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Down House (36) Darwins Metaphern

26.03.2009 ·  Diskurspolizisten würden die Metapher gerne ins Reservat des Literarischen verbannen. Darwin hingegen illustrierte damit evolutionäre Prozesse, die das Vorstellungsvermögen seiner Leser überschritten. Und bot Anschlussmöglichkeiten an den Schöpferglauben.

Von Julika Griem
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Darwin hat uns nicht nur eine Theorie, sondern auch einen Schreibstil hinterlassen: Seine Sprache, schreibt die Biographin Janet Browne, „ist die von Ziel- und Zweckgerichtetheit durchdrungene Sprache Miltons und Shakespeares“. Um evolutionäre Prozesse zu illustrieren, deren Dauer das Vorstellungsvermögen seiner Leser überschritt, bediente sich Darwin schon in seinem ersten Hauptwerk „Über die Entstehung der Arten“ von 1859 rhetorischer Strategien, die heute in der Wissenschaftssprache nicht mehr vorstellbar wären und von Diskurspolizisten gern in ein Reservat des Literarischen verbannt würden: Er verwickelte seine Leser in Zwiegespräche, und er scheute vor Analogien, Gleichnissen und Metaphern nicht zurück.

Diese Bildsprache leistet weitaus mehr, als nur komplexe Sachverhalte zu veranschaulichen. Sie eröffnet den Schauplatz, auf dem einzelne rhetorische Figuren als Denkbilder fassbar werden, in denen sich die spannungsvolle Gestalt von Darwins Theorie verdichtet. Der Begriff der natürlichen Auslese selbst stellt eine solche Figur dar, denn durch die Analogie zur Züchtungstätigkeit des Menschen gelingt es Darwin, Restbestände eines planvoll gesteuerten Geschehens für seine Argumentation zu bewahren und damit Anschlussmöglichkeiten an die naturtheologische Instanz eines lenkenden Schöpfers zu schaffen.

Die Evolution der Metaphern

Zur Herausforderung werden Darwins Texte erst recht, wenn man berücksichtigt, wie sich die Darstellung des Evolutionsgeschehens zwischen verschiedenen Leitmetaphern aufspannt, die sich durch Mehrdeutigkeit und Überdeterminierung auszeichnen. So nutzt Darwin beispielsweise organizistische Metaphern wie den Baum des Lebens und das Bild eines dichtbewachsenen Flussufers in der berühmten Schlusspassage der „Entstehung der Arten“, um biblische Vorstellungen einer geordneten Entwicklung und die evolutionstheoretische Prämisse zufälligen Wandels gleichermaßen im Spiel zu halten.

Die Metapher, die wie ein Hintergrundgeräusch Darwins Schriften begleitet, stellt schließlich das Netz dar: Leitmotivisch durchziehen die „Netze von Ähnlichkeiten“ sein Werk und suggerieren einerseits die Existenz strukturierter Ordnungsmuster. Netze können sich indessen auch so weit ausbreiten und verfeinern, dass sich der beobachtende Forscher in ihnen verliert. Zu solchen Netzen mutiert Darwins Metaphorik in den Romanen George Eliots, die bewusst an die Bildsprache der Evolutionstheorie angeknüpft und damit das lohnenswerte Projekt auf den Weg gebracht hat, die Geschichte der Evolutionstheorie als Evolution ihrer Metaphern zu erzählen.

Die Autorin unterrichtet Anglistische Literaturwissenschaft an der Technischen Universität Darmstadt.

Quelle: F.A.Z.
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