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Nordhorn Bomben statt Glockenspiel

16.07.2008 ·  Seit dem Zweiten Weltkrieg dient die etwa 2300 Hektar große Nordhorn-Range als Übungsziel für Kampfjäger. Eine Bürgerinitiative hört nicht auf, dagegen zu kämpfen.

Von Robert von Lucius
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Eine gewisse Standfestigkeit, manche sagen Beharrlichkeit, wird den Menschen in der Grafschaft Bentheim nachgesagt. So wundert es nicht, dass mit der „Notgemeinschaft Nordhorn-Range“ die vielleicht älteste Bürgerinitiative Deutschlands hier, direkt an der Grenze zu den Niederlanden, zu Hause ist und sich in ihrem Streiten für die Schließung des Schießplatzes nicht beirren lässt.

Seit dem Zweiten Weltkrieg dient die etwa 2300 Hektar große Nordhorn-Range als Übungsziel für Kampfjäger. Auch der Landrat der Grafschaft Bentheim, Friedrich Kethorn, sagt, die Menschen der Region hätten genug „Sonderopfer“ erbracht. Damit meint er nervenzehrende Tiefflüge und Düsenlärm, Schüsse und Staubwolken. Im Kalten Krieg war hier der Lärm besonders groß; auch Kritiker sagen, seit dem Abzug der Briten 2001 sei es schon weit besser geworden. 2007 gab es „nur“ 1500 Zielanflüge gegenüber 16 000 vor zwölf Jahren.

Vor zehn Jahren scheiterte eine Klage der umliegenden Gemeinden und Kreise gegen den Bombenabwurfplatz. Seit dem Frühjahr versuchen sie es wieder und gleich dreifach: mit einer Anfechtungsklage, einer Leistungsklage und einer vorbeugenden Unterlassungsklage - das Grenzvolk ist ja nicht nur beharrlich, sondern auch findig. Die Übertragung des Platzes von den Briten auf die Bundeswehr sei wegen fehlender Anhörung der Kommune rechtswidrig gewesen.

In einem anderen Verfahren erlitt Nordhorn zu Wochenbeginn allerdings einen Rückschlag. Das Bundesverwaltungsgericht lehnte es ab, die Gemeinde in einem Verfahren gegen das „Bombodrom“ in Brandenburg anzuhören. Dort ist sie nicht gegen Flüge und Bomben: Sie befürchtet, dass bei erfolgreichen Klagen gegen den nahe Wittstock gelegenen Übungsplatz die Nordhorn-Range wieder stärker zum Übungsziel von Kampffliegern würde.

Wenn Bundesverteidigungsminister Jung im August die Nordhorn-Range besucht, wird er auf seltene Einmütigkeit stoßen: Alle Gemeinden, alle Parteien, der Niedersächsische Landtag, fast alle Bewohner werben für eine Verlagerung ins Ausland. Oder zumindest zum Bombodrom, damit sie wieder dem Glockenspiel im Nordhorner Rathaus ungestört lauschen können.

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Jahrgang 1949, politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

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