15.06.2008 · In kaum einem Land ist die Symbiose von Industrie und Tourismus so gelungen wie in Bayern. Jetzt wird sogar der Schlackenberg in der Oberpfalz zum Naherholungsgebiet ausgebaut. Das ist sozusagen die Jauchegrube der Maxhütte.
Von Albert SchäfferEr ist ein ambivalentes Wahrzeichen der Region: der mächtige Schlackenberg in Sulzbach-Rosenberg. Weit sichtbar ist der wirtschaftliche Aufschwung, den die Oberpfalz durch die Eisen- und Stahlproduktion einst genommen hatte; mehr als hundert Jahre lang wurden dort Produktionsrückstände der Maxhütte aufgehäuft. Und weit sichtbar ist damit auch die gewaltige Herausforderung, vor der die Region am Ende der schwerindustriellen Ära steht.
Die giftigen Stoffe, die in dem 55 Meter hohen Berg mit einem Volumen von 4,8 Millionen Kubikmetern gelagert sind, müssen so eingeschlossen werden, dass sie nicht in die Luft geweht werden und nicht in das Grundwasser sickern.
Der Schlackenberg in Sulzbach-Rosenberg ist die größte Deponiesanierung, die gegenwärtig in Bayern vorgenommen wird. Am Freitag wurde mit einem symbolischen Spatenstich mit der Abdichtung der Oberflächen begonnen. Mit Kunststoffbahnen und zusätzlichen Lehmschichten werden die Schadstoffe gekapselt; anschließend wird der Schlackenberg mit Humus begrünt.
Hier soll eines Tages ein Erholungsgebiet für die Bevölkerung entstehen, auch wenn der bayerische Umweltminister Bernhard (CSU) am Freitag keinen Zweifel daran ließ, dass es auch nach der Sanierung kein Berg wie jeder andere sein werde; es müsse mit einer Nachsorgezeit von mindestens dreißig Jahren gerechnet werden.
Die Kosten der Sanierung, die auf 51 Millionen Euro geschätzt werden, trägt der Freistaat Bayern. Der Betrieb der Neuen Maxhütte Stahlwerke wurde im Jahre 2002 eingestellt. Bei den Grundstücken des Schlackenbergs ergab sich eine juristisch filigrane Lage: Es wurde eine Dereliktionserklärung abgegeben, die einer Aufgabe des Eigentums gleich kam. Mit der Löschung des Deponiebetreibers aus dem Handelsregister existierte keine juristische Person mehr, die zur Sanierung des Schlackenbergs verpflichtet werden konnte. Der Freistaat nahm ihn in Besitz - und schulterte die Sanierungslast.
Er übernahm damit auch die Verantwortung für Bewohner des Schlackenbergs, die in dessen Vegetationsarmut heimisch geworden sind: die Blauflügelige Sandschrecke und die Blauflügelige Ödlandschrecke. Sie müssen während der Sanierungsarbeiten, die im Jahr 2012 abgeschlossen sein sollen, einige Unannehmlichkeiten in Kauf nehmen. Aber der Freistaat ist bei ihnen im Wort, dass bei der Rekultivierung vegetationsarme Flächen ausgespart werden, in denen sie sich wieder rundum wohlfühlen können.