21.02.2007 · Wissenschaftler haben in der Haut von Süßwasserpolypen einen Vorgang entdeckt, der als „einzigartiger Beweis“ für die Richtigkeit der Evolutionstheorie gelten könnte. Damit könnte just dieser Süßwasserpolyp als Kronzeuge gegen die Idee des „Intelligent Design“ antreten.
Wer die Entwicklung irdischer Lebensformen als Ausdruck eines überirdisch intelligenten, gleichsam göttlichen Designs betrachtet, mag sich bei der Betrachtung von Anmut und Gestalt einer knospenden Hydra bestätigt fühlen. Doch just dieser Süßwasserpolyp dient den Evolutionsbiologen neuerdings als Kronzeuge gegen die Idee des „Intelligent Design“. Ihr zufolge nämlich sollte es in der Natur kaum möglich sein, durch wenige Mutationsschritte völlig neuartige Proteine mit neuen Merkmalen zu kreieren. Genau diesen Vorgang aber haben Thomas Holstein und Suat Özbek von der Universität Heidelberg zusammen mit einer Gruppe um Sebastian Meier vom Biozentrum Basel im Süßwasserpolypen beobachtet.
Für sie ein „einzigartiger Beweis“, dass die Theorie gleitender evolutionärer Übergänge hin zu neuen komplexen Eigenschaften richtig ist. Bisher hat man solche Übergänge von einem Protein in ein anderes nur durch künstlich eingefügte Mutationen im Reagenzglas herbeigeführt. Das deutsch-schweizerische Team konzentrierte sich nun auf die Ausbildung bestimmter Kollageneiweiße, die in der „Haut“ der Hydra vorkommen und insbesondere am Aufbau der darin eingelagerten Giftnesselkapseln beteiligt sind.
Proteine nehmen unterschiedliche Gestalt an
Wie sich durch farbige Markierungen zeigen ließ, können diese kleinen vernetzten Proteine in ihren „Cystein-reichen Domänen“ zwei völlig unterschiedliche Gestalten annehmen. Die eine Proteinvariante kann, wie sich in Laborexperimenten später nachstellen ließ, abrupt in die andere Variante wechseln. Dazwischen liegt eine Art „Brückenstadium“. Nötig für die Umwandlung war nicht mehr als der Austausch einer einzigen Aminosäure. Was sie beobachteten, so schrieben die Wissenschaftler begeistert in der Zeitschrift „Current Biology“ (Bd. 17, S. 173), sei „die Geburt einer neuen Proteinstruktur in der Evolution“.
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