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Down House (26) Darwins Federn

17.03.2009 ·  Warum trägt der Pfau ein derart prächtiges Gefieder? Diese Schönheit kann nicht Selbstzweck sein, meinte Darwin. Zwar wurde ihm beim Anblick von Pfauenfedern für gewöhnlich schlecht, doch für seine Theorie der sexuellen Selektion lieferten sie ihm reiches Anschauungsmaterial.

Von Jane Munro
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Zwei kleine Federn, daumengroß, beige getönt und braun gepunktet: der Flaum des Argusfasans. Wir finden ihn nicht in einer ornithologischen Sammlung, sondern in einer Bibliothek, als Teil des Darwin-Archivs der Cambridge University, wahrscheinlich ein Geschenk des Ornithologen und Illustrators John Gould, der die Vögel der Beagle-Sammlung beschrieb. Darwin besaß noch weitere, aufsehenerregendere Federn dieses Vogels, die inzwischen - gerahmt wie eine altmeisterliche Zeichnung - im Museum of Zoology in Cambridge hängen. Sie zeigen die auffälligen Augenornamente, deren Perfektion Darwin mit „Raffaels Madonna“ verglich und die von anderen „eher als Werke der Kunst als der Natur“ bewundert wurden.

Wenn Darwin auch bekanntermaßen schlecht vom Anblick einer Pfauenfeder wurde, brachte sie ihn doch dazu, seine Theorie der sexuellen Selektion zu formulieren, um die Farbenpracht zu erklären, die so gar keinen Überlebensvorteil zu bieten schien. Die Vögel - „die ästhetischsten Tiere“ nach dem Menschen - hatten ihr herrliches Gefieder, die prächtigen Muster und bezirzenden Singstimmen laut Darwin entwickelt, um das Weibchen anzulocken. Und nicht zuletzt halfen sie Darwin, mehr als jedes andere Wesen, die Existenz von Schönheit in der Natur zu erklären: Nichts könne ihn davon überzeugen, schrieb er 1871 in „Abstammung des Menschen“, dass die „raffinierte Schönheit“ des Vogelgefieders keinen Zweck erfülle.

Schönheit unterm Mikroskop

Wie der Pfau führt auch der Argusfasan seine schillernde Federnpracht, die „das Fell des Leoparden und des Tigers in sich vereint“, in einem fast hypnotischen Balzritual vor. In „Abstammung des Menschen“ unterzog Darwin das Zusammenspiel von Ellipsen und Schattierungen, aus denen sich das Augenornament zusammensetzt, einer gewissenhaften Analyse und behandelte seitenlang die Frage, wie und warum es entstanden sei, fast, als habe er die Schönheit selbst unter das Mikroskop gelegt.

Seine Zeitgenossen stießen sich an Darwins Schluss, das prächtige Gefieder sei zur Freude der Weibchen entstanden. Auf einen Streich hatte er damit dem weiblichen Teil der Natur die Macht bei der Partnerwahl zugesprochen und ihn noch dazu mit einer geradezu menschlichen Fähigkeit zum ästhetischen Urteil ausgestattet: Auch die vornehmeren Regungen des Menschen - sein Geschmack und seine Empfänglichkeit für das Schöne - gehörten ihm von nun an nicht mehr allein.

Zu verstehen hieß für Darwin, die verschlungenen Pfade zu rekonstruieren, die von einer unscheinbaren Feder zum kunstreichen Gefieder führten. Bescheiden, aber alles andere als leichtgewichtig überliefern uns diese Federn Spuren von Darwins Forschungsmaterial und tragen in sich das reizvolle, wenn auch unerreichbare Versprechen, Augenzeuge einer Entdeckung sein zu können.

Aus dem Englischen von Julia Voss.

Die Autorin arbeitet am Fitzwilliam Museum in Cambridge und ist Co-Kuratorin der Ausstellung „Endless Forms: Darwin, Natural Science and the Visual Arts“, die am 16. Juni am Fitzwilliam Museum eröffnet.

Quelle: F.A.Z.
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