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Mannheim Ganz nüchtern gegen den Alkohol

18.09.2008 ·  Fast jede Großstadt und auch viele kleine Gemeinden im Südwesten versuchen, etwas gegen das Komasaufen von Jugendlichen zu tun. Mannheim setzt nicht auf Verbote, sondern auf Vernunft.

Von Rüdiger Soldt
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Fast jede Großstadt und auch viele kleine Gemeinden im Südwesten versuchen, etwas gegen das Komasaufen von Jugendlichen zu tun: Freiburg hat das Alkoholtrinken zwischen Martinstor und Rathausplatz kurzerhand verboten. Deshalb muss sich die Stadt mit einer Klage auseinandersetzen.

Das „Alkoholmitbringverbot“, das die Stadt Nußloch bei Heidelberg für ihr Stadtfest ausgesprochen hat, ist gerade vom Verwaltungsgericht untersagt worden. Die baden-württembergische Landesregierung arbeitet an einem Alkoholverkaufsverbot, benötigt hierfür aber mehr Zeit als gedacht.

Juristisch weniger umstritten dürfte der Weg sein, den die Stadt Mannheim seit einigen Monaten geht. Sie verzichtet bei der Eindämmung des „Komasaufens“ auf knallharte Ordnungspolitik. Stattdessen versucht Gesundheitsdezernentin Warminski-Leitheußer (SPD) es mit „blauen Briefen“: Werden Kinder oder Jugendliche in Mannheim schwer alkoholisiert von der Polizei aufgegriffen, werden sie nach Hause gebracht. Wenige Tage später steckt dann bei den Eltern der blaue Brief des Jugendamtes im Briefkasten.

In dem Brief erfahren die Eltern, wo ihr Kind betrunken aufgegriffen worden ist, auch werden die Eltern aufgefordert, mit ihren Kindern zu reden. Über den Erfolg des Mannheimer Modells gibt es noch keine zuverlässigen Zahlen, denn bis jetzt wurden erst sechs Briefe verschickt.

Immer deutlicher wird jedoch, welches Ausmaß das Komasaufen inzwischen angenommen hat: Die AOK im Südwesten hat kürzlich erstmals Zahlen dazu vorgelegt. Danach hat sich in den vergangenen vier Jahren die Zahl der jungen Menschen, die mit einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus behandelt werden mussten, verdoppelt. Musste die Krankenkasse 2003 noch etwa 550 000 Euro für die stationäre Ausnüchterung von jugendlichen Komasäufern bezahlen, waren es im vergangenen Jahr schon 855 000 Euro.

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Jahrgang 1966, politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

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