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Dubiose Termingeschäfte Neue Finanzlöcher bei Porsche

25.05.2009 ·  Die Finanzierungsschwierigkeiten von Porsche werden immer gravierender. Offenbar hat sich der Sportwagenhersteller mit Termingeschäften verspekuliert. Experten von Banken schätzen den zusätzlichen Kapitalbedarf auf bis zu 9 Milliarden Euro.

Von Christoph Ruhkamp
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Dass Porsche sich mit der Übernahme von Volkswagen finanziell verhoben hat, ist bekannt. Mittlerweile kommen aber immer mehr Details ans Licht, die vermuten lassen, dass das Finanzierungsproblem wesentlich größer ist als die zuletzt offiziell bilanzierten Nettoschulden von 9 Milliarden Euro. Der zusätzliche Kapitalbedarf resultiert nach Angaben aus Branchenkreisen unter anderem aus Fehlspekulationen mit Verkaufsrechten auf VW-Aktien. Porsche gibt zu, dass das Unternehmen bereits im März einen Kredit über 700 Millionen Euro von der Tochtergesellschaft VW erhalten habe, der bis September läuft. Laut Branchenkreisen hätte Porsche sonst die Insolvenz gedroht.

Aktuell verhandelt Porsche mit arabischen Investoren über einen Einstieg und parallel dazu mit mehreren Banken über einen zusätzlichen Kredit von 1,75 Milliarden Euro. „Eine dieser Banken ist die KfW“, sagte ein ein Unternehmenssprecher. Noch kurz zuvor war eine Kreditanfrage der Stuttgarter bei der staatlichen Förderbank KfW abgewiesen oder zumindest nicht geprüft worden. Nach Angaben des Porsche-Sprechers werden die jetzt angestrebten Kredite für Leasing-Finanzierungen bei Autoverkäufen sowie für die finanzielle Unterstützung von Händlern und Zulieferern benötigt. Damit revidierte Porsche frühere Angaben, wonach bis März kommenden Jahres kein Refinanzierungsbedarf bestehe.

„Porsche steht nicht vor einer Insolvenz“

Einen akuten Engpass gebe es aber nicht. „Porsche steht nicht vor einer Insolvenz, auch wenn das immer wieder behauptet wird“, sagte der Sprecher. Das Unternehmen müsse kurzfristig keine größeren Kredite oder Darlehen zurückzahlen. Für wie lange dies gelte, wollte der Sprecher allerdings nicht sagen.

Ein wesentlich dramatischeres Bild von der Finanzlage zeichnen Branchenexperten. Hintergrund sind die Termingeschäfte von Porsche mit VW-Aktien. Davon gibt es zwei Arten: Zum einen das Recht, VW-Aktien zu einem bestimmten Preis zu kaufen. Zum anderen die Pflicht, VW-Aktien zu einem bestimmten Preis zu erwerben. Ein großer Teil dieser Geschäfte wird am 19. Juni fällig. Über die Laufzeiten und Volumina ist – außer unbestätigten Gerüchten – nichts bekannt.

Wesentlich höherer Finanzbedarf als bisher bekannt

Nach Angaben der Luxemburger Privatbank Sal. Oppenheim zeigen die Probleme Porsches bei der Beschaffung von frischem Geld jedoch, dass der Finanzbedarf wesentlich höher ist als bisher bekannt. „Unserer Einschätzung nach hat Porsche Verpflichtungen aus Verkaufsrechten auf VW-Aktien mit einem Volumen von 9 Milliarden Euro“, schreibt Analyst Christian Breitsprecher. Diese Summe basiere auf der Annahme eines Ausübungspreises von 130 Euro für 21 bis 24 Prozent der VW-Aktien. Porsche müsse deshalb entweder 9 Milliarden Euro auftreiben, um den Partnern bei den Optionsgeschäften die Aktien abnehmen zu können und den VW-Anteil so auf 75 Prozent aufzustocken. Oder das Unternehmen werde voraussichtlich große Verluste aus den Verkaufsrechten ausweisen müssen. Denn Porsche muss den Kontrahenten, die VW-Aktien andienen wollen, die Differenz zwischen dem vereinbarten Preis und dem zum Auslauftermin der Optionen aktuellen Kurs zahlen.

Wenn Porsche die Aktien von den Geschäftspartnern – überwiegend Banken – nicht übernimmt, dann rechnet Sal. Oppenheim damit, dass die Aktien noch vor dem Auslauftermin in den Markt zurückgegeben werden und den VW-Kurs unter Druck setzen. Die Kaufrechte auf VW-Aktien, über die Porsche ebenfalls verfügt, verlören dann ihren Wert. „Dann würden sich reale Verluste aufhäufen“, glaubt Sal. Oppenheim. Der Kurs der im Streubesitz befindlichen Porsche-Vorzugsaktie reagierte auf die Nachrichten zur angespannten Finanzlage am Montag mit einem Minus von zeitweise 3,5 Prozent auf 43,61 Euro. Unterdessen wird weiter an der geplanten Integration Porsche und VW gearbeitet. Darauf hatten sich die beiden Porsche-Eigentümerfamilien Porsche und Piech geeinigt, denen alle stimmberechtigten Porsche-Aktien gehören. Der Porsche Holding SE gehören darüber hinaus 51 Prozent der VW-Aktien.

VW: Der Ball liegt bei Porsche

Unklar ist noch, ob ein etwaiger arabischer Investor vor oder nach der angestrebten Fusion einsteigen soll. Zudem muss erst noch entschieden werden, ob die Integration so erfolgt, dass die Porsche Holding mit VW verschmilzt oder ob VW das operative Geschäft von Porsche übernimmt und so das Schuldenproblem der Muttergesellschaft löst.

Ein Zeitplan für den Weg zu einem integrierten Autokonzern ist den Angaben des Porsche-Sprechers zufolge bisher nicht vereinbart worden. Am 6. Mai dagegen hatte es noch geheißen, binnen vier Wochen werde es eine Lösung geben. Im Umfeld von VW hieß es jetzt, dass bis Mitte Juni eine grundsätzliche Einigung angestrebt werde. Der Ball liege bei Porsche, VW habe keinerlei Zeitdruck, hieß es in Wolfsburg. Voraussetzung für ein positives Vorankommen sei, dass Porsche die Karten auf den Tisch lege.

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