13.07.2009 · Mit dem Einstieg des Staatsfonds aus dem Emirat Qatar bei Porsche wäre der Stuttgarter Konzern seine Finanzsorgen los. In VW-Kreisen wird aber bezweifelt, dass es ein solches Angebot überhaupt gibt. Die Spekulationen um die Zukunft von Porsche-Chef Wiedeking gehen unterdessen weiter.
Von Susanne Preuß und Johannes RitterDas Ringen um die Zukunft der Autokonzerne Porsche und Volkswagen geht weiter, und noch immer ist der Ausgang nicht absehbar. Der Weg für einen Einstieg des Staatsfonds des Emirats Qatar beim hochverschuldeten Porsche-Konzern soll mit der Aufsichtsratssondersitzung am 23. Juli frei gemacht werden. Es handele sich um ein zwischen Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und der Qatar Investment Authority (QIA) fertig ausverhandeltes Konzept, betonte ein Porsche-Sprecher. Informationen, wonach das Investment von Qatar eine Gesamtsumme von 7 Milliarden Euro hat (einschließlich der Übernahme der VW-Optionen), dementierte er nicht.
Das würde bedeuten, dass Porsche einen erheblichen Teil der durch den Einstieg bei VW aufgehäuften Kredite zurückzahlen könnte. Geplant ist dem Vernehmen nach auch, dass die Eigentümerfamilien Porsche und Piëch sich ihrerseits an der Kapitalerhöhung beteiligen. Und weil die im Porsche-Aufsichtsrat vertretenen Familienmitglieder sich verpflichtet haben, mit einer Stimme zu sprechen, müssen sie noch vor der Sondersitzung eine Entscheidung fällen. Am Sonntag gab es dem Vernehmen nach ein Treffen in Salzburg. Dieses war aber offenbar eher informeller Natur und scheint noch keinen Durchbruch gebracht zu haben.
Gesichtswahrender Abgang für Wiedeking?
In Niedersachsen, also im Umfeld der Landesregierung und VW, kursiert unterdessen ohnehin eine ganz andere Version über den Verhandlungsstand zwischen Porsche und Qatar: Es sei eine Falschmeldung, dass Qatar bereit sei, 7 Milliarden Euro für Aktien der Porsche Holding SE und deren Optionen auf VW-Aktien zu bezahlen. Es gebe überhaupt kein verbindliches Angebot an Porsche, über das die Familien beraten könnten. Über die vermeintlichen Erfolgsmeldungen aus Wiedekings Umfeld seien die Verhandlungsführer aus Qatar so sehr verärgert, dass sie Wiedeking angeblich schriftlich mitteilen ließen, dass sie fortan nicht mehr mit ihm, sondern nur noch mit den Porsche-Eigentümern verhandeln wollten, heißt es in Niedersachsen. Das Land ist mit 20 Prozent an VW beteiligt.
Aber warum sollte Wiedeking derart falschspielen? "Wiedeking will sich einen gesichtswahrenden Abgang verschaffen", heißt es im Norden zur Erklärung. Er wolle nach außen hin so tun, als ob er ein attraktives Rettungsmodell für Porsche geschaffen habe. Wenn die Porsche-Eigentümer diesem Modell nicht folgten, könne Wiedeking, so sein angebliches Kalkül, erhobenen Hauptes seinen Rücktritt erklären. Auch einen Zeitpunkt für diesen Schritt hat man in Niedersachsen schon vor Augen: die Porsche-Aufsichtsratssitzung am 23. Juli.
In Niedersachsen ist man auf Krawall gebürstet
Nach Informationen der F.A.Z. plant VW nun ebenfalls eine Aufsichtsratssitzung für den 22. oder 23. Juli. Spätestens bis die Einladung dazu an diesem Mittwoch verschickt wird, soll aus VW-Sicht klar sein, in welche Richtung sich das Ganze entwickelt. Sollte diese Richtung am Ende nicht den Interessen der Wolfsburger und vor allem des VW-Aufsichtsratsvorsitzenden Ferdinand Piëch entsprechen, will VW sich offenbar einem noch engeren Schulterschluss mit Porsche versagen. Hinter vorgehaltener Hand ist davon die Rede, dass man den an Porsche ausgereichten Kredit über 700 Millionen Euro zurückverlangen würde.
Angeblich droht VW sogar mit einer Kapitalerhöhung, die - sofern Porsche nicht mitzieht - den Anteil des Sportwagenbauers verwässern würde. Dass damit auch der Anteil des Landes verwässert würde und das Vetorecht des Landes verlorenginge, nimmt man hin. In Niedersachsen ist man jedenfalls auf Krawall gebürstet: "Entweder erreichen wir einen Konsens, oder es gibt Krieg." Konsens würde demnach bedeuten, dass die Porsche Holding SE knapp die Hälfte der Porsche AG, in der das operative Geschäft liegt, an VW verkauft. Weil der angebotene Preis von 3 bis 4 Milliarden Euro bei den Eigentümern für Empörung gesorgt hatte, hat VW offenbar nachgebessert.
Steuerfreie Transaktion zu Lasten der Steuerzahler
Wie das Magazin "Focus" berichtet, soll eine vom VW-Vorstand geplante Konstruktion eine steuerfreie Transaktion ermöglichen, so dass Porsche letztlich eine Milliarde Euro Geld mehr zur Verfügung steht. Das komplizierte Modell sieht laut "Focus" vor, Steuerschlupflöcher zu nutzen und bei dem Geschäft neu zu gründende Firmen zwischenzuschalten. "Das Ganze ist legal, aber wir greifen tief in die Steuertrickkiste", so ein VW-Manager.
Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff kennt angeblich das Vorhaben, das zu Lasten der Steuerzahler gehen würde. Der CDU-Politiker und VW-Aufsichtsrat soll dem Angebot zugestimmt haben. Ein Wulff-Sprecher sagte dem Magazin: "Wir kommentieren Querschüsse schon seit zehn Tagen nicht mehr."