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Rechtsextremismus Neonazis tarnen Konzert als „private Feier“

28.10.2008 ·  Am vergangenen Wochenende haben Rechtsextremisten nahezu ungestört ein Konzert im mecklenburgischen Mallentin abgehalten. Sie hatten den Ort kurzfristig gewechselt und irreführend nur eine „private Feier“ angemeldet . Die Polizei regelte anschließend den Verkehrsfluss.

Von Matthias Wyssuwa
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Das vergangene Wochenende hat in Mallentin den Neonazis und ihrer Rockmusik gehört: Da, wo Mecklenburg nahezu menschenleer ist, haben am Samstag vier Neonazi-Bands eine alte Industriehalle zur Konzerthalle umfunktioniert. Mehr als 1000 „Sympathisanten“ aus der ganzen Bundesrepublik hatten sich in der Halle in Mallentin nahe Lübeck versammelt. Gestört von der Polizei wurden sie dabei kaum, denn keine der zuständigen Behörden will von dem Konzert gewusst haben.

„Star des Abends“ in Mallentin, so heißt es aus Beobachterkreisen, sei ein Sänger gewesen, der noch bis vor kurzem im Gefängnis saß - seine Band war vom Bundesgerichtshof als kriminelle Vereinigung eingestuft worden. Verhindert wurde sein „Comeback“ an der Ostsee nicht. Die Polizei sei überhaupt erst durch die „massiven Fahrzeugbewegungen“ auf die Veranstaltung aufmerksam geworden, sagt ein Polizeisprecher. Schnell sei der Veranstalter ermittelt worden - ein polizeibekannter Neonazi aus Sachsen-Anhalt.

Ohne Antrag hilflos

Daraufhin postierten sich bis zu 80 Polizisten vor der Halle. Deren Tätigkeit habe sich jedoch auf Überwachung und Verkehrskontrollen nach dem Konzert beschränkt. „Die Veranstaltung war nicht zu verhindern gewesen, da keine Anmeldung vorlag“, sagt ein Polizeisprecher.
Ähnlich sieht es auch die zuständige Landrätin für Nordwestmecklenburg, Birgit Hesse (SPD). Sie sei zwar „entsetzt“ über das Konzert. „Aber da kein Antrag vorlag, konnten wir nicht eingreifen.“

Einen Bericht der Tageszeitung „Ostsee-Zeitung“, in dem Birgit Hesses Sprecherin mit der Aussage zitiert wird, es habe eine Anmeldung für ein Geburtstagsfeier in der Halle mit bis zu 1500 Besuchern vorgelegen, weist sie zurück. Das sei ein falsches Zitat. Der Besitzer der Halle habe diese an zwei Männer vermietet, die mit ihm lediglich eine private Feier mit bis zu 300 Gästen abgesprochen hätten.

„Fehlerhafter Umgang mit Informationen“

So ganz überraschend kam das Konzert aber dann doch nicht. Eine Sprecherin des Innenministeriums sagte, es habe am Freitag Informationen gegeben, dass ein Konzert aus Hamburg „in ein benachbartes Bundesland“ verlegt werden solle. Daraufhin habe man alle „bekannten Treffpunkte der rechtsextremistischen Szene“ durch die Polizei informiert. Mallentin habe aber nicht dazu gehört. Die Einsatzführung der Polizei möchte sie nicht kommentieren. Das Innenministerium habe aber bei der zuständigen Polizeibehörde einen Einsatzbericht angefordert.

Diese hat am Dienstag Versäumnisse beim Einsatz eingestanden. Ein „fehlerhafter und nachlässiger Umgang mit einsatzrelevanten Informationen“ habe dazu geführt, dass es nicht zu dem eigentlich angemessenen Abbruch der Veranstaltung gekommen sei, heißt es in einer Mitteilung der Polizeidirektion. Auch seien „notwendige Kontrollen der anreisenden Rechtsextremisten“ nicht durchgeführt und Polizeikräfte zu spät nach Mallentin gebracht worden. Die Versäumnisse seien jetzt aber aufgearbeitet worden.

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Jahrgang 1982, Redakteur in der Politik.

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