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Continental AG Der Preis ist heiß

18.10.2008 ·  Platzt die Conti-Übernahme? Die Schaeffler KG hat zwar bei der Europäischen Kartellbehörde bereits einen Entwurf der Anmeldung eingereicht, doch die Finanzkrise sät Zweifel an der Finanzierung.

Von Hendrik Ankenbrand und Johannes Ritter
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Es war das erhoffte Signal: Am gestrigen Freitag hat die Herzogenauracher Schaeffler KG bei der Europäischen Kartellbehörde den Entwurf für die Anmeldung der Übernahme der Continental AG eingereicht - und nach einer Woche voller Zweifel atmeten die Börsianer auf: Die Franken meinen es wohl doch ernst!

Der Markt reagierte prompt: Während der Kurs jener Conti-Aktien, die bereits Schaeffler zum Kauf angedient wurden und an der Börse separat von den restlichen Conti-Aktien im Streubesitz notiert werden, eine Woche zuvor noch auf 52 Euro gestürzt war, stieg er gestern zwischenzeitlich auf über 69 Euro - ein Glaubensbekenntnis der Börse darüber, dass Schaeffler die Übernahme tatsächlich durchziehen wolle.

Schaeffler habe „niemals gezweifelt“

Sieben Tage zuvor galt dies noch als völlig unsicher. Die Finanzkrise drohte in Deutschland ihr erstes prominentes Opfer zu fordern. Dass die Besitzer jener Conti-Aktien, denen Schaeffler bei einer Übernahme des Automobilzulieferers einen Kaufpreis von 75 Euro garantiert, bereit waren, ihre Anteile für 23 Euro weniger das Stück zu verhökern, bewies Panik: Sollte das Geschäft auf der Zielgeraden platzen? Niemals habe das Unternehmen an der Übernahme gezweifelt, auch die Finanzierung sei sicher, beteuert Schaeffler.

Die Sorge, dass das Unternehmen durch eine Verzögerungstaktik gegenüber der Europäischen Kartellbehörde die Genehmigungsfrist für die Übernahme absichtlich verstreichen und sich so auf dem einzigen legalen Weg aus dem Staub machen wolle, sei unbegründet.

Bis Ende kommender Woche würden die Kartellwächter auf die Formalien des Anmeldeentwurfs schauen, dann gehe es in die eigentliche Prüfung, die bis zu 25 Tage dauern kann. Danach hat Schaeffler wiederum 90 Tage Zeit, auf eventuelle Auflagen einzugehen. Bis Anfang März muss die Übernahme endgültig genehmigt sein, sonst ist Schaeffler raus aus dem Geschäft.

Ist die Skepsis berechtigt?

Also alles nur noch eine Frage der Formalien? Würden die Anleger dies genauso sehen, müsste sich bald an der Börse ein Preis von etwa 75 Euro für die Conti-Aktie einstellen. Trotzdem liegt er immer noch deutlich darunter. Denn es herrscht immer noch Skepsis, dass die Übernahme tatsächlich zustande kommt. Ob dies berechtigt ist oder nicht, lässt sich nicht seriös beurteilen.

Klar ist: Die Conti-Übernahme läuft für Schaeffler auf verschiedenen Ebenen nicht so wie geplant. Geplant war, in einem ersten Schritt 30 bis 50 Prozent der Conti-Aktien zu übernehmen.

Geplante Übernahme hat Schaeffler gepusht

Doch stattdessen überhäuften die Anleger Schaeffler mit Anteilsscheinen - gut 90 Prozent der Aktien wurden angedient. Daran war nicht nur der allgemeine Sog der Börsenbaisse schuld. Richtig attraktiv wurde die Offerte in dem Moment, als Conti die eigene Renditeerwartung für dieses Jahr herunterschraubte. Das war kurz vor Ablauf der Angebotsfrist.

Zwar hat sich Schaeffler verpflichtet, die Beteiligung an Conti auf 49,99 Prozent zu begrenzen. Die darüber hinausgehenden Anteile werden wirtschaftlich aber dennoch Schaeffler zugerechnet. Finanzieren müssen die Franken das gesamte Aktienpaket.

„Die Finanzierung steht“

Die dafür benötigten 10 Milliarden Euro hat sich das Familienunternehmen über einen Kreditvertrag mit sechs Banken gesichert: Royal Bank of Scotland, Commerzbank, Dresdner Bank, UBS, Unicredit und die Landesbank Baden-Württemberg. Inzwischen würden sich diese Banken wohl liebend gern aus der Pflicht stehlen. Denn der Plan, den Großkredit in kleinere Tranchen zu zerlegen und diese an viele andere Banken weiterzuverteilen, geht wegen der Finanzkrise zumindest bisher nicht auf.

Besonders bitter ist das für die Fusionspartner Commerzbank und Dresdner Bank: Gelingt ihr Zusammenschluss, haben sie ein hübsches Klumpenrisiko im Keller.

Wenn die Syndizierung der Kredite nicht klappe, so sei dies das Problem der Banken. Diese müssten den Milliardenkredit dann komplett in die eigenen Bücher nehmen, heißt es bei Schaeffler - verbunden mit dem Signal: "Die Finanzierung steht." Die Frage ist allerdings, wie lange. Das vollkommen intransparente Familienunternehmen schweigt sich darüber aus, welche Laufzeit der Großkredit hat. Im Falle einer Neuverhandlung werden die Banken erheblich höhere Risikoaufschläge einkalkulieren. Steigende Kreditkosten belasten freilich nicht nur die Schaeffler-Gruppe, sondern auch Conti.

Konjunkturabschwung zieht Automobilbranche runter

Wegen der aus heutiger Sicht weit überteuerten Übernahme des Wettbewerbers Siemens-VDO sitzt Conti selbst auf einem Schuldenberg von gut 12 Milliarden Euro. Teile dieser Darlehen werden teurer, weil sie variabel an Geldmarktzinssätze gekoppelt sind. Zugleich könnte Conti beim geplanten Schuldenabbau ins Schleudern geraten. Der Automobilbau zählt zu den Branchen, die am stärksten vom Konjunkturabschwung betroffen sind.

"2009 dürfte der Automobilabsatz in der Welt um 5 Prozent sinken", schätzt Marc-René Tonn, Analyst beim Bankhaus M.M. Warburg. Die Produktionskürzungen schlagen direkt auf die Autozulieferer durch. Conti und Schaeffler müssen also mit einem abnehmenden Mittelzufluss (Cash-flow) und steigenden Restrukturierungskosten rechnen. Zumindest Conti wird um weitere Werksschließungen nicht herumkommen.

Verkauf zu Schleuderpreisen?

Das alles mindert die Kraft und die Fähigkeit, den enormen Schuldenberg abzutragen. Und es erhöht den Druck für Conti, sich vom Reifengeschäft und von der Schlauchsparte (Conti-Tech) zu trennen. Das kann bitter enden: Wer unter Druck verkaufen muss, bekommt keine guten Preise - schon gar nicht in der heutigen Marktlage.

Analyst Tonn hält daher noch einen anderen Weg der Kapitalbeschaffung für möglich: "Frau Schaeffler könnte stimmrechtslose Vorzugsaktien ausgeben." Interessierte Investoren ließen sich da schon finden: Das sei nur eine Frage des Preises.

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