19.03.2009 · Die amerikanische Notenbank Fed greift im Kampf gegen die Rezession zu einer ihrer schärfsten Waffen. In den kommenden Monaten will die Notenbank in großem Stil Staatsanleihen und hypothekenbesicherte Wertpapiere ankaufen. Insgesamt geht es um ein Volumen von mehr als einer Billion Dollar.
Von Claus Tigges und Patrick WelterDie amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed) wird mehr als 1 Billion Dollar frischen Geldes in die Wirtschaft pumpen um der Rezession ein Ende zu bereiten. Der geldpolitische Rat um Ben Bernanke beschloss am Mittwoch, bestehende Programme zum Kauf verbriefter Forderungen im Volumen mehr als zu verdoppeln; darüber hinaus will die Fed in den kommenden sechs Monaten amerikanische Staatsanleihen mit längeren Laufzeiten in Höhe von bis zu 300 Milliarden Dollar kaufen.
„Um den Hypotheken- und den Häusermarkt besser zu stützen, hat der Rat heute beschlossen, die Bilanz der Fed weiter zu vergrößern“, teilten die Währungshüter mit. Zum einen ist vorgesehen, Anleihen, die mit Forderungen aus Hypothekendarlehen abgesichert sind, für bis zu 1,25 Billionen Dollar zu kaufen, 750 Milliarden Dollar mehr als bisher in Aussicht gestellt. Darüber hinaus sollen Anleihen von Schuldnern wie den beiden Immobilienfinanzierern Freddie Mac und Fannie Mae für bis zu 200 Milliarden Dollar gekauft werden, was einer Verdoppelung des bisherigen Rahmens entspricht. Die Fed will so die langfristigen Kapitalmarktzinsen sowie die Zinsen für Hypothekendarlehen drücken.
Börsenreaktion: Die Aktienkurse stiegen
Nach Bekanntgabe der Entscheidung stiegen die Kurse vieler Anleihen. Auch die Aktienkurse stiegen, der Dow Jones lag 0,5 Prozent im Plus bei 7440 Punkten. Auf dem Devisenmarkt geriet der Dollar unter Druck und verlor zum Euro 3 Cent auf rund 1,34 Dollar je Euro.
Nach Darstellung des Fed-Rates schrumpft Amerikas Wirtschaft weiter. Die schlechte Lage auf dem Arbeitsmarkt sowie an der Börse und auf dem Häusermarkt belasteten die Konsumausgaben der Haushalte, die ebenso wie viele Unternehmen unter der zurückhaltenden Kreditvergabe vieler Banken litten. Gleichwohl bestehe die Aussicht, dass die Lockerung der Geldpolitik mit dem Konjunkturpaket zu einer „allmählichen Wiederaufnahme eines tragfähigen Wachstums“ beitrage, schreibt der Rat in seiner Mitteilung. Darin bekräftigen die Währungshüter, den Leitzins auf absehbare Zeit im Zielkorridor von 0 bis 0,25 Prozent zu belassen.
Auch die japanische Notenbank kauft Staatsanleihen
Zuvor hatte die Bank von Japan angekündigt, mehr japanische Staatsanleihen zu kaufen. Notenbankgouverneur Masaaki Shirakawa sieht aber nur wenig Spielraum, das Programm auszudehnen. Wie erwartet hielt die Bank zugleich den Leitzins bei 0,1 Prozent. Sie teilte mit, sie werde den Geschäftsbanken noch von März an monatlich direkt Staatsanleihen im Wert von 1,8 Billionen Yen (14 Milliarden Euro) abkaufen. Erst im Dezember hatte die Bank das Limit von 1,2 auf 1,4 Billionen Yen erhöht. Shirakawa bestritt, dass die Bank mit dem erhöhten Kauf von Staatsanleihen eine höhere Staatsverschuldung finanzieren oder den langfristigen Zinssatz drücken wolle. Der Schritt gründe nur in geldpolitischen Bedürfnissen der Zentralbank. Gleichwohl erleichtert der größere Kauf von Staatsanleihen durch die Zentralbank es der Regierung, neue Anleihen am Markt unterzubringen.
Eine gesetzliche Regelung, wie viele Staatsanleihen die Zentralbank kaufen darf, gibt es in Japan nicht. Doch hat die Bank sich intern ein Limit gesetzt: den Wert der ausgegebenen Banknoten. Mit dem erweiterten Ankauf erwirbt die Bank jedes Jahr Staatsanleihen für 21,6 Billionen Yen (rund 169 Milliarden Euro).