Bantam geht so: Ganz viele Menschen in ganz Deutschland säen Körner dieser extrem goldenen, extrem leckeren und extrem gentechnikfreien Maissorte. Damit schaffen sie kleine gentechnikfreie Zonen in ihren Gärten und Höfen, auf ihren Fensterbänken und Balkons. Ruth Paulig wünscht sich sogar eine große gentechnikfreie Zone: Bayern soll sie heißen. Im Münchner Landtag, wo die Grünen-Politikerin umweltpolitische Sprecherin ihrer Fraktion ist, sollte die Keimzelle sein.
Deshalb steckten Frau Pauligs Mitarbeiterinnen Christina Krüger und Karin Gerhardt Ende April ein paar Bantam-Samen in den Rindenmulch unter den Rosen im Garten des Landtags. Als die Keimlinge zwanzig Zentimeter hoch waren, stellte Ruth Paulig sie der Öffentlichkeit vor. Das war am Dienstag, und weil sich der Landtagspräsident Glück und der bayerische Europaminister Söder zuletzt etwas skeptisch zur grünen Gentechnik geäußert hatten, trug Frau Paulig den beiden CSU-Politikern die Schirmherrschaft über den Landtags-Mais an.
Erst sagte Glück nein, dann Söder. Das war am Mittwoch. Am Donnerstag sagte Söder, er sei zwar persönlich schon immer ein Skeptiker der grünen Gentechnik gewesen, obwohl die Forschung dazu wichtig sei. Weil aber der kommerzielle Anbau von Genmais auch in Bayern auf viel Kritik stoße, müssten die Regionen in der EU künftig selbst entscheiden dürfen, ob in ihnen Genmais angebaut werden dürfe oder nicht. Frau Pauligs Bantam-Aktion hält Söder aber für „Grünen-Hippietum, das das Problem nicht löst“.
Glück wiederum findet, der Landtag sei kein Ort für politische Kundgebungen, und ordnete an, der Mais müsse weg. Am Donnerstagmorgen war er dann auch weg. Ruth Paulig wusste das am Mittag aber offenbar noch nicht. Sie sagte: „Wir haben nur die Schilder ,Gentechnikfreie Zone' herausgezogen. Den Rest überlassen wir dem lieben Gott oder dem Landtagsgärtner.“
Dem Vernehmen nach wurde ein Grünen-Abgeordneter aus Niederbayern beobachtet, wie er die Pflanzen ausgrub - wohl, um sie vor dem Gärtner zu retten. Zur Not hat Frau Paulig aber auch noch zwanzig Pflanzen auf der Fensterbank in ihrem Büro.
