Home
http://www.faz.net/-gbp-12k9w
Mehr Angebote
| Abo|Hilfe
Mittwoch, 08. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER
Aktuelle Nachrichten online - FAZ.NET

Bankenverstaatlichung Der Bund ist bei der HRE fast am Ziel

05.05.2009 ·  Kurz vor Ablauf des Übernahmeangebots hat der Bund seinen Anteil an der maroden Bank schon auf 41 Prozent erhöht. Das müsste reichen, um die HRE zu verstaatlichen. Eine Enteignung der Altaktionäre ist wohl nicht nötig.

Von Henning Peitsmeier
Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (1)

Die Krisenbank Hypo Real Estate steht unmittelbar vor der Verstaatlichung. Mittlerweile gehören dem Bund 41 Prozent. Denn bis Montag um 17.30 Uhr sind nach Angaben des Bankenrettungsfonds Soffin dem Bund 32,28 Prozent der HRE-Aktien angedient worden. Zusammen mit dem Anteil, den der Bund bereits vorher hielt, und dem, was noch in den letzten Stunden vor Fristablauf hinzugekommen ist, dürfte das Ziel einer Mehrheitsübernahme wohl erreicht werden - und zwar ohne Enteignung der HRE-Aktionäre.

Im Umfeld von Bundesfinanzministerium und Hypo Real Estate wurde am Dienstag jedenfalls mit einer Annahmequote von mehr als 50 Prozent gerechnet. Denn erfahrungsgemäß entscheiden sich viele Investoren erst am Ende der Frist. Die genaue Quote will der Soffin erst am Donnerstag bekanntgeben.

Flowers droht ein „Squeeze out“

Der Bund, der den HRE-Aktionären eine Offerte zu 1,39 Euro je Aktie unterbreitet hatte, hofft auf einen Anteil von 50 Prozent, damit er die restlichen Aktionäre herausdrängen kann. Doch schon der jetzt erworbene Anteil von exakt 40,93 Prozent kann ausreichen, um mit einer Präsenzmehrheit der Stimmen in der Hauptversammlung am 2. Juni eine Kapitalerhöhung unter Ausschluss der Altaktionäre durchzuziehen. Die HRE benötigt 5,6 Milliarden Euro an frischem Kapital, weil die Kernkapitalquote unter die vorgeschriebene Mindestgröße von 4 Prozent gerutscht ist. Nach erfolgter Kapitalerhöhung kann der Bund die Altaktionäre aus dem Unternehmen herausdrängen („Squeeze out“), ohne sie zu enteignen.

Der amerikanische Investor J. C. Flowers hat angekündigt, sein 14-Prozent-Paket nicht zu verkaufen und gegen eine Enteignung zu klagen. Flowers argumentiert, dass die HRE auf lange Sicht wieder ein „nachhaltig gesundes Unternehmen“ werden könne und er deshalb Aktionär bleiben wolle.

„Gute Fortschritte bei Neuausrichtung des Konzerns“

Doch derzeit hat der angeschlagene Immobilienfinanzierer mit einer Menge Schwierigkeiten zu kämpfen. Das belegen die Zahlen zum 1. Quartal, die die HRE am Dienstag vorlegte. „Wie die vorangegangenen Quartale stellte auch das erste Quartal des Jahres 2009 in dem weiter schwierigen Marktumfeld eine große Herausforderung für den Konzern und seine Mitarbeiter dar“, erklärte der HRE-Vorstandsvorsitzende Axel Wieandt. In den ersten drei Monaten fiel ein Verlust von 406 Millionen Euro vor Steuern an. Höhere Risikovorsorge für Immobilienfinanzierungen in Nordamerika, Abschreibungen bei Wertpapieren und Kosten für die Bürgschaften des Bundes belasteten die HRE.

Gleichzeitig berichtete Wieandt von „guten Fortschritten bei der Neuausrichtung des Konzerns“. Die HRE hat nach seinen Angaben im Immobilienbereich ein Neugeschäft im Volumen von 600 Millionen Euro erzielt. Zum überwiegenden Teil handle es sich dabei um Geschäfte mit Bestandskunden. Wie viele neue Kunden die Bank gewinnen konnte, sagte Wieandt nicht.

Im vergangenen Jahr hatte der Immobilienfinanzierer einen Verlust von fast 5,5 Milliarden Euro hinnehmen müssen. Die Bundesregierung und ein Bankenkonsortium bewahrten die HRE dank Finanzhilfen über 102 Milliarden Euro vor der Insolvenz.

Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen