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Fed & Co. Notenbanken der Welt drehen Geldhähne auf

20.03.2009 ·  Aus Furcht vor einer konjunkturellen Abwärtsspirale greifen immer mehr Notenbanken zu ungewöhnlichen Mitteln. Sie schleusen direkt und aktiv riesige Summen in die Wirtschaft. Das erhöht den Druck auf die EZB, die sich solchen Schritten bislang verweigert.

Von Stefan Ruhkamp
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Aus Furcht vor einer Abwärtsspirale in der Wirtschaft und weil die klassische Zinspolitik nicht im gewünschten Maß wirkt, greifen immer mehr Notenbanken zu ungewöhnlichen Mitteln. Sie schleusen - anders als die Europäische Zentralbank (EZB) - direkt und aktiv riesige Summen in die Wirtschaft. Die amerikanische Federal Reserve hat gerade den Rahmen dafür auf einen Schlag um 1150 auf 1750 Milliarden Dollar ausgeweitet. Vergleichbare Schritte haben die Zentralbanken in der Schweiz, Großbritannien, Japan und anderen Länder ergriffen. Sie drücken damit die langfristigen Zinsen in ihren Währungsräumen und schwächen die eigene Währung.

Dadurch wächst allmählich der Druck auf die EZB, die bislang eine aktive direkte Ausweitung der Geldmenge - im Fachjargon "quantitative easing" genannt - ablehnt. Der Druck komme nicht nur von den anderen Zentralbanken, sagen Analysten der Banken. Über kurz oder lang wachse er, weil der Euro aufwertet und dadurch die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft geschwächt werde. Seit die Fed die Ausweitung ihres Lockerungsprogramms angekündigt hat, hat der Euro innerhalb von zwei Tagen um rund 4 Prozent auf 1,36 Dollar aufgewertet. Ähnlich waren die Bewegungen zu Franken und Yen, wenngleich der Euro noch weit von den im vergangenen Herbst erreichten Höchstständen entfernt ist.

Normalerweise ist der Leitzins das Steuermedium

In normalen Zeiten steuern die Notenbanken die Geldmenge vor allem über ihre Leitzinsen, zu denen sich die Geschäftsbanken Bargeld und kurzfristige Zentralbankguthaben leihen können. Das ist der Rohstoff, den die Banken zu einem Vielfachen zum Beispiel in Form von Unternehmens- oder Verbraucherkrediten weiterverarbeiten können. Doch dieser Wirkungsmechanismus ist in der Finanz- und Wirtschaftskrise gestört, weil sich die Banken mit der Kreditvergabe zurückhalten. Sie zögerten zunächst, weil sie viel Kapital verloren hatten. Frisches Kapital haben sie inzwischen zu einem guten Teil von den Staaten bekommen. Doch nun fürchten viele Banken, dass in der Rezession die Kreditausfälle zunehmen und damit weitere Verluste drohen. Die meisten Notenbanken hätten aber gerne, dass die die langfristigen Zinsen sinken und dass die Geschäftsbanken Kredite freigiebiger vergeben.

Deshalb haben sie seit dem vergangenen Herbst, als die Finanzkrise nach der Insolvenz der amerikanischen Lehman-Bank eskalierte, zunächst Maßnahmen der passiven Geldmengenausweitung ergriffen. Diesen Weg geht auch die Europäische Zentralbank, die zum Leitzins so viel Geld verleiht, wie die Banken wünschen. Außerdem hat sie das Spektrum der Wertpapiere, die sie als Sicherheiten akzeptiert, stark ausgeweitet. Beide Schritte haben die Stabilität der Banken erhöht und das im Herbst drohende Einfrieren des Geldmarktes verhindert.

Viele Zentralbanker halten die Kreditversorgung für zu stark gestört

Doch vielen Notenbanken geht das nicht weit genug. Sie halten die Kreditversorgung der Wirtschaft für zu stark gestört und nutzen nun Instrumente der aktiven Geldmengenausweitung. Anders als bei den passiven Instrumenten geht es bei den aktiven Instrumenten nicht um das Verleihen von Geld an Banken, sondern um den Ankauf von Wertpapieren, zum Beispiel von Staatsanleihen und Unternehmensanleihen, entweder von Banken oder über die Börse. Was ist bereits beschlossen?

