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Donnerstag, 20. Juni 2013
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Rettungsplan Opel fährt auf Abstand zu GM

 ·  Opel in Deutschland soll weitgehend eigenständig von der Konzernmutter General Motors (GM) werden, ohne den Konzern zu verlassen. Den Kapitalbedarf eines Unternehmens Opel/Vauxhall ohne den GM-Konzern bezifferte der Aufsichtsratsvorsitzende Forster auf 3,3 Milliarden Euro in ganz Europa. Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen sollen vermieden werden.

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Der schwer angeschlagene Autobauer Opel soll in Europa künftig deutlich eigenständiger agieren können. Das Management sieht die Zukunft des Autobauers in einer rechtlich selbstständigen Geschäftseinheit, wie aus dem am Freitag im Aufsichtsrat der Adam Opel GmbH vorgelegten Rettungsplan hervorgeht. Der Aufsichtsratsvorsitzende Carl-Peter Forster stellte Grundzüge nach einer Sitzung am Opel-Stammsitz in Rüsselsheim vor. Das Konzept soll am Montag der Bundesregierung präsentiert werden.

Der Kapitalbedarf eines neuen europäischen Unternehmens Opel/Vauxhall ohne den von der Insolvenz bedrohten GM-Konzern bezifferte Forster auf 3,3 Milliarden Euro. Opel müsse 1,2 Milliarden Dollar einsparen, sage Forster. Auch GM soll mit Sacheinlagen im Wert von drei Milliarden Euro zur Unterstützung von Opel beitragen. Opel solle Vorteile eines Konzernverbunds weiter nutzen und auch als selbstständige europäische Gesellschaft Teil des GM-Konzerns bleiben - unter anderem, um den Zugang zu Technologien zu behalten und von der Größe des Konzerns („Skalenvorteilen“) zu profitieren. Zur Schaffung des neuen Unternehmens sollen bis zu 50 Prozent der Kapitalanteile an neue Miteigentümer abgegeben werden. Die Gesellschaft sei zudem offen für Investitionen von Dritten.

Durch die Restrukturierung könne GM Europa/Opel bis 2011 wieder profitabel werden, teilte das Unternehmen mit. Im vergangenen Jahr lag der Verlust des GM-Europageschäfts bei knapp drei Milliarden Dollar (lesen Sie dazu auch GM macht 30,9 Milliarden Dollar Jahresverlust ). Laut Forster wurde bei Opel aber noch bis Mitte 2008 Gewinn erzielt.

GM wil Opel-Anteile abgeben

Werksschließungen sollten vermieden werden, obwohl Überkapazitäten abgebaut werden müssten. GM sei bereit Anteile an Opel abzugeben, teile der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Klaus Franz mit. Das gehe aus einem Schreiben der Amerikaner hervor.

„Es ist nicht daran gedacht, einzelne Standorte herauszulösen“, sagte Franz auf die Frage nach einem möglichen Verkauf von Werken. Forster ergänzte, sollte ein anderer Hersteller Interesse an Standorten zeigen, werde das geprüft. Medienberichte, nach denen Konkurrent Daimler Interesse am Werk in Eisenach habe, verloren am Freitag schon wieder an Kraft. Der Stuttgarter Hersteller wolle das Montagewerk in Thüringen nicht übernehmen, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Unternehmenskreisen.

Opel hat allein in Deutschland an vier Standorten insgesamt rund 25.000 Beschäftigte. In Rüsselsheim in der Nähe von Frankfurt fertigen rund 16.000 Mitarbeiter jährlich bis zu 270.000 Autos. In Deutschland gibt es weitere Opel-Werke an den Standorten Bochum, Eisenach und Kaiserslautern.

Der Zukunftsplan sei mit der Bundesregierung zuvor abgestimmt worden, hieß es. Dabei wurde nach Angaben von Opel-Chef Demant auch ein Konzept vereinbart, das ein Abfließen staatlicher Hilfen an GM verhindere. In welcher gesellschaftsrechtlichen Form sich Opel abtrennt, steht noch nicht fest. Das Unternehmen soll jedoch alle Opel-Aktivitäten in Europa inklusive der britischen Schwestergesellschaft Vauxhall umfassen. Angestrebt wird laut Opel-Betriebsratschef Franz eine europäische Aktiengesellschaft, an der sich Regierungen, aber auch die Beschäftigten und die Opel-Händler beteiligen könnten.

Hessen hält sich vage

Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hatte vor der Sitzung des Aufsichtsrats den Eindruck zu korrigieren gesucht, staatliche Hilfen seien schon so gut wie sicher und würden auch schnell gewährt werden. Vor einem Engagement des Staates müssten zunächst alle anderen Mittel ausgeschöpft sein, sagte der Minister in Berlin. Obwohl Guttenberg an diesem Samstag mit den Ministerpräsidenten der vier Bundesländer, in denen es Opel-Standorte gibt, sprechen will, dämpfte sein Ministerium die Erwartung, dass schon dabei staatliche Hilfen vereinbart würden. Zunächst müssten Wirtschaftsprüfer das Konzept bewerten und Risiken für den Staat abwägen, sagte ein Ministeriumssprecher. Erst dann könne der Bürgschaftsausschuss über die Vergabe von Garantien oder Krediten entscheiden. Über die Dauer dieses Verfahrens könne man noch nichts sagen, hieß es im Wirtschaftsministerium.

Der Sprecher der Bundesregierung, Wilhelm, versicherte, dass der Wirtschaftsminister in engem Kontakt mit der Bundeskanzlerin handeln werde. Er wiederholte die Forderung an den GM-Konzern, dass vor staatlichen Hilfen an Opel „die größte Unabhängigkeit“ des Unternehmens sichergestellt sein müsse. Vor einem deutschen Beschluss über Bürgschaften sei auch die Billigung der EU-Kommission abzuwarten.

Steinmeier: Wir müssen tun, was wir können

Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier sagte: „Wir müssen tun, was wir können, damit dieses Unternehmen nicht vom Markt verschwindet“, sagte der SPD-Politiker dem Mitteldeutschen Rundfunk. Allerdings werde der Bund die notwendigen Mittel nicht alleine aufbringen, erklärte Steinmeier. „Es kommt darauf an, dass Bund und Länder gemeinsam zusammenwirken und dass vor allen Dingen eine faire Lastenverteilung zwischen allen europäischen Standorten stattfindet, deshalb werden wir in diese Diskussion jetzt auch Spanien, Großbritannien, Belgien, Polen und andere mit einbeziehen müssen, damit die auch ihren Teil der Lasten tragen“, sagte er.

Die hessische Landesregierung hat eine rasche und konstruktive Prüfung des Opel-Rettungsplans zugesagt. „Es ist gut, dass jetzt ein konkretes Konzept auf dem Tisch liegt“, erklärten Ministerpräsident Roland Koch und Wirtschaftsminister Dieter Posch am Freitag. Sie sagten „alle sinnvollen und machbaren Anstrengungen“ zu, die zur Verbesserung der Situation und zur Sicherung der Arbeitsplätze beitrügen. Hessen werde über die Opel-Vorschläge auch mit der Bundesregierung sprechen.

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