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30,9 Milliarden Dollar Jahresverlust Nur der Staat hält GM noch am Leben

 ·  Die Autokrise trifft den Opel-Mutterkonzern General Motors mit voller Wucht. Im vergangenen Jahr hat der einst so stolze Autokonzern einen Verlust von insgesamt 30,9 Milliarden Dollar eingefahren. Auch das Europageschäft - an dem Opel rund 80 Prozent ausmacht - wirft keine Gewinne mehr ab.

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Der krisengeschüttelte amerikanische Autokonzern General Motors hat mit seinem Quartalsbericht unterstrichen, dass er im Moment nur mit Staatskrediten am Leben erhalten und vor einem Insolvenzantrag bewahrt wird. Die Liquiditätsdecke des Unternehmens wäre zum Jahresende 2008 ohne eine Finanzspritze der amerikanischen Regierung unter ein Mindestmaß gerutscht. Gleichzeitig hat General Motors neue Zweifel an seiner Überlebensfähigkeit geweckt, denn nun beschäftigen sich auch die Wirtschaftsprüfer des Konzerns genauer mit dem Szenario einer Insolvenz. Unter dem Strich hat General Motors für das vergangene Jahr einen Konzernverlust von 30,9 Milliarden Dollar ausgewiesen.

Der Autohersteller hat im Dezember von der amerikanischen Regierung einen Notkredit von 13,4 Milliarden Dollar zugesagt bekommen, eine erste Tranche von 4,0 Milliarden Dollar wurde am letzten Tag des Jahres ausgezahlt. Dieses Geld kam offenbar gerade rechtzeitig, denn damit hatte General Motors am Ende des Jahres liquide Mittel von 14,0 Milliarden Dollar. Nach eigener Einschätzung braucht das Unternehmen Barbestände zwischen 11 Milliarden und 14 Milliarden Dollar, um den Betrieb und seine Zahlungsfähigkeit aufrechterhalten zu können. Ohne die erste Tranche aus dem Staatskredit wäre das Unternehmen unter dieses Niveau gerutscht und hätte nur noch 10 Milliarden Dollar gehabt. Ende des dritten Quartals 2008 lag die Liquidität noch bei 16,2 Milliarden Dollar.

Rick Wagoner: „Extrem schwieriges Jahr“

Mittlerweile sind auch die restlichen 9,4 Milliarden Dollar aus dem Staatskredit ausgezahlt worden. General Motors hat aber schon um zusätzliches Geld von der Regierung gebeten, weil sich die Misere auch im neuen Jahr unvermindert fortsetzt. Finanzvorstand Ray Young sagte am Donnerstag im Fernsehsender Bloomberg, für das erste Quartal sei ein signifikanter Mittelabfluss zu erwarten. Bei der Vorlage eines Sanierungsplans in der vergangenen Woche teilte General Motors mit, bis zu 16,6 Milliarden Dollar zusätzlich von der Regierung zu benötigen. Daneben hofft der Konzern auf 6 Milliarden Dollar Staatshilfe aus anderen Ländern. Damals sagte General Motors, diese Stützungsaktionen würden noch immer billiger kommen als eine Insolvenz. Das Unternehmen warnte davor, dass dieser Fall die Regierungen mehr als 100 Milliarden Dollar kosten würde.

General Motors stemmt sich zwar bislang gegen eine Insolvenz, wies aber im Quartalsbericht gleichzeitig auf die Möglichkeit dieses Szenarios hin. So erwartet das Unternehmen nach eigener Aussage eine formelle Einschätzung seiner Wirtschaftsprüfer, ob ein Fortbestand möglich ist. Eine solche Notiz der Wirtschaftsprüfer bedeutet aber, dass es Zweifel am Überleben eines Unternehmens gibt. Das Management von General Motors unter Führung des Vorstandsvorsitzenden Rick Wagoner wollte am Donnerstag nach Washington kommen, um die Lage des Unternehmens mit einer von der Regierung eingesetzten Arbeitsgruppe für die Autoindustrie zu diskutieren.

Auch das Europageschäft wirft keine Gewinne mehr ab

Die Quartalszahlen des Autoherstellers waren insgesamt noch einmal deutlich schlechter als erwartet. GM meldete einen Verlust je Aktie vor Sonderposten von 9,65 Dollar. Analysten hatten im Schnitt mit 7,40 Dollar gerechnet. Der gesamte Konzernverlust im vierten Quartal lag bei 9,6 Milliarden Dollar. Für das Gesamtjahr wies General Motors einen Verlust von 30,9 Milliarden Dollar aus.

General Motors war schon vor der Wirtschaftskrise schwer angeschlagen und defizitär: Zwischen 2005 und 2008 hat das Unternehmen nun insgesamt Verluste von mehr als 80 Milliarden Dollar ausgewiesen. Während in den vergangenen Jahren vor allem der amerikanische Markt das Sorgenkind des Unternehmens war, hat sich die Schwäche mittlerweile auf alle Regionen der Welt ausgedehnt. So erlitt GM in seinem Europa-Geschäft, zu dem die deutsche Tochtergesellschaft Opel gehört, im vierten Quartal einen Verlust von umgerechnet 1,9 Milliarden Dollar. Im Vorjahr hatte es einen Verlust von 445 Millionen Dollar gegeben. Der Aktienkurs von GM verlor am Donnerstag zunächst rund 6 Prozent, legte dann aber zu und notierte am Nachmittag bei 2,60 Dollar mit einem Prozent im Plus.

Aus Angst um ihre Arbeitsplätze haben sich in diesem Zusammenhang Tausende Mitarbeiter der europäischen GM-Tochtergesellschaften an Protestkundgebungen beteiligt. Allein am Opel-Standort Rüsselsheim demonstrierten 15.000 Opelaner für den Erhalt ihrer Jobs. SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier sagte den Opel-Mitarbeitern seine Unterstützung zu. „Wir wissen noch nicht, wie dieser Kampf ausgeht, aber wir haben gute Karten“, erklärte der Politiker (siehe dazu auch: ).

Die amerikanischen Autokonzerne leiden stark unter der weltweiten Nachfrageflaute, hinzu kommen hausgemachte Gründe wie eine verfehlte Modellpolitik in der Vergangenheit. Erst kürzlich hatte der zweitgrößte amerikanische Autohersteller Ford einen Verlust von 14,6 Milliarden Dollar für das vergangene Jahr berichtet. 2007 hatte das Minus noch bei 2,7 Milliarden Dollar gelegen. Im Gegensatz zu GM hat Ford bisher aber keine staatliche Hilfe in Anspruch genommen.

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Jahrgang 1970, Wirtschaftskorrespondent in New York.

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