Die amerikanische Fed kauft für bis zu 300 Milliarden Dollar an der Börse langlaufende Staatsanleihen des amerikanischen Staates. Sie erhöht das Programm für den Kauf von Anleihen, die mit Hypothekendarlehen besichert sind, von 500 auf 1250 Milliarden Dollar. Sie verdoppelt das Programm für den Kauf von Schulden der Finanzierungsagenturen Fannie Mae und Freddie Mac von 100 auf 200 Milliarden Dollar. Sie kauft Unternehmensanleihen mit kurzer Laufzeit. Die New Yorker Fed verleiht außerdem bis zu 200 Milliarden Dollar an Käufer von Anleihen, die mit Studentenkrediten und Kreditkartenforderungen besichert sind.

Die Schweizer Nationalbank kauft für eine unbekannte Summe Anleihen privater Emittenten, auch von Banken. Sie stützt außerdem die eigenen Währung durch den Ankauf von Franken. Die Bank von Japan hat das Programm für den Kauf von Staatsanleihen um ein Drittel ausgeweitet. Sie kauft nun monatlich für 1800 Milliarden Yen (14 Milliarden Euro) Staatsanleihen. Für bis zu 1000 Milliarden Yen (7,8 Milliarden Euro) kauft sie kurzlaufende Unternehmensanleihen. Für jeweils die gleiche Summe bietet sie den Banken an, ihnen nachrangige Kredite und Aktien abzukaufen. Die Bank von England hat mit dem Kauf von britischen Staatsanleihen begonnen. Dafür stehen bis zu 75 Milliarden Pfund bereit. Seit Februar kauft sie Unternehmensanleihen. Für dieses Programm stehen bis zu 50 Milliarden Pfund bereit.

Warnung vor längerfristigen Inflationsrisiken

Diese Eingriffe haben auf den Kapitalmärkten kurzfristig spürbare Wirkungen gezeigt. Sie trieben zum Beispiel die Kurse britischer Staatsanleihen nach oben und drückten dadurch die Anlagerenditen. Zudem haben die Währungen der intervenierenden Notenbanken in den meisten Fällen binnen weniger Tage spürbar abgewertet. Allerdings sind die Wechselkursbewegungen gemessen an den Schwankungen, die in den vergangenen Monaten zum Beispiel von Bankenschieflagen oder sehr schlechten wirtschaftlichen Daten ausgelöst wurden, bislang nicht allzu groß.

Ohnehin warnen manche Beobachter davor, die aktive Geldmengenausweitung als Allheilmittel gegen Deflation zu überschätzen - ganz abgesehen von den Warnungen vor den längerfristigen Inflationsrisiken. Durch den Kauf von Wertpapieren erhöhen die Zentralbanken zwar die Geldmenge direkt um den Betrag, den sie bezahlen. Aber die Hoffnung, dass das zusätzlich ins Bankensystem fließende Zentralbankgeld von den Banken über die Kreditvergabe vervielfacht wird, könnte trügen. Das gilt besonders für den Euro-Raum, wo es den Banken auch jetzt nicht an Zentralbankgeld fehlt. Sie erhalten es in den wöchentlichen Auktionen in unbegrenzter Höhe zum Leitzins von 1,5 Prozent. Sie verfügen also schon jetzt über mehr als genug Zentralbankgeld.

Die EZB gibt sich bislang skeptisch

Die begrenzte Wirkung der aktiven Geldmengenausweitung dürfte zu den Gründen zählen, dass sich die EZB dazu bisher skeptisch zeigt. Außerdem gibt es Bedenken, ob sich bei einer Erholung der Wirtschaft die Geldmenge rechtzeitig wieder verringern lassen würde, so dass es nicht zu Inflation kommt. Die Bundesbank verweist zudem darauf, dass das europäische Geldsystem viel weniger als das amerikanische auf den Kapitalmarkt angewiesen sei. Mit Ausnahme der großen Unternehmen gebe es in Europa für die wenigsten Kreditnehmer einen direkten Zugang zum Kapitalmarkt. Hier basiere das System viel stärker auf der Zusammenarbeit der Zentralbank mit den Geschäftsbanken.

Allerdings hätte die EZB durchaus die Möglichkeit, wie die Amerikaner, Briten und Japaner Staatsanleihen und andere Wertpapiere anzukaufen - sobald ihr Rat so entscheiden würde. In ihrer Satzung heißt es, dass EZB und die nationalen Zentralbanken zur Erfüllung ihrer Aufgaben auf den Finanzmärkten tätig werden könnten, "indem sie Forderungen und börsengängige Wertpapiere sowie Edelmetalle endgültig oder im Rahmen von Rückkaufsvereinbarungen kaufen und verkaufen oder entsprechende Darlehensgeschäfte tätigen".

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