09.03.2009 · In der Stadt am Jadebusen hat der frühere SPD-Bundeslandwirtschaftsminister Karl-Heinz Funke nach einem Ratsbeschluss und Querelen in seiner Partei seine Ämter verloren. Er will trotzdem weiter Politik machen.
Von Timo FraschDie am Jadebusen gelegene Stadt Varel hat zumindest zwei politische Kuriosa zu bieten: Im Stadtrat sitzt
die „Menschenmüll Wähleraktion“ (MMW), eine aus einem Filmprojekt entstandene Aktionskunstgruppe, die nach eigenen Angaben eine „andere, aber keineswegs chaotische Politik betreibt“. Diese Fraktion wiederum hat es im Rat mit dem früheren Landes- und Bundeslandwirtschaftsminister Karl-Heinz Funke (SPD) zu tun, der sich im Jahr 2001 wieder auf die Kommunalpolitik in seiner Heimat konzentrieren musste, nachdem er Deutschland allzu lange und fälschlicherweise in der Hoffnung gewiegt hatte, BSE-frei zu sein.
Beide, Funke und die MMW, sind sich jüngst in die Quere gekommen, als die Menschenmüller einen Antrag auf Abwahl des Ratsvorsitzenden und stellvertretenden Bürgermeisters, also Funkes, stellten. Dass ihr Bemühen von Erfolg gekrönt war, ist auch damit zu erklären, dass Funkes SPD-Fraktion zuvor sechs ihrer Mitglieder ausgeschlossen hatte - wegen mangelnder Zusammenarbeit, wie es hieß. Die sechs Genossen, die sich inzwischen „Soziale Demokraten Varel“ nennen, scheinen über ihren Ausschluss aber nicht allzu traurig zu sein. Das hat nach Angaben von deren Fraktionssprecher Bernd Köhler auch mit der Person Funke und dessen ruralem Politikverständnis zu tun. In einem Interview mit dem Wochenblatt „Friesländer Bote“ warf Köhler Funke Ämterhäufung und „politische Instinktlosigkeit“ vor. Funke seinerseits hatte zuvor den sechs „Abweichlern“ (Funke) zur Last gelegt, ihr eigenes Handeln sei karrieristisch geleitet, was er mit dem Hinweis zu erhärten suchte, dass Köhler nun selbst stellvertretender Bürgermeister sei.
Funke, der einst Gerhard Schröders Mann für die ländlich-traditionalistischen Wählerschichten war und sich in dieser Hinsicht Authentizität erwarb, als er nach einer feuchtfröhlichen Bootspartie Polizisten anpöbelte und - mit dem Rücken zu diesen - öffentlich urinierte, will sich dennoch nicht aus der Politik zurückziehen. Dass der begabte Trauerredner noch immer für einen Spruch gut ist, hat er erst am Wochenende bewiesen: Einen Sperrvermerk im Haushalt für die Anschaffung eines Feuerwehrautos bezeichnete er als „so sinnvoll wie eine Entbindungsstation im Männergefängnis“.