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700 Mitarbeiter werden entlassen VW wird zur letzten Hoffnung für Karmann

27.10.2009 ·  Für die Beschäftigten des insolventen Autozulieferers Karmann geraten die Gespräche über eine Rettung in letzter Minute zur Geduldsprobe. Der VW-Vorstand berät zwar über eine Übernahme. 700 Karmann-Beschäftigte werden jedoch bis Ende der Woche ihre Kündigung erhalten.

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Für die Beschäftigten des insolventen Autozulieferers Karmann geraten die Gespräche über eine mögliche Rettung in letzter Minute zur Geduldsprobe. Während der Vorstand des Volkswagen-Konzerns nach Angaben von mit dem Vorgängen Vertrauten über eine Übernahme des Unternehmens beriet, gab Insolvenzverwalter Ottmar Herrmann bekannt, dass 700 Karmann-Beschäftigte bis Ende der Woche ihre Kündigung erhalten werden.

Angesichts der angespannten finanziellen Lage des Autozulieferers ist unklar, ob das Unternehmen die Gekündigten bis zum Ablauf der Kündigungsfrist Ende Januar bezahlen kann. Ein Sprecher des Insolvenzverwalters sagte, ob die Beschäftigten ihren Lohn bekämen, hänge davon ab, dass erwartete Zahlungen von Karmann-Kunden eingingen. Viele Altforderungen seien noch nicht beglichen. Werden sie nicht bezahlt, droht dem Zulieferer noch im Oktober das Geld auszugehen. Wie aus Unternehmenskreisen verlautete, stünden im wesentlichen Zahlungen vom Stuttgarter Daimler-Konzern aus.

Schwierige Rettungsgespräche

Indes gestalten sich die Rettungsgespräche zwischen Volkswagen und den Karmann-Eigentümerfamilien schwierig. Den in der nicht insolventen Karmann KG zusammengeschlossenen Familien Battenfeld, Boll und Karmann gehören die Grundstücke und Anlagen des Zulieferers und Cabriobauers. Vertreter der Eigner sollen am Beginn der Gespräche einen Kaufpreis verlangt haben, den die Wolfsburger in der Höhe als inakzeptabel bezeichneten, hieß es in Verhandlungskreisen. Der Insolvenzverwalter und Volkswagen lehnten eine Stellungnahme zum Stand der Gespräche ab. Nach Informationen der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ sind die Gesellschafter-Familien allerdings zu Zugeständnissen bereit sein. Für weniger als 50 Millionen Euro wollten sie das Unternehmen dennoch nicht abgeben, da eine moderne Lackieranlage nicht abbezahlt sei. Sofern sich die Gesprächspartner noch einigen, wird sich der VW-Aufsichtsrat am 11. November mit dem Karmann-Kauf befassen.

Dass Volkswagen sein Angebot erhöht, gilt allerdings als unwahrscheinlich. Für den Konzern sind nach Ansicht von Experten bestenfalls Teile des Osnabrücker Unternehmens interessant. Dazu zählen der Werkzeugbau und die Entwicklungsabteilung. Allerdings gilt auch als möglich, dass der Konzern die Produktion von Kleinserien oder Zulieferaufträge, die ursprünglich an Magna gehen sollten, an das Karmann-Werk vergibt. VW hatte angekündigt, im Falle einer Opel-Übernahme durch Magna Aufträge an den kanadisch-österreichischen Konzern auf den Prüfstand zu stellen.

Volkswagen hätte aber auch bei einem Scheitern der Verhandlungen gute Aussichten, Teile des Osnabrücker Unternehmens zu übernehmen. Außer mit den Eigentümerfamilien führen die Wolfsburger auch Gespräche mit Insolvenzverwalter Herrmann. Denn der Konzern könnte ebenso gut Firmenteile aus der Insolvenzmasse kaufen.

Bei den Karmann-Mitarbeitern schwindet due Hoffnung auf eine Rettung. „Die Belegschaft ist psychisch am Ende“, sagte der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Gerhard Schrader. Die Beschäftigten hätten in der Vergangenheit mehrfach geglaubt, sichere Zukunftsprojekte zu haben. Diese Hoffnungen seien immer wieder enttäuscht worden. Die jüngsten Kündigungen seien die elfte Entlassungswelle seit 2004. Damals arbeiteten bei Karmann 9900 Menschen, aktuell sind es 1600.

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