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Absatzkrise Autohändler kämpfen um ihre Existenz

05.01.2009 ·  Der Verkauf von Neuwagen wird immer schwieriger. Bislang spielte sich der Niedergang im Stillen ab. Nun stehen in Deutschland bis zu 30.000 Arbeitsplätze im Handel auf dem Spiel.

Von Christoph Ruhkamp
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Wenn Opel-Händler Sascha Schorr aus Eisenach deutlich machen soll, wie schlecht die Geschäfte in seinen vier Salons derzeit gehen, dann erzählt er ein Vorkommnis aus den vergangenen Tagen: Einer von Schorrs 85 Mitarbeitern hatte ein Lockangebot für einen Opel-Corsa in die Zeitung gesetzt und gewährte in der Annonce einen Nachlass von 10 Prozent zum Listenpreis. Erst im Nachhinein stellte der Mitarbeiter mit Schrecken fest, dass er die Mehrwertsteuer vergessen hatte. Doch obwohl das Auto so mit einem Rabatt von rund 30 Prozent angeboten wurde, meldete sich kein einziger Kunde. Glück für den Mitarbeiter - zugleich ein Symbol für die totale Flaute.

"Der Autohandel steht derzeit nicht gerade auf der Sonnenseite", sagt Robert Rademacher. Er vertritt als Präsident des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) die Interessen von rund 40.000 mittelständischen Autohäusern und Werkstätten. Jeder einzelne dieser Betriebe ist klein. Aber mit insgesamt rund 470.000 Beschäftigten ist die Branche ein Riese - und daran gemessen beinahe ebenso bedeutend wie die Autohersteller selbst oder deren Zulieferer.

Die Zahl der Autohändler schrumpft seit einigen Jahren

Der Niedergang spielte sich bisher im Stillen ab. Schon seit einigen Jahren schrumpft die Zahl der Autohändler in Deutschland um jährlich rund 1000. "Aber dieses Jahr dürften es mehr werden, die ausscheiden", schätzt Rademacher. Meist ist die Insolvenz der Grund, manchmal auch Fusionen. Und mittlerweile schlägt der Schrumpfkurs auch auf die Anzahl der Beschäftigten durch: "Wir erwarten, dass in diesem Jahr bei den Autohändlern und Werkstätten rund 30.000 Jobs verloren gehen werden", sagte Rademacher der F.A.Z. Die Zahl der verkauften Neuwagen werde sich 2009 von knapp 3,1 Millionen auf nur noch 2,8 Millionen verringern. Damit ist der ZDK-Präsident pessimistischer als sein VDA-Kollege Matthias Wissmann, der von 2,9 Millionen Neuzulassungen ausgeht.

Als Hauptgrund für die Misere nennt Rademacher eine Überproduktion der Hersteller, die sich nicht mehr zu angemessenen Preisen in den Markt drücken lasse. Als Entlastung empfindet Rademacher die von der Politik jetzt vorgezogene Reform der KfZ-Steuer, die sich künftig nicht mehr an der Motorengröße, sondern am CO2-Ausstoß ausrichtet. Dies werde die Zurückhaltung bei vielen Kunden beenden, hofft der ZDK, die ihre Käufe wegen der Unsicherheit über die neuen Besteuerungskriterien hinausgeschoben hätten. Nötig sei aber darüber hinaus eine "Umweltprämie" für diejenigen Autofahrer, die ihren alten Spritschlucker gegen einen emissionsarmen Neuwagen tauschen. Schon jetzt würden vor allem noch kleine Autos verkauft, die weniger kosten, weniger verbrauchen und weniger CO2 ausstoßen.

Sinkenden Restwerte bei geleasten Autos

Von allen Seiten kommen die Erträge der Autohäuser unter Druck. Opel-Händler Schorr nennt neben der Überproduktion noch weitere Gründe für die Krise: Die Kunden verfügten wegen steigender Mieten, hoher Strompreise und teurem Benzin über weniger Einkommen für den freien Konsum. Gleichzeitig seien jedoch die Listenpreise für viele Autos gestiegen, weil immer mehr anspruchsvolle Technik eingebaut werde.

Hinzu komme, dass die Zinsen für Autofinanzierungen sich stark erhöht hätten. Bei der mittlerweile faktisch verstaatlichten Autofinanzierungsbank des amerikanischen Opel-Mutterkonzerns General Motors sei der Zins innerhalb von wenigen Jahren von knapp 7 Prozent auf heute knapp 10 Prozent gestiegen.

Ein weiteres Problem sind die sinkenden Restwerte bei geleasten Autos. Viele Oberklassewagen werden nach Ablauf der Leasingverträge durch sparsamere Modelle ersetzt und sind nicht mehr gut verkäuflich. Wenn aber der Restwert sinkt, dann müssen die Raten während der Laufzeit des Leasing-Vertrages um so höher ausfallen. Das wiederum drückt auf die Kauflaune der Kunden. Ein wichtiger Aspekt, da 30 Prozent der Neuwagen über Leasing-Verträge an den Mann gebracht werden.

Einige Hersteller haben auf die Krise der Händler reagiert: Daimler bietet seinen Vertriebspartnern jetzt Millionenkredite. Und seit einigen Tagen gewährt Volkswagen den eigenen Händlern einen Aufschub. Je nach Vertrag können sie sich mit der Begleichung der Rechnung zwei bis drei Monate Zeit lassen. Bisher war es üblich, das bestellte Auto direkt bei Abschluss der Produktion zu bezahlen.

Hätte Opel-Händler Schorr einen Wunsch bei der Politik frei, würde er die Lohnnebenkosten um ein Viertel senken. "Dann hätten die Leute wieder Geld für den Autokauf." Finanzieren könne man dies mit Transitgebühren für ausländische Straßennutzer.

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