24.09.2009 · Kahlschlag beim größten russischen Autokonzern: Das marode Unternehmen hat sich nach eigenen Angaben mit der Gewerkschaft auf einen massiven Stellenabbau geeinigt. Seit Jahren steckt der Hersteller in der Krise.
Russlands größter Autobauer Avtovaz will insgesamt bis zu 27.600 Stellen streichen .Das marode Unternehmen hat sich nach eigenen Angaben mit der Gewerkschaft auf den massiven Stellenabbau geeinigt. Für rund 9100 Mitarbeiter werde ein Sozialplan angeboten, die anderen Stellen würden nach dem altersbedingten Ausscheiden von Beschäftigten nicht neu besetzt, sagte ein Firmensprecher. Derzeit beschäftigt Avtovaz 102.000 Mitarbeiter. Ursprünglich seien sogar 36.000 Stellenstreichungen geplant gewesen. Es herrscht bereits Kurzarbeit, die Gehälter sind um die Hälfte gekürzt worden.
An dem maroden Unternehmen ist seit dem Jahr 2008 der französische Autokonzern Renault zu einem Viertel beteiligt. AvtoVAZ steckt seit Jahren in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. In der ersten Hälfte dieses Jahres ging der Umsatz um 44 Prozent zurück. Unter dem Einfluss der Wirtschaftskrise brach vor allem die Nachfrage nach Lada-Limousinen ein.
Lange Zeit hatte die russische Regierung Druck auf Avtovaz ausgeübt, keine Mitarbeiter zu entlassen. Sie befürchtete Unruhen in Togliatti, einer Stadt am Mittellauf der Wolga, die einzig für das Lada-Werk aufgebaut wurde und in der Avtovaz der mit Abstand größter Arbeitgeber ist. Zuletzt war es immer wieder zu Protesten gekommen. Die Regierung ist über das Industrie-Konglomerat Russian Technologies an Avtovaz beteiligt. Das Unternehmen produziert hauptsächlich inTogliatti; unter Lizenz werden Ladas auch in der Ukraine, in Kasachstan, in Ägypten, in Ecuador und in Uruguay gefertigt. Die Autos gelten als technisch veraltet.
In der Vorwoche hatte der Hersteller bereits die Entlassung von 5000 Verwaltungsangestellten bekanntgegeben. Angesichts der Krise musste Avtovaz die Produktion im Stammwerk auf eine Schicht reduzieren, die Kapazitäten werden etwa zu 65 Prozent ausgelastet. Laut Krisenplan sollen höchstens 500.000 Wagen im Jahr gebaut werden, im vergangenen Jahr waren es noch 943.000.
Avtovaz bekundet neben dem russischen Autobauer Gaz Interesse an einer Kooperation mit dem deutschen Opel-Konzern, der vom österreichisch-kanadischen Autozulieferer Magna und Russlands größtem Geldhaus Sberbank mehrheitlich übernommen werden soll.
Der russische Automarkt leidet besonders stark unter der Absatzkrise. Vor kurzem hatte auch das Unternehmen Gaz die Entlassung von 14.000 Beschäftigten angekündigt (siehe Russischer Opel-Partner GAZ streicht 14 000 Stellen).
Gewerkschaften in Russland?
Joerg Hesse (Granitz)
- 24.09.2009, 18:43 Uhr