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Daimler-Sparprogramm Mitarbeiter bekommen weniger Geld

28.04.2009 ·  Es sind herbe Einbußen: Ab Mai sollen 60.000 Daimler-Beschäftigte 8,75 Prozent weniger arbeiten - und zwar ohne Lohnausgleich. Kurzarbeitergeld wird gestutzt, die geplante Tariferhöhung verschoben. Denn wegen des überraschend hohen Verlustes, den der Autobauer heute verkündete, wird nun rigide gespart.

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Der Autobauer Daimler verlangt mehreren zehntausend Mitarbeitern in Deutschland wegen der dramatischen Absatzkrise von Mai an herbe Lohneinbußen ab. Auch Vorstände und leitende Führungskräfte wollen auf Teile ihres Gehalts verzichten. Für etwa 60.000 Beschäftigte aus Bereichen wie Verwaltung, Vertrieb sowie Forschung und Entwicklung werde die Arbeitszeit um 8,75 Prozent ohne Lohnausgleich verkürzt, teilten der neue Personalvorstand Wilfried Porth und Gesamtbetriebsratschef Erich Klemm am Dienstag in Stuttgart mit.

Für die 60.000 Beschäftigten, die in den deutschen Werken im Mai in Kurzarbeit sein werden, wird der Zuschuss zum Kurzarbeitergeld gestutzt. Außerdem wird die ursprünglich für Mai geplante zweite Stufe der Tariferhöhung auf Oktober verschoben. Mit dem Bündel von Maßnahmen will Daimler 2009 zwei Milliarden Euro Personalkosten sparen.

„Schmerzhafte Einbußen“

„Ich bin mir bewusst, dass wir vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern schmerzhafte Einbußen zumuten“, sagte Porth. „In Anbetracht der aktuellen wirtschaftlichen Situation gibt es keine Alternative zu diesem Maßnahmenpaket.“ Klemm betonte: „Die Menschen haben echt jeden Monat weniger Geld und haben Probleme, ihre Familien durchzubringen.“ Dennoch führe an den Maßnahmen kein Weg vorbei. „Wenn sich die Auftragslage verbessert, werden wir wieder zu normalen Verhältnissen zurückkehren.“

Auch Vorstand und leitende Führungskräfte sind von dem Sparpaket betroffen. Sie werden von Mai an Abstriche beim Grundgehalt machen. Beim Vorstand entspreche dies dem Verzicht auf zwei Monatsgehälter, bei den leitenden Führungskräften einem Monatsgehalt, sagte Porth. Zudem entfällt bei den Managern die übliche jährliche Erhöhung des monatlichen Einkommens in diesem Jahr. Die Erfolgsbeteiligung von 1900 Euro für 141.000 Mitarbeiter der Daimler AG für 2008 wird vorerst nicht ausbezahlt. Das Geld soll in ein Mitarbeiter-Kapitalbeteiligungsmodell eingebracht werden. Die Einzelheiten dazu sollen bis Ende des Jahres geklärt werden.

Das zwischen Konzernführung und Gesamtbetriebsrat vereinbarte Gesamtpaket gilt vom 1. Mai 2009 bis 30. Juni 2010. Im Gegenzug zu den Einbußen für die Beschäftigten wurden für rund 16.000 Mitarbeiter, für die bisher der Beschäftigungssicherungsvertrag nicht galt, betriebsbedingte Kündigungen bis 30. Juni 2010 ausgeschlossen. Für die übrigen Beschäftigten der Daimler AG in Deutschland gilt dies bis Ende 2011. In Krisenzeiten kann davon aber abgewichen werden, sofern der Betriebsrat zustimmt.

Tief in die roten Zahlen gerutscht

Zuvor hatte Daimler bekannt gegeben, im Auftaktquartal mit einem Verlust von 1,286 Milliarden Euro deutlich tiefer in die roten Zahlen gerutscht zu sein als von Analysten erwartet. Daimler teilte am Dienstag mit, der Umsatz sei im Zeitraum von Januar bis April wegen der weltweiten Absatzkrise im Vergleich zum Vorjahresquartal um 22 Prozent auf 18,7 Milliarden Euro geschrumpft. Daher sei vor Zinsen und Steuern ein Verlust in Höhe von 1,426 Milliarden Euro angefallen.

Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt bei einem Umsatzrückgang von 23,6 Prozent auf 17,9 Milliarden Euro nur mit einem operativen Verlust in Höhe von 947 Millionen Euro gerechnet. „Sowohl der Ausblick als auch der Verlust im Quartal liegen unter den Erwartungen“, sagte ein Börsenhändler zu den neuen Zahlen. Ein anderer Händler formulierte noch drastischer: „Auf den ersten Blick sind die Zahlen grausam.“

Gewinneinbruch bei Pkws und Nutzfahrzeugen

Daimler sitzt auf vielen unverkauften Autos und die Werke sind nicht ausgelastet. Insgesamt sind die Verkäufe von Autos und Lastwagen um 34 Prozent eingebrochen. Durch die geplanten Kostensenkungen und den Anlauf der neuen E-Klasse werde im Jahresverlauf mit „einer schrittweisen Verbesserung der operativen Ergebnissituation“ gerechnet, teilte der Autobauer mit. Generell werde im laufenden Jahr allerdings weiterhin mit Rückgängen beim Absatz und Umsatz gerechnet.

Die weltweite Absatzkrise sorgte vor allem in der Pkw-Sparte für einen massiven Gewinneinbruch: Der Verlust von Mercedes-Benz Cars betrug 1,1 Milliarden Euro. Der Umsatz sank um 27 Prozent auf 9,1 Milliarden Euro. Durch die frühzeitig eingeleiteten Maßnahmen zur Kostenanpassung - wie Kurzarbeit in den deutschen Pkw-Werken von Mercedes - sei dem Ergebnisrückgang teilweise entgegengewirkt worden, hieß es. Der Konzern geht davon aus, dass sich das Ergebnis des Geschäftsfelds mit der Kernmarke Mercedes-Benz schrittweise verbessere. Im zweiten Halbjahr werde insgesamt ein positives Ergebnis erwartet.

In der Lastwagensparte verbuchte das Unternehmen einen Verlust von 142 Millionen Euro. Der Umsatz sei auf 4,9 Milliarden Euro zwischen Januar und März gesunken. Daimler hatte bereits angekündigt, in den Vereinigten Staaten sein Nutzfahrzeugeschäft neu zu ordnen und dort Stellen zu streichen. Das Geschäftsfeld Mercedes-Benz Vans machte einen Verlust von 91 Millionen Euro. Die Bussparte hingegen schrieb schwarze Zahlen: Der Gewinn sank jedoch um 10 auf 65 Millionen Euro.

Vollständige Trennung von Chrysler

Daimler hatte vor der Bekanntgabe der Quartalszahlen bereits die endgültige Trennung von der verlustreichen amerikanischen Tochtergesellschaft Chrysler verkündet. Nach monatelangen Verhandlungen mit dem neuen Eigentümer Cerberus gibt der Stuttgarter Konzern seine Beteiligung von 19,9 Prozent an dem schwer angeschlagenen Hersteller auf. Außerdem verzichte das Unternehmen auf die Rückzahlung gewährter Darlehen. Für die Trennung greift der deutsche Autobauer, der seine Rest-Beteiligung an Chrysler bereits vollständig abgeschrieben hat, ein letztes Mal in den Geldbeutel. Die Stuttgarter werden in den nächsten beiden Jahren jeweils 200 Millionen Dollar an Pensionszahlungen leisten, um die Absicherung von Mitarbeitern der ehemals vereinten Firma zu unterstützen (siehe dazu auch: Daimler trennt sich endgültig von Chrysler).

Unterdessen wurde bekannt, dass Chrysler künftig mehrheitlich der Autogewerkschaft UAW gehören könnte. Nach einem mit der Gewerkschaftsführung erzielten Abkommen würde die UAW 55 Prozent der Anteile an Chrysler bekommen, nachdem das Unternehmen reorganisiert ist. Der italienische Autohersteller Fiat, der Gespräche über eine Allianz mit Chrysler führt, soll bis zu 35 Prozent erhalten. Auf die amerikanische Regierung und die Anleihegläubiger von Chrysler würden die restlichen 10 Prozent entfallen.

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