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Down House (39) Darwins Meisterwerk

08.04.2009 ·  Der Verleger John Murray war bei Darwins Buch über den Wandel der Arten nicht sicher, ob es sich gut verkaufen würde. Denn Tauben hatten keine prominente Rolle darin. Dabei waren sie im damaligen England hoch angesagt. Trotz Bedenken wurde das Buch ein Welterfolg.

Von Matthias Glaubrecht
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Als seine Theorie zum Wandel der Arten, jene Idee von der „Transmutation“ durch natürliche Selektion, endlich den Weg an die Öffentlichkeit findet, ist Darwin fünfzig Jahre alt: Mehr als zweiundzwanzig Jahre hat er diese Theorie entwickelt, seit er im Frühjahr 1837 in seinen Notizbüchern dazu mit den ersten Aufzeichnungen begann. Den besonderen Umständen geschuldet hat er seine Abhandlung nun als knappe Kurzfassung entworfen; lediglich als einen „Auszug aus einem Aufsatz über die Entstehung der Arten und Varietäten durch natürliche Zuchtwahl“, wie er das Werk nennen will.

Doch sein Verleger John Murray hält angesichts der immerhin noch fünfhundert Seiten, die das Druckwerk haben wird, nichts vom unverständlich mäandernden Titel. Er schlägt vor, ihn zu kürzen und zugleich die Sache mit der Selektion zu erklären. Kaum weniger kurz wird daraus: „Über die Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl, oder die Erhaltung der begünstigten Rassen im Kampf ums Dasein“. Murray kommentiert auch, dass sich das Buch sicher besser verkaufen würde, „if it were all pigeons“ – wenn Darwin seine merkwürdigen spekulativen Ideen weglassen würde und nur über Tauben schriebe. Für deren Zucht interessiert sich zu dieser Zeit offenbar gerade jedermann in England. Darwin braucht einige Tage, um sich von derartiger Ignoranz gegenüber seiner Theorie zu erholen.

Ein höchstpersönlich signiertes Exemplar

Sein Buch – sahnefarbenes Papier in dunkelgrünes Leinen eingeschlagen, der Ladenpreis beträgt fünfzehn Shilling – wird auch so ein Bestseller. Von der ersten Auflage werden vorab derart viele Exemplare geordert, dass die gedruckten 1250 bei weitem nicht ausreichen und das Buch bereits am Erscheinungstag, dem 24. November 1859, vergriffen ist. Murray informiert Darwin, umgehend eine zweite Ausgabe vorzubereiten, die nur sieben Wochen später, Anfang Januar 1860, mit dreitausend Exemplaren erscheint. Es ist für Autor wie Verleger ein Geschäft: Verdient Darwin an der ersten Auflage 180 Pfund Honorar, sind es an der zweiten über sechshundert Pfund. Allein im ersten Jahr werden 3800 Exemplare abgesetzt, zu Lebzeiten Darwins werden es insgesamt 18 000 Stück – für ein wissenschaftliches Buch damals ein außergewöhnlicher Verkaufserfolg. Die „Entstehung der Arten“ erlebt bis zu Darwins Tod sechs Auflagen. Das Buch ist zudem ein Welterfolg: Innerhalb weniger Jahre wird es in elf Sprachen übersetzt, darunter alle wichtigen europäischen; später kommen achtzehn weitere Sprachen hinzu.

Darwins „Entstehung“ ist zur Ikone der Evolutionsforschung geworden. Angemessenerweise in einer eigenen Vitrine untergebracht, krönt ein Originalexemplare seines epochalen Werks auch die Ausstellung „Darwins Reise zur Erkenntnis“, die derzeit im Museum für Naturkunde in Berlin zu sehen ist. Aufregung unter den Ausstellungsmachern machte sich dort bei der Vorbereitung breit, als sie in der Museumsbibliothek auf dem Deckblatt des jetzt gezeigten Exemplars den handschriftlichen Vermerk „from the author“ entdeckten. Ein von Darwin höchstpersönlich signiertes Exemplar in Berlin? Schnell stellte sich heraus, dass es zwar nicht Darwins Handschrift war, das Buch aber doch etwas Besonderes. Denn offenbar nur dreiundzwanzig Exemplare der ersten Druckauflage, so ergaben die Recherchen, waren einst von einem Angestellten des Verlages von John Murray in dieser Weise signiert und anschließend im Namen Darwins an die ersten Käufer versandt worden. Durch einen von ihnen und auf Umwegen gelangte eines dieser raren Exemplare später ans Berliner Naturkundemuseum.

Der Autor ist Evolutionsbiologe am Museum für Naturkunde in Berlin und als wissenschaftlicher Leiter für die dortige Darwin-Ausstellung verantwortlich. Von ihm erschien Darwin-Biographie „Es ist, als ob man einen Mord gesteht. Ein Tag im Leben des Charles Darwin“ im Herder Verlag.

Quelle: F.A.Z.
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