21.10.2008 · Gegen den geplanten Bau des Elbe-Saale-Kanals bei Magdeburg gibt es Protest. Nach Auffassung von Umweltschützern sind die Kosten von 100 Millionen Euro für den 7,5 Kilometer langen Kanal reine Verschwendung.
Von Robert von LuciusSachsen-Anhalt mache sich zum Gespött, warnt der Umweltschützer Ernst Paul Dörfler. Er kämpft mit achtzehn Umweltgruppen, dem Bund der Steuerzahler und den Grünen gegen den Bau des Elbe-Saale-Kanals, der nach seiner Auffassung nur dazu diene, die Mitarbeiter des Wasserschifffahrtsamtes in Magdeburg zu beschäftigen. Die Kosten von 100 Millionen Euro für einen 7,5 Kilometer langen Kanal sind nach Auffassung der Kanal-Gegner eine Verschwendung.
Die große Koalition in Magdeburg glaubt indes, damit der Binnenschifffahrt zu dienen - zumal der Bund die Kosten trägt. Das Landesverwaltungsamt in Halle hat der Regierung Sachsen-Anhalts bestätigt, dass der Bau „umsetzbar“ sei. Der Abschluss des Raumordnungsverfahrens ist aber nur eine von vielen Hürden. Nun muss der Bund entscheiden, ob das auch wirtschaftlich sinnvoll ist. Bisher kamen aus Berlin dazu bemerkenswert vage Einlassungen.
Ein bis zwei Frachtschiffe im Monat
Auch deutet eine Bemerkung eines Staatssekretärs auf Risse in Magdeburg hin. Es sei „nicht unvernünftig“, die Wirtschaftlichkeit zu prüfen, sagt er. Er wird an den Hafen in Halle an der Saale denken, in dem trotz eines 30 Millionen Euro teuren Ausbaus in den letzten zwei Jahren keine Schiffsfracht umgeschlagen wurde. In die Saalemündung, deren Windungen durch den Kanal überwunden werden sollen, fahren derzeit allenfalls ein oder zwei Frachtschiffe im Monat.
Die Umweltschützer können also noch hoffen. Die Raumordner gaben für das nun folgende Planfeststellungsverfahren strikte Auflagen für den Naturschutz vor. Zusätzlich wollen die Kanal-Gegner klagen. Sie verweisen auf die drohende Zerstörung des international geschützten größten Auenwaldes Mitteleuropas. Denn ohne eine gleichzeitige Vertiefung der immer stärker von Niedrigwasser betroffenen Mittelelbe um Magdeburg herum wäre der Schleusenkanal zwischen Saale und Elbe, der nach den Planungen bis 2020 fertig sein soll, eine Investitionsruine. Da der Kanal drei Meter Wassertiefe haben soll, die Elbe aber nur durchschnittlich 1,40 Meter tief ist, könnten die Schiffe meist nicht weiterfahren.
Robert von Lucius Jahrgang 1949, politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.
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