14.12.2008 · Die weltweite Wirtschaftskrise lässt China, Japan und Südkorea enger zusammenrücken. Bei ihrem ersten Treffen am Wochenende räumten sich die Staaten gegenseitig hohe Kreditlinien ein. Das Trio kündigte an, Asien zum „Wachstumszentrum der Welt“ zu machen.
Von Christoph Hein, SydneyDie weltweite Wirtschaftskrise lässt den Norden Asiens enger zusammenrücken. Japans Ministerpräsident Taro Aso, Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao und Südkoreas Präsident Lee Myung-bak sind am Wochenende im südjapanischen Fukuoka zu ihrem ersten Gipfel zusammengekommen. Dabei vereinbarten die Staats- und Regierungschefs unter anderem, im nächsten Jahr angesichts der Krise keine neuen Handelsschranken zu errichten und sich im Notfall finanziell zu helfen.
„Die Zusammenarbeit unserer drei Länder bei der Bewältigung der Schwierigkeiten wird von großer Bedeutung sein, weil die Finanzkrise die Volkswirtschaften rund um die Erde belastet“, sagte Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao. Das Trio gelobte, Asien zum „Wachstumszentrum der Welt“ zu machen.
Krisengetriebene Annäherung
In den vergangenen Jahren war das Verhältnis der führenden Staaten Nordasiens immer wieder durch politische Dispute belastet. Bislang haben sich die drei führenden Volkswirtschaften der Region, mit Japan und China zugleich die Nummer zwei und vier der Weltwirtschaft, deshalb nicht zu einem Schulterschluss, geschweige denn einem Regionalbündnis, durchringen können.
Die krisengetriebene Annäherung wird nun aber im Rest Asiens genau verfolgt: Denn immerhin trafen sich die größte, die zweitgrößte und die viertgrößte Wirtschaftsnation der Region. Gemeinsam stehen sie für fast drei Viertel der gesamten Wirtschaftsleistung Asiens.
Staaten räumen sich gegenseitig Kreditlinien ein
Die Zentralbanken des Trios kamen darin überein, bestehende gegenseitige Währungssicherungsabkommen auf- und auszubauen. Im Prinzip räumen sich die Staaten damit gegenseitig Kreditlinien ein. Südkorea und Japan werden ihren Swap-Vertrag von 3 Milliarden Dollar auf 20 Milliarden Dollar aufstocken.
China und Südkorea schließen ein bilaterales Abkommen im Wert von 28 Milliarden Dollar. Südkorea blickt auf leidvolle Erfahrungen während der asiatischen Finanzkrise 1998 zurück, wo es auf 57 Milliarden Dollar vom Internationalen Währungsfonds (IWF) angewiesen war. Die Vereinbarungen vom Wochenende dienen auch dazu, sich weiter unabhängig vom IWF zu machen. Er wird in Asien aufgrund seiner an die Kreditvergabe gebundenen harten politischen Konditionen gefürchtet.
Südkorea hat schon ein neues Swap-Abkommen mit Amerika im Wert von 30 Milliarden Dollar. Darüber hinaus haben die Länder Zugriff auf ein bestehendes Swap-Abkommen, auf das sich das Trio mit den zehn Ländern Südostasiens als Fortführung der Chiang-Mai-Initiative geeinigt hatte. Gespeist aus den Währungsreserven der Beteiligten, beläuft es sich auf 80 Milliarden Dollar. Länder wie die Philippinen oder Thailand haben schon ein Aufstocken gefordert. Aso sagte am Samstag, die drei Länder des Nordens sollten ihre nun geschlossenen Abkommen auch noch weiter ausbauen.
Künftig regelmäßige Treffen
Die drei Zentralbanken wollen von nun an jährliche Treffen abhalten. Das erste ist für das kommende Jahr in China anberaumt. Auch wollen China, Japan und Südkorea schnell entscheiden, inwieweit sie die Asiatische Entwicklungsbank (ADB), an der auch Deutschland beteiligt ist, finanziell stärken. Und sie wollen die Regionalintegration Südostasiens helfen voranzutreiben sowie den Abschluss der Doha-Handelsrunde beschleunigen.
„Dass die drei Länder nun Hand in Hand arbeiten, besitzt große Bedeutung. Es dürfte spürbar zur Stabilität Asiens und der Welt beitragen, wenn sich die Führer der drei regelmäßig treffen, um ihre Bindungen zu stärken, da ihre Länder gemeinsam schon für rund 17 Prozent aller in der Welt produzierten Waren und Dienstleistungen stehen“, sagte Aso.
Christoph Hein Jahrgang 1960, Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.
Jüngste Beiträge