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Alan Greenspan Zerknirscht im Kongress

25.10.2008 ·  Lange Zeit wurde Alan Greenspan als „Magier“ gepriesen. Er galt vielen als Vater des wirtschaftlichen Erfolges der neunziger Jahre. Die Finanzkrise lässt seine Amtszeit an der Spitze der amerikanischen Notenbank in einem neuen, weniger glänzenden Licht erscheinen. Nun hat er erstmals Fehler eingestanden.

Von Claus Tigges
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Es waren wahrlich keine angenehmen Stunden, die Alan Greenspan im Kongress verbrachte: Sein Auftritt vor einem Ausschuss des Repräsentantenhauses, fast drei Jahre nach seinem Ausscheiden als oberster Währungshüter, geriet zu einem Verhör über die Ursachen der schweren Finanzkrise, die Amerika in diesen Wochen erschüttert. Scharfe Kritik, mitunter sogar Feindseligkeit, schlug dem 82 Jahre alten Greenspan von sichtlich aufgeregten und erzürnten Kongressmitgliedern am Donnerstag entgegen. Sie machten ihrem Ärger darüber Luft, dass eine von Greenspan zu verantwortende falsche Geldpolitik und eine zu lasche Regulierung der Finanzmärkte die Krise heraufbeschworen habe.

Die Parlamentarier hielten dem einstigen Notenbanker frühere Äußerungen vor, in denen er den boomenden Hypothekenmarkt und die Verbriefung von Forderungen als wichtige und ausschließlich positive Errungenschaft gepriesen und die Gefahr einer Preisblase auf dem Immobilienmarkt als gering bewertet hatte. Greenspan, der die amerikanische Geldpolitik von 1987 bis Anfang 2006 geführt hat, wehrte sich nach Kräften, sagte, niemand hätte einen so dramatischen Verfall der Häuserpreise vorhersehen können. Doch der Ausschussvorsitzende Henry Waxman, ein Demokrat aus Kalifornien, und seine Kollegen rangen einem zwischenzeitlich recht kleinlauten Greenspan das Eingeständnis ab, sich in einem entscheidenden Punkt geirrt zu haben: die Selbstheilungskräfte des Marktes zu hoch eingeschätzt und eine strengere Regulierung für nicht notwendig gehalten zu haben. Er habe einen „Fehler gefunden“ in seiner marktwirtschaftlichen Ideologie und sei darüber „betrübt“, sagte ein sichtlich zerknirschter Greenspan.

Heute betreibt Greenspan eine Beratungsfirma

Die Finanzkrise, die über die größte Volkswirtschaft der Welt hereingebrochen ist, lässt Greenspans Amtszeit an der Spitze der Federal Reserve in einem neuen, weniger glänzenden Licht erscheinen. Lange Zeit wurde Greenspan als „Magier“ und als „Maestro“ gepriesen, galt vielen als Vater des großen wirtschaftlichen Erfolges der neunziger Jahre, in denen die Volkswirtschaft nahezu inflationsfrei mit hohen Raten wuchs und der Wohlstand im Land sich ausbreitete. Auch Greenspans Entschlossenheit, nach dem Platzen der Hightech-Blase Anfang des Jahrtausends die Geldpolitik schnell und energisch zu lockern, wurde damals gelobt. Inzwischen aber ist klar, dass die Politik sehr niedriger Zinsen zur Entstehung der Blase auf dem Immobilienmarkt beigetragen hat.

Greenspan hat sich einer restriktiveren Geldpolitik stets mit dem Argument verschlossen, die Fed könne eine solche Preisblase nicht mit Sicherheit diagnostizieren. Man dürfe darum die Preisentwicklung auf dem Häusermarkt nicht bremsen. Auch jetzt noch beharrt der Ökonom, der die Beratungsfirma „Greenspan Associates“ in Washington betreibt und unter anderem ein Mandat der Deutschen Bank hat, darauf, dass er die Immobilienblase mit den Mitteln der Geldpolitik nicht hätte verhindern können.

Seine Memoiren hat er um ein Kapitel Krise ergänzt

Greenspans Argument, das er in vielen Artikeln und Interviews vorgebracht hat, lautet: Der Zusammenbruch des Kommunismus und andere Veränderungen der globalen Wirtschaft haben zu einem Überschuss an Ersparnis geführt, der die langfristigen Kapitalmarktzinsen über Jahre gedrückt und auf einem niedrigen Niveau gehalten habe. Mit anderen Worten: Eine Anhebung des kurzfristigen Notenbankzinses hätte nicht zu einer entsprechenden Erhöhung des langfristigen Zinses geführt, der unter anderem für Baukredite maßgeblich ist. Viele Ökonomen, unter anderem auch Anna Schwartz, die lange mit Milton Friedman die Geldpolitik erforscht hat, nehmen Greenspan das nicht ab.

Im vergangenen Herbst hat Greenspan seine Memoiren veröffentlicht. Der Titel der englischen Ausgabe „The Age of Turbulence“ passt besser in die Zeit als die deutsche Fassung „Mein Leben für die Wirtschaft“. Der Ökonom hat es vor einiger Zeit schon um ein Kapitel der aktuellen Krise ergänzt. Darin schreibt Greenspan: „Die Märkte sind schon dabei, sich selbst zu reparieren.“ Nun wird er sich wohl bald an eine abermalige Überarbeitung des Buches machen müssen.

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