24.01.2009 · Er ist der jüngste Vorstand bei BMW: Seit zwei Monaten sitzt Harald Krüger, 43, in der obersten Chefetage des Münchener Autokonzerns. Im Gespräch mit der F.A.S. erläutert er, wie das Unternehmen ohne weiteren Stellenabbau und ohne Geld vom Staat durch das Jahr kommen will.
Er ist der jüngste Vorstand bei BMW: Seit zwei Monaten sitzt Harald Krüger, 43, in der obersten Chefetage des Münchener Autokonzerns. Im Gespräch mit der F.A.S. erläutert er, wie das Unternehmen ohne weiteren Stellenabbau und ohne Geld vom Staat durch das Jahr kommen will.
Herr Krüger, wie lange arbeiten die BMW-Fabriken kurz?
Für Februar und März haben wir Kurzarbeit an vier Standorten vereinbart, davon sind 26 000 Mitarbeiter betroffen.
Und im April, glauben Sie, ist die Welt wieder in Ordnung?
Die Weltwirtschaft wird in zehn Wochen sicher nicht über dem Berg sein, aber wir glauben an unsere neuen Modelle: Im Frühjahr läuft der Z4 an, der in Regensburg hergestellt wird. Der neue 7er, der aus Dingolfing kommt, wird gerade in Amerika und China eingeführt. Deswegen haben wir berechtigte Hoffnung, dass wir im April keine Kurzarbeit mehr brauchen.
Theoretisch könnten Sie 18 Monate lang kurzarbeiten, so hat es der Gesetzgeber beschlossen.
Ja, wir haben Spielraum, auch wenn wir nicht damit rechnen, dass wir ihn voll ausschöpfen müssen.
Für die Mitarbeiter ist Kurzarbeit die angenehmste Form der Krisenbewältigung: Mercedes zahlt 97 Prozent des Nettolohns, ein BMW-Werker erhält 93 Prozent des Nettolohns und darf zu Hause bleiben.
So ist es nicht. Niemand sitzt ganz zu Hause, wir fahren die Produktion ja nicht auf null zurück. Es fallen einzelne Tage und Schichten aus. Im Schnitt arbeitet unsere Belegschaft 15 bis 20 Prozent weniger. Und wenn unsere Kollegen in Baden-Württemberg geringfügig mehr bezahlen, dann liegt das am dortigen Tarifvertrag.
So großzügig können die Unternehmen nur sein, weil sie von der Bundesanstalt für Arbeit subventioniert werden.
Der Spareffekt ergibt sich für uns dadurch, dass die Bundesagentur etwa zwei Drittel des während der Kurzarbeit eines Mitarbeiters ausfallenden Netto-Entgelts übernimmt, das stimmt.
Hat ein bis vor kurzem prächtig verdienender Konzern wie BMW keine Skrupel, auf das Geld des Steuerzahlers zurückzugreifen?
Da gibt es offensichtlich ein Missverständnis: Bei dem jetzt von der Bundesagentur für Arbeit ausgezahlten Kurzarbeitergeld handelt es sich um Versicherungsleistungen, Unternehmen und Mitarbeiter haben hierfür seit Jahrzehnten eingezahlt. Und weil BMW-Mitarbeiter überdurchschnittlich gut verdienen, sind da seitens BMW auch überdurchschnittliche Beträge zusammengekommen. Kurzarbeit ist also auch für uns ein legitimes Instrument, um Wirtschaftlichkeit und Beschäftigung des Unternehmens zu sichern. Das nehmen wir jetzt für zwei Monate in Anspruch, ergänzend zu den Maßnahmen, die wir bereits in der Vergangenheit angewendet haben: längerer Urlaub etwa in der Weihnachtspause und Abbau von Arbeitszeitkonten.
2008 hat BMW 65 000 Autos weniger gebaut als geplant. Um wie viel kürzen Sie die Produktion dieses Jahr?
Wenn wir jetzt voll produzieren würden, würden im Februar und März 38 000 Autos mehr vom Band laufen.
Wird die Abwrackprämie der Nachfrage auf die Sprünge helfen?
Grundsätzlich ist diese Maßnahme zu begrüßen. Wir haben in Deutschland einen relativ alten Fahrzeugbestand, und jedes neue Auto hilft der Umwelt, da es viel weniger CO2 ausstößt. Für BMW wird der Effekt allerdings überschaubar bleiben. Die 2500 Euro Prämie sind aber zum Beispiel für Berufseinsteiger nach dem Studium attraktiv. Die haben oft einen alten Wagen und wollen sich jetzt einen Mini oder einen BMW 1er gönnen.
Sie haben voriges Jahr 8100 Stellen gestrichen, droht jetzt ein weiterer Personalabbau? Müssen die BMW-Werker sich auf Kündigungen einstellen?
Nein. Wir haben eine Vereinbarung zur Beschäftigungssicherung, derzeit bis zum Jahr 2014. Diese Beschäftigungssicherung ist natürlich an bestimmte Voraussetzungen gebunden, auf die ich hier nicht im Detail eingehen möchte.
Das heißt: Wenn das Geschäft weiter einbricht und Sie Verluste schreiben, dürfen Sie auch entlassen?
Langfristig lässt sich Beschäftigung nur sichern, wenn ein Unternehmen Gewinne erwirtschaftet. 2009 wird es jedenfalls keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Für den Fall, dass die Krise länger dauert, als gedacht, würden wir durch Fluktuation frei werdende Stellen nicht ersetzen.
Stellen Sie im Moment überhaupt noch Leute ein?
Natürlich! Vor allem für Forschung und Entwicklung. Wir suchen mehrere Hundert Ingenieure. Wir werden auch neue Auszubildende einstellen, weil wir auch im Jahr 2012 hochqualifizierte Facharbeiter brauchen.
Die Metallarbeitgeber fordern, die im Mai fällige Lohnerhöhung zu verschieben, Sie auch?
Da gibt es zur Zeit keine Überlegungen. Tatsache ist, dass der Tarifvertrag es den Firmen grundsätzlich erlaubt, die im Mai fällige zweite Stufe der Lohnerhöhung von 2,1 Prozent bis Dezember dieses Jahres zu verschieben. Voraussetzung ist das Einvernehmen mit dem Betriebsrat.
Das würde er bei Ihnen wohl tun, angesichts der Lage?
Der Betriebsrat der BMW Group versteht die gesamtwirtschaftliche Situation, und er weiß, dass die Profitabilität des Konzerns die Prämisse für alles andere ist.
Muss BMW sich aufgrund der geringen Stückzahlen in der Krise an einen größeren Partner anlehnen?
Die Selbständigkeit von BMW steht nicht in Frage. Was es immer geben wird, sind projektbezogene Kooperationen. Mehr nicht.
Zuletzt haben Sie mit Fiat über eine Zusammenarbeit verhandelt. Hat sich das Thema erledigt, da die Italiener jetzt bei Chrysler einsteigen?
Mit Fiat können wir auch künftig zusammenarbeiten, entscheidend ist letztlich, dass beide Seiten davon gleichermaßen profitieren.
Allen Dementis zum Trotz wird am Kapitalmarkt regelmäßig über ein Zusammengehen von BMW mit Daimler spekuliert. Was sagen Sie dazu?
Wir haben gemeinsame Projekte mit Mercedes, ansonsten sind und bleiben wir Wettbewerber. Das hat auch etwas Gesundes, da es uns anspornt. So sind unsere Ingenieure stolz darauf, dass der neue BMW 7er besser ist als jedes andere Auto in der Oberklasse.
Wie verträgt sich dieser Stolz damit, dass BMW angeblich nach der Hilfe des Staates ruft?
Wir brauchen kein Geld vom Staat. Dafür gibt es keinerlei Notwendigkeit. Unter Federführung des VDA prüfen wir aber zur Zeit, inwiefern für die Finanzsparten der Automobilhersteller Garantien für Anleihen notwendig und sinnvoll sein könnten. Uns geht es dabei ausschließlich um die Refinanzierung des Leasing- und Kreditgeschäfts für Automobile.
Der Staat ist nicht als neuer BMW-Eigner gefragt?
Nein. Dazu besteht überhaupt keine Notwendigkeit. BMW hat einen stabilen Großaktionär.
Seit zwei Monaten sitzt Harald Krüger, 43, im BMW-Vorstand. Der Manager ist ein echtes Eigengewächs des Münchner Konzerns: Nach Maschinenbaustudium und Forschungsstation am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt heuert er 1992 als BMW-Trainee an. In Zwei-Jahres-Schritten geht es von da an aufwärts, mit Aufenthalten im amerikanischen Spartanburg sowie als Leiter der Motorenproduktion im britischen Hams Hall. Zum Antritt als Personalvorstand schenkte ihm die Belegschaft Fußball, Trikot und Schienbeinschützer, anspielend auf seine Ambitionen als Kicker in der Jugend von Eintracht Braunschweig.
Natürlich sind es keine Versicherungsleistungen,
Karl-Heinz Andresen (khaproperty)
- 24.01.2009, 18:45 Uhr