupthing, Landsbanki und Glitnir, die fast den gesamten Inselstaat in den Abgrund gerissen hätten.

Ende September 2008 hatte die Allianz die Kernkapitalquote der Dresdner Bank mit gut 8 Prozent angegeben. Aufgrund der schweren Verwerfungen an den Kapitalmärkten im Oktober und November muss angesichts des hohen Engagements der Investmentbank Dresdner Kleinwort in Risikopapieren davon ausgegangen werden, dass die Dresdner Bank deutlich unter die Marke von 8 Prozent gerutscht ist. Denn höhere Wertberichtigungen, die trotz der zwischenzeitlich gelockerten Bilanzierungsregeln von zahlreichen Banken für das vierte Quartal 2008 geschultert werden müssen, zehren das Eigenkapital auf.

Bei einer Kernkapitalquote unterhalb von 5 Prozent müsste die Finanzaufsicht einschreiten. In Finanzkreisen wird aber betont, dass die Kapitalsituation bei der Dresdner Bank nicht derart dramatisch sei. Allerdings habe das vierte Quartal noch einmal voll reingeschlagen, weshalb nun nach einer gemeinsamen Lösung für eine ausreichende Kapitalisierung gesucht werden müsse, fügte ein Bankenvertreter hinzu.

Die Commerzbank kam zum Ende des dritten Quartals 2008 auf eine Kernkapitalquote von 7,6 Prozent. Dank der Kapitalspritze des Soffin steigt die Kennziffer auf 11,2 Prozent, was mittlerweile angesichts der weltweiten Stützungsmaßnahmen für Banken international ein eher unterdurchschnittliches Niveau darstellt. Wie ein Commerzbank-Sprecher erklärte, ist über den Zeitraum und das Volumen der staatlich garantierten Anleihe noch nicht entschieden worden. Die Mittel dienten zur Refinanzierung des Kreditgeschäfts. Für die Dresdner-Bank-Übernahme würden sie nicht benötigt. Insgesamt kann der Soffin für Commerzbank-Anleihen über 15 Milliarden Euro garantieren.

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