09.04.2009 · Der Bund hat das lang erwartete Übernahmeangebot für die schwer angeschlagene Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE) vorgelegt. 290 Millionen Euro will die Bundesrepublik insgesamt bieten. Das entspricht 1,39 Euro pro Aktie - deutlich mehr, als an der Börse erwartet worden war.
Der Bund hat den Aktionären der maroden Immobilienbank Hypo Real Estate ein Übernahmeangebot unterbreitet. Es sieht einen Preis von 1,39 Euro je Aktie vor. Das gab der Finanzmarktstabilisierungsfonds Soffin am Donnerstagmorgen in einer Pflichtmitteilung bekannt. „Dies ist die Gelegenheit für HRE-Aktionäre, zu einem attraktiven Preis aus dem Investment auszusteigen“, hieß es in der Mitteilung. Der Soffin strebe den Erwerb von 100 Prozent der Anteile an, es gebe jedoch keine Mindestannahmeschwelle. Das Übernahmeangebot sei ein wichtiger Schritt zur Stabilisierung des deutschen Finanzmarktes.
Der Preis von 1,39 Euro liegt rund zehn Prozent über der zuvor in Medienberichten genannten Höhe. Darin war von 1,26 Euro pro Aktie die Rede, was laut Soffin dem gesetzlichen Mindestpreis entspricht. Dieser ergebe sich aus dem durchschnittlichen inländischen Börsenkurs im Zeitraum vom 1. bis zum 15. Februar 2009. An der Börse in Frankfurt kosteten die HRE-Papiere am Mittwoch zu Börsenschluss 1,23 Euro; am Donnerstagmorgen reagierten die Titel vorbörslich mit starken Kursgewinnen. „Es ist klar, dass der Kurs nicht weit unter dem Übernahmeangebot bleibt“, sagte ein Händler.
Ein überraschend hohes Angebot
Ein Händler bewertete das Übernahmeangebot des Bundes als „überraschend hoch“. „Man kam in den vergangenen Tagen zu deutlich niedrigeren Preisen an die Aktie. Vermutlich wollte der Bund den kleinen Aktionären ein wenig entgegenkommen“, sagte der Börsianer. Von einem Entgegenkommen an den Großaktionär J.C. Flowers könne dagegen keine Rede sein: „Der wollte zuerst fünf Euro je Aktie haben und danach drei Euro. Mit 1,39 Euro ist Flowers sicher nicht zufrieden.“
Flowers hat seine Zustimmung zur Verstaatlichung der Bank bislang strikt verweigert und bereits mit rechtlichen Schritten gegen eine Enteignung gedroht. Am Donnerstag reagierte ein Sprecher des Investors mit den Worten, man werde „die Offer erst einmal lesen“. Er fügte hinzu: „Es gibt weiter eine klare Präferenz, als Aktionär im Unternehmen zu bleiben und insofern genauso behandelt zu werden, wie Aktionäre von Banken, die auch unter den Rettungsschirm mussten“. Das sei nach wie vor die Präferenz. Die Bundesregierung hofft trotzdem noch auf ein Einlenken Flowers'. Für eine Mehrheit an der Bank braucht der Bund 41,3 Prozent der Aktien.
Hintergrund des Angebotes ist das von Bundespräsident Horst Köhler unterschriebene Rettungsübernahmegesetz, wonach der Bund die Aktionäre enteignen kann, wenn die Verhandlungen über einen freiwilligen Verkauf scheitern sollten. So hat der Bund die Möglichkeit, den amerikanischen Großaktionär Christopher Flowers zu enteignen, der 24 Prozent der HRE-Anteile hält.
290 Millionen Euro Transaktionsvolumen
Der Bund strebt die Mehrheit an dem börsennotierten Konzern an, um dessen Pleite und weitere Turbulenzen am Finanzmarkt abzuwenden. Das aktuelle Übernahmeangebot entspricht einem Transaktionsvolumen von rund 290 Millionen Euro. Weiteres Ziel des Bundes ist die Sicherung der schon gewährten staatlichen und privaten Hilfen von 102 Milliarden Euro. Ohne diese Garantien wäre die HRE längst bankrott. Eine Insolvenz des Immobilienfinanzierers jedoch hätte nach Einschätzung des Soffin „substantielle, kaum abschätzbare Auswirkungen auf die nationalen und internationalen Finanzmärkte“ sowie die gesamte Volkswirtschaft.
„Mit dem Übernahmeangebot und der gewählten Angebotsprämie unterstreicht der Soffin, dass man das Ziel der Stabilisierung des Finanzmarktes - wenn möglich - auf privatwirtschaftlichem Wege und unter Einhaltung der bestehenden Marktusancen erreichen will“, kommentierte Soffin-Chef Hannes Rehm den Schritt. Der Fonds beabsichtige, das Angebot „sehr zügig durchzuführen“. Die Einzelheiten ergäben sich aus der Angebotsunterlage, die innerhalb der nächsten Tage nach der Prüfung durch die Aufsichtsbehörde Bafin veröffentlicht werden soll. Alle Aktionäre der HRE, die das Angebot annehmen wollen, sollten so rasch wie möglich mit ihrer Depotbank Kontakt aufnehmen, hieß es.