Home
http://www.faz.net/-gbp-13iiu
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER
Aktuelle Nachrichten online - FAZ.NET

Boni-Debatte Warum verdienen Banker so irre viel Geld?

02.08.2009 ·  Die Debatte über Banker-Boni ist wieder da. Die ganze Welt diskutiert, ob solche Zulagen in der Krise falsch sind, ob die Vergütung neue Strukturen braucht, eine langfristigere Orientierung. Eine Frage kommt dabei zu kurz: Wieso bloß verdienen gerade Banker so irre viel Geld?

Von Lisa Nienhaus
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Jetzt ist sie wieder da, die Boni-Debatte. Neun amerikanische Banken, die staatliche Hilfen erhalten haben, schütteten 2008 trotzdem fast 33 Milliarden Dollar an Boni aus. New Yorks Generalstaatsanwalt ist empört. Die ganze Welt diskutiert, ob Boni in der Krise falsch sind, ob die Vergütung neue Strukturen braucht, eine langfristigere Orientierung, mehr Festgehalt. Eine Frage kommt dabei einmal wieder zu kurz: Wieso bloß verdienen gerade die Banker so irre viel Geld?

Natürlich ist nicht jeder Bankangestellte Millionär, doch eines zieht sich durch die gesamte Banker-Hierarchie: Sie verdienen fast immer mehr als andere mit ähnlich guter Ausbildung oder auf ähnlicher Hierarchiestufe in anderen Branchen. Schon die Bank-Azubis verdienen mehr als die Gärtner-Azubis. Die mittlere Führungskraft der Deutschen Bank bekommt mehr als die bei Heidelcement. Der Investmentbanker verdient mehr als der Spitzeningenieur. Und die Bankchefs liegen vorne was Chefgehälter betrifft.

Schon früher verdienten sich Geldverleiher eine goldene Nase

Wieso nur? Eine erste Erklärung lautet: Tradition. Schon früher verdienten die Geldverleiher sich oftmals eine goldene Nase, denn sie erfüllten eine Aufgabe, die kaum einer erfüllen wollte: Sie verliehen Geld mit dem Risiko, es nie wieder zurückzubekommen. Es bestand stets die Gefahr, dass sie ihr eigenes Vermögen verlieren könnten. Höheres Risiko ergibt eine höhere Entlohnung – das leuchtet ein. Heute, so das Argument, gehen die meisten Banker zwar nicht mehr ins eigene Risiko, doch die Verdienste sind geblieben. Man kann es Tradition nennen oder eine perfide Falle der Geschichte. Teils mag das stimmen, doch eines kann es nicht erklären: Wieso sind die Boni in den vergangenen Jahren so stark gestiegen?

Die nächste Erklärung stammt aus der Ökonomie. Sie sagt: Löhne entstehen durch Angebot und Nachfrage. Wenn das Angebot an Arbeitskräften also kleiner ist als die Nachfrage, steigt die Entlohnung. Verdienen Banker also womöglich deshalb so viel, weil eigentlich niemand Banker werden will und erst mit Geld überredet werden muss? Nun, das Arbeiten im Handelssaal oder das Führen von Kreditverhandlungen ist vermutlich kein Job, der jeden Tag eine tiefe innere Befriedigung hinterlässt. Vielleicht trägt das ein wenig zu den guten Gehältern bei. Aber der Beruf ist wohl auch nicht so furchtbar, dass man mit Millionen dafür entschädigt werden müsste. Das kann nicht alles sein.

Je näher man am Geld arbeitet, desto mehr Geld verdient man

Eine dritte Möglichkeit ist, dass Banker besonders produktiv sind. Denn – auch das besagt die Ökonomie – Menschen werden entsprechend ihrer Grenzproduktivität entlohnt, also entsprechend dem zusätzlichen Nutzen für die Produktivität, den sie erbringen. Man muss die Produktivität in diesem Fall wohl in Geld messen. Schaffen es die Banker einfach besser, mehr Geld aus wenig Geld zu machen, als es die Ingenieure schaffen, bessere Autos aus guten Autos herzustellen? Manchmal vielleicht. Gerade Investmentbanker sind in guten Zeiten fähig, riesige Gewinne einzufahren. Das Geld ist der Hebel, mit dem sie von der Produktivität der anderen profitieren. Legen sie es dort an, wo es erfolgreich arbeitet, steigert das ihre eigene Produktivität. Allerdings gelingt es Bankern häufig auch, das Gegenteil zu erreichen und viel Geld zu vernichten. Werden sie vielleicht systematisch überschätzt?

Zum Schluss bleibt noch eine ganz alte Erklärung. Sie lautet: Je näher man am Geld arbeitet, desto mehr Geld verdient man. So wie der Waldarbeiter zu Hause eine Holzheizung hat und der Mars-Mitarbeiter daheim die Schokoriegel hortet, so bekommt der Banker eben das mit nach Hause, was sein Arbeitgeber anzubieten hat: Geld.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Jahrgang 1979, Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

Jüngste Beiträge