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Saarbrücken Auf dem Bauhof der Geschichte

 ·  Die Stadt Saarbrücken wird auf Veranlassung der CDU- und FDP-Fraktion „eine Bestandsaufnahme der historischen Denkmäler vornehmen“. Auch ein verschollenes Reiterdenkmal von Kaiser Wilhelm I. soll wieder das Licht der Öffentlichkekeit erblicken. Ist das Deutschtümelei?

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In Zeiten globaler Finanzkrisen und tiefgreifender Verunsicherung auch bürgerlicher Kreise wächst der Wunsch nach standfesten Werten. Dies mag sich die CDU-Fraktion im Stadtrat von Saarbrücken gedacht haben, als sie vor Kurzem zusammen mit der FDP der Stadtverwaltung einen Prüfauftrag der besonderen Art gab.

Die von Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (SPD) geführte Verwaltung soll in den nächsten Wochen „eine Bestandsaufnahme der historischen Denkmäler in Saarbrücken vornehmen“. Aber nicht diejenigen sollten katalogisiert werden, die ohnehin noch in Saarbrücken stehen, sondern jene, die nur auf „historischen Aufnahmen“ zu sehen sind, verlangen CDU und Liberale.

Hintergrund der geplanten Spurensuche sind Anregungen von Bürgern, die der Fraktionsvorsitzende der CDU, Peter Strobel, aufgenommen hat. Auf Bauhöfen der Stadt seien etliche alte Standbilder, Säulen und Denkmäler eingelagert, hieß es. Besonders der Tipp eines früheren, inzwischen pensionierten Mitarbeiters der Stadt hat nun der Union in der saarländischen Landeshauptstadt den Ruf einer Monarchistentruppe eingebracht.

Er gab dem Fraktionschef den Hinweis, dass ein Reiterdenkmal des Reichsgründers von 1871, Kaiser Wilhelm I., seit Jahrzehnten „in irgendeinem Bauhof“ Saarbrückens herumstehe. 1904 hatte sein Enkel Wilhelm II. höchstselbst die Reiterstatue des hoch zu Ross sitzenden Großpapa auf der Alten Brücke über der Saar enthüllt. Im Zuge urbaner Verkehrsplanungen musste der Koloss der Stadtautobahn weichen.

Nun müssen sich Strobel und seine Leute in der Lokalpresse verspotten lassen, sie wollten wie in dem berühmten Gassenhauer „ihren alten Kaiser Wilhelm wiederhaben“. Doch Strobel weist den Verdacht der „Deutschtümelei“ zurück. Seine Fraktion wolle nicht das Reiterstandbild des Kaisers wieder aufstellen lassen, sondern prüfen lassen, welche anderen historischen Fundstücke im Zuge der Neugestaltung des Flussufers an der Saar einen schönen Platz finden könnten. Im nächsten Frühjahr will der Stadtrat endgültig entscheiden, ob das gewünschte und etwa 360 Millionen Euro teure Projekt „Stadtmitte am Fluss“ mit Hilfe von Bund, Land und EU überhaupt finanzierbar ist.

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Jahrgang 1960, politischer Korrespondent für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland mit Sitz in Wiesbaden.

